Panorama

"Menschenwürde bewahren" Serienmörder soll nicht mehr ausgestellt sein

120771484.jpg

Zum Museum gehören, neben dem Leichnam des Serienmörders, auch die Mumien von zwei weiteren, allerdings namenlosen Mördern. "Si Quey" hängt leicht schief in der Vitrine.

(Foto: picture alliance/dpa)

Seit über 50 Jahren stellt ein Krankenhaus in Thailand die sterblichen Überreste eines Mörders aus. Jetzt soll das geändert werden. Die Klinik in Bangkok soll den Leichnam des "Kannibalen" der Familie übergeben.

In Thailand wird seit etwa 60 Jahren der Leichnam eines Serienmörders in einem Krankenhaus ausgestellt. Jetzt gibt es daran Kritik und Tausende Menschen haben eine Petition unterschrieben, um dem Mann die letzte Ruhe zu gewähren. Si Quey wird der Mörder genannt, der am 17. September 1959 von einem Erschießungskommando hingerichtet worden war. Sein Leichnam, einbalsamiert mit Paraffin, steht in einem fest verschlossenen Glaskasten in Bangkoks ältestem und größtem Krankenhaus.

Gegen 200 Baht Eintritt, umgerechnet etwa 5,60 Euro, kann ihn dort jeder sehen. Lange hat es offenbar niemanden gestört, dass in der Siriraj-Klinik, wo sich auch die Königsfamilie behandeln lässt, die Leiche eines hingerichteten Mörders zur Schau gestellt wird - mit dem Zusatz "Si Quey (ein Kannibale)". Aber jetzt finden viele Thais, dass das nicht mehr in die Zeit passt. Die Klinik hat angekündigt, die Angelegenheit zu prüfen. Wie lange das dauern soll, verrät sie nicht. Auf dem Glaskasten hinter Si Queys Namen ist der Zusatz "Ein Kannibale" entfernt worden.

Mehr als 10.000 Menschen haben eine Petition gegen die Ausstellung des Mörders unterschrieben. In Gang gesetzt wurde die Bewegung von Pharaoh Chakpatranon, der Mitte Mai ein Foto des Toten auf Twitter veröffentlichte und "Gerechtigkeit" verlangte. Auch Verbrecher hätten nach dem Tod Respekt verdient. "Wir müssen uns die Menschenwürde bewahren." Zudem zweifelt Pharaoh, dass der Chinese alle Morde begangen hat, die ihm zur Last gelegt werden, und wirklich Kannibale war. Si Quey sei "Opfer einer Gesellschaft, aufgrund von unbestätigten Gerüchten, aufgebauscht von den Medien".

Die Präsidentin der Kulturstiftung CCF, Surapong Kongchantuk, ist ebenfalls dafür, den toten Körper aus der Klinik zu entfernen und sagte der Zeitung "The Nation": "Das Krankenhaus muss den Leichnam der Familie zurückgeben, damit Si Quey ein ordentliches Begräbnis bekommt. Es hat kein Recht, den Leichnam zu behalten - und schon gar nicht, ihn öffentlich als Kannibalen zu geißeln."

31-Jähriger tötete offenbar Kinder

Der Chinese, Jahrgang 1927, war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg als Einwanderer nach Thailand gekommen. In der Stadt Noen Phra, südlich von Bangkok, fand er schließlich eine Arbeit als Gärtner. Dort wurde er 1958 ertappt, wie er die Leiche eines Achtjährigen verbrennen wollte. Der 31-Jährige gab zu, den Jungen getötet zu haben. Und auch, Herz, Leber und Nieren herausgenommen zu haben, um sie später zu essen. Im Lauf der Verhöre gestand der Chinese fünf weitere Kindermorde in verschiedenen thailändischen Städten. Der Prozess dauerte nur neun Tage. Das Gericht verurteilte ihn zu lebenslang - auch, weil er sich schuldig bekannt hatte. Das Berufungsverfahren endete dann aber mit der Todesstrafe. Ein paar Monate später wurde es vollstreckt.

Nach der Exekution wurde der Leichnam der Wissenschaft zur Verfügung gestellt. Mit einer Autopsie wollten die Thai-Ärzte klären, ob sich das Gehirn eines Serienmörders von normalen Gehirnen unterscheidet. Anschließend wurde der Tote einbalsamiert und ins Museum gebracht. Seither führten unzählige Eltern ihre Kinder zur Abschreckung ins Siriraj. Die Schusswunden der Hinrichtung sieht man noch, ebenso wie die Autopsienarbe auf der Stirn.

Quelle: n-tv.de, joh/dpa

Mehr zum Thema