Panorama

Verbrecherjagd mit Laborhilfe Verrät die DNA-Analyse bald mehr über Täter?

imago94678941h.jpg

Kriminaltechniker sichern wichtige DNA-Spuren, die später im Labor untersucht werden.

(Foto: imago images/Arnulf Hettrich)

Bei Morden und Vergewaltigungen sollen Täter so schnell wie möglich gefasst werden. Deshalb diskutiert der Bundestag über eine mögliche Ausweitung der DNA-Fahndung, die Ermittlungsverfahren beschleunigen könnte. Doch Kritiker warnen eindringlich vor Racial Profiling. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen.

Was ist bislang bei der Strafverfolgung rechtlich möglich?

Sobald DNA-Spuren an einem Tatort oder einem Opfer gesichert werden, kann die Polizei dieses Material für ihre Ermittlungsarbeit nutzen. Hautschuppen, Bluttropfen und Sperma dienen den Ermittlern als Ausgangsmaterial für die Fahndung und können somit entscheidende Hinweise zu den Tätern liefern. Gerade in Fällen, in denen es mehrere Tatverdächtige gibt, ist die DNA-Analyse das wichtigste Mittel, um den Straftäter zu überführen.

Bisher dürfen die Ermittlungsbehörden nur das Geschlecht feststellen und überprüfen, ob die DNA schon einmal in Zusammenhang mit einem anderen Fall bei der Polizei registriert worden ist. So können beispielsweise Serienmörder oder Serienvergewaltiger auch noch Jahre nach den Taten überführt werden. Die DNA-Analyse wird durch die besondere Struktur der menschlichen Erbsubstanz möglich. Befürworter der erweiterten Methode erhoffen sich eine schnellere und bessere Strafverfolgung bei Fällen wie beispielsweise Tötungsdelikten und Vergewaltigungen.

Was ist eine erweiterte DNA-Fahndung?

Bei der ausgeweiteten DNA-Analyse sollen Polizisten zukünftig DNA-Spuren, die flüchtige Täter hinterlassen haben, auf das äußere Erscheinungsbild prüfen dürfen. Das bedeutet, dass Augen-, Haar- und Hautfarbe mithilfe der Analyse festgestellt werden. Auch das ungefähre Alter könnte durch den neuen rechtlichen Rahmen ermittelt werden, falls der Bundestag das Gesetz wie nun geplant auf den Weg bringt.

Jedoch soll es auch künftig in Deutschland verboten sein, nach der sogenannten biogeografischen Herkunft zu suchen. Damit könnte festgestellt werden, von welchem Kontinent der Tatverdächtige stammt. In den Niederlanden wird das beispielsweise anders gehandhabt. Dort dürfen die Ermittler eine erweiterte Analyse anwenden - und nutzen dies in Einzelfällen auch, um einer möglichen Spur nach der Herkunft nachzugehen. Experten sagen, dass diese Methode nur in ganz speziellen Fällen sinnvoll wäre.

Welche Punkte sind strittig?

Kritiker der erweiterten Analyse befürchten Racial Profiling, also eine Diskriminierungsgefahr. Darüber hinaus würde die Ausweitung des polizeilichen Zugriffs auf den codierten Teil des Genoms einen großen Eingriff in den Datenschutz bedeuten. Denn laut Experten würde dies dann möglicherweise auch Informationen über Erkrankungen und persönlichkeitsrelevante Daten beinhalten.

Außerdem wird kritisiert, dass nicht alle Faktoren zu 100 Prozent sicher überprüft werden können, so dass es immer noch eine Fehlerquote bei der erweiterten Analyse geben könnte, die die Ermittlungsergebnisse eher verfälschen könnte.

Der geplante Teil der rechtlichen Erweiterung ist der einer grundlegenden Erweiterung der Strafprozessordnung. Kriminologe Christian Pfeiffer kritisierte, der Entwurf wecke "Erwartungen, die nicht erfüllbar sind". Die Wissenschaft sei noch nicht weit genug. Auch der Anwaltverein lehnt die Idee ab und spricht von einem "Tabubruch" und einem unzulässigen Eingriff in das Persönlichkeitsrecht.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema