Panorama

Zahlen nach oben korrigiert RKI zählt erstmals mehr als 30.000 Fälle

226506075.jpg

Am vergangenen Donnerstag lag die Zahl der Todesfälle noch bei 440 - nun sind es 698.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Zahl der vom Robert-Koch-Institut gemeldeten Todesfälle bleibt weiter hoch. Binnen eines Tages registriert die Behörde bundesweit fast 700 Tote. Die Zahl der Neuinfektionen erreicht einen neuen Höchststand.

Technische Probleme bei der Datenübermittlung aus Baden-Württemberg haben die amtliche Fallzählung beim Robert-Koch-Institut (RKI) erneut beeinträchtigt. Das RKI meldete am Morgen 26.923 Neuinfektionen - offiziell etwas weniger als am Vortag, aber deutlich mehr als am Donnerstag vor einer Woche.

Insgesamt dürften die aktuellen Tageszuwächse allerdings deutlich höher ausfallen als vom RKI angegeben. Am Morgen war zunächst noch unklar, wie belastbar die Fallzahlen der RKI-Statistik sind: Der leichte Rückgang zum Vortag ging offenkundig vor allem auf auffallend niedrige Fallzahlen aus Baden-Württemberg zurück.

Der Tageszuwachs dort wurde beim RKI mit 645 neuen Fällen angegeben. Diese Zahl lag weit unter dem Durchschnitt der vergangenen sieben Tage. Im mehrtägigen Mittel kamen zuletzt rund 2500 Fälle pro Tag aus Baden-Württemberg hinzu. Die zuständige Landesbehörde hatte die Zahl der neuen Fälle am Mittwoch noch mit 4165 angegeben. Auf Nachfrage von ntv.de bestätigte das RKI schließlich, dass es technische Probleme gab.

Aus "technischen Gründen" seien gestern aus Baden-Württemberg etwa 3500 Fälle zu wenig ans RKI übermittelt worden. Das Problem sei bereits behoben, hieß es am Vormittag. Die Fälle würden nachübermittelt. In der RKI-Zählung sollen sie allerdings erst ab Freitag veröffentlicht werden.

Damit stellt sich die Lage vollkommen anders dar: Ohne die Panne bei der Übermittlung der Daten aus Baden-Württemberg hätte es in der RKI-Zählung heute einen neuen Höchststand bei der Anzahl der übermittelten Fälle gegeben. Der bundesweite Tageszuwachs läge den vorliegenden Angaben zufolge eigentlich deutlich über 30.000. Damit wurden den Behörden zuletzt so viele neue Ansteckungen bekannt wie noch nie zuvor seit Beginn des Coronavirus-Ausbruchs in Deutschland.

Anzeichen für eine grundlegende Veränderung im Fallaufkommen sind nicht zu erkennen: In Baden-Württemberg zum Beispiel lagen am Mittwoch noch alle Regionen teils deutlich über einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100. 

RKI kündigt Überprüfung an

Bereits am frühen Morgen lag die Vermutung nahe, dass die ungewöhnlich niedrigen Fallzahlen aus Baden-Württemberg - wie in früheren Fällen - mit technischen Problemen bei der Datenübermittlung ans RKI in Verbindung stehen könnten. Der auffällige Rückgang in einem der bevölkerungsreichsten Bundesländer Deutschlands wirkte sich auch auf die bundesweiten Zahlen aus. Die vom RKI aktuell ausgewiesenen Neuinfektionen lagen um 805 Fälle unter dem Vortagesniveau. Dabei schwillt das Meldeaufkommen zum Wochenende hin üblicherweise deutlich an.

Noch offen ist, in welcher Größenordnung auch die Zahl der übermittelten Todesfälle nachträglich noch nach oben korrigiert werden muss. Hier wies das RKI für Baden-Württemberg zunächst einen Tageszuwachs um zwölf Fälle aus. Insgesamt verzeichnete das RKI aktuell 698 neue Todesfälle im Zusammenhang mit Coronavirus-Infektionen. Das ist der zweithöchste Wert seit Beginn der Pandemie.

Bundesweit war der Höchstwert von 952 Todesfällen erst am Vortag verzeichnet worden. Ein Grund für den deutlichen Anstieg lag allerdings in den am Mittwoch einlaufenden Nachmeldungen aus Sachsen. Der Freistaat hatte am Dienstag keine Daten übermittelt.

Die Zahl der neu erfassten Infektionsfälle hatte am vergangenen Freitag den bisherigen Höchststand von 29.875 gemeldeten Fällen erreicht. In der Tendenz war die Zahl der täglichen Todesfälle zuletzt nach oben gegangen, was nach dem steilen Anstieg bei den Neuinfektionen auch erwartet wurde. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg - vorläufigen Angaben zufolge - auf 24.125.

Die zur Lagebeurteilung entscheidende Sieben-Tage-Inzidenz - die gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen - sank leicht auf 179,2. Auch dieser Rückgang geht vor allem auf die Datenpanne in Baden-Württemberg zurück. Dort brach die vom RKI ausgewiesene Sieben-Tage-Inzidenz aufgrund der Panne deutlich ein.

Am Mittwoch hatte der bundesweite Wert mit 179,8 einen Höchststand erreicht. Das RKI zählt seit Beginn der Pandemie 1.406.161 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland. Nach Schätzungen sind rund 1.047.600 Menschen inzwischen genesen.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Mittwoch bei 0,98. Das heißt, dass 100 Infizierte rechnerisch 98 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Erst wenn er für längere Zeit unter 1 liegt, flaut dieses ab.

Hinweis: Die Zahlen des RKI weichen in der Regel leicht von jenen Falldaten ab, die ntv.de täglich am Abend meldet. Das ntv.de-Datenteam greift direkt auf die Meldezahlen aus den Bundesländern zu, wie sie von den Ministerien und Behörden vor Ort veröffentlicht werden. Das RKI hingegen ist an die gesetzlich vorgeschriebenen Meldewege gebunden, was zu einem zeitlichen Verzug führen kann.

Zudem bilden die jeweiligen Tageswerte unterschiedliche Erfassungszeiträume ab: Die ntv-Auswertung sammelt die jeweils bis zum Abend veröffentlichten Länderangaben und errechnet daraus einen täglichen Stand der gemeldeten Fallzahlen, der in der Regel ab 20.00 Uhr veröffentlicht wird. Das Erfassungssystem des RKI dagegen berücksichtigt eingehende Meldungen bis Mitternacht, wobei der aktuelle Datenstand dann am nachfolgenden Morgen bekannt gegeben wird.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen