Panorama

Nach jahrelangem Betrug Skandal-Reporter Relotius zeigt Reue

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Der 33-jährige Relotius sagt, er habe "in der unverrückbaren Überzeugung geschrieben, es würde bei der Erzählform Reportage keinen Unterschied machen, ob alles 1:1 der Realität entspricht oder nicht".

(Foto: picture alliance/dpa/Julius Hirtzberger)

Ende 2018 wurde der "Spiegel" von einem Betrugsfall erschüttert. Claas Relotius hatte jahrelang Texte mit erfundenen Fakten, Personen oder ganzen Geschichten geschrieben. Der Reporter zog sich aus der Öffentlichkeit zurück und startete eine Therapie. Nun erklärt er in einem Interview erstmals sein Handeln.

Der frühere "Spiegel"-Reporter Claas Relotius hat zweieinhalb Jahre nach Bekanntwerden des Betrugsskandals bei dem Nachrichtenmagazin erstmals ausführlich in einem Interview über seine gefälschten Texte gesprochen. Der Zeitschrift "Reportagen" aus der Schweiz sagte er auf die Frage, wie viele seiner insgesamt 120 verfassten Texte in seiner Journalistenzeit korrekt waren: "Nach allem, was ich heute über mich weiß, wahrscheinlich die allerwenigsten."

Dem Magazin zu Folge befand sich Relotius nach der Aufdeckung für mehrere Monate in stationärer psychiatrischer Behandlung. Nach seiner Entlassung habe er eine ambulante Therapie begonnen.

Er habe "in der unverrückbaren Überzeugung geschrieben, es würde bei der Erzählform Reportage keinen Unterschied machen, ob alles 1:1 der Realität entspricht oder nicht". Relotius drückte an einer anderen Stelle sein Bedauern aus: "Ich habe offensichtlich sehr viel Verantwortungsgefühl ausgeschaltet, am meisten gegenüber Kollegen, aber auch gegenüber realen Menschen, über die ich geschrieben habe. Ich hatte beim Schreiben nie niederträchtige Absichten, und ich wollte auch niemanden verletzen, indem ich etwas Falsches schreibe. Dass ich das getan habe, bereue ich am meisten."

Redaktionen reagierten mit verbesserten Quellenchecks

Das Magazin "Reportagen" veröffentlichte auf seiner Webseite ein ungewöhnlich langes Interview mit mehr als 90 Fragen an den früheren "Spiegel"-Reporter, der Ende 2018 die Medienbranche schwer erschütterte. Relotius hatte für den "Spiegel" Reportagen geschrieben, die fehlerhaft waren, und die zum Teil erfundene Szenen, Gespräche und Ereignisse enthielten. Er war als Journalist mit Preisen überhäuft worden und genoss hohes Ansehen.

Der "Spiegel" machte den Betrugsfall selbst öffentlich und arbeitete diesen akribisch auf. Relotius, der damals für das Gesellschaftsressort tätig war, hatte die Fehler laut "Spiegel" eingeräumt. Seine Karriere bei dem Nachrichtenmagazin war vorbei. Es folgten weitere personelle Konsequenzen im Haus, das Magazin überarbeitete zudem seine redaktionellen Standards. Viele andere deutsche Redaktionen steuerten bei ihren Quellenchecks nach. Für das Magazin in der Schweiz, das das Interview nun veröffentlichte, hatte Relotius in seiner Journalistenzeit ebenfalls mehrere Texte geschrieben.

Quelle: ntv.de, jru/dpa

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