Panorama

Aprilwetter gibt es kaum noch Viel Sonne, Ostermontag, viel Sonne

131581950.jpg

Gut sichtbar und mit Abstand - so soll es sein.

(Foto: picture alliance/dpa)

Schneller Wechsel von Sonne, Wolken und Regen, am besten an einem Tag - das war einmal: Der Klimawandel hat dem April sein typisches Wetter ausgetrieben. Die Folgen sind teils dramatisch. Denn die erneut frühsommerlichen trockenen Tage bedeuten für die Natur nicht nur Gutes, wie ntv-Meteorologe Björn Alexander sagt. Gleiches gilt für Allergiker und Sonnenempfindliche.

ntv.de: Derzeit kommt der April schon fast wie Mai oder Juni daher. Bleibt es auch an Ostern so schön und warm?

Björn Alexander: Ausgerechnet an den Ostertagen - speziell am Ostermontag - mogelt sich kurzzeitig Tiefdruckeinfluss mit kälterer Luft dazwischen. Spätestens ab Dienstag folgt aber bereits das nächste Hoch, und ab Mitte der kommenden Woche winkt erneut die Sommermarke von 25 Grad.

25 Grad und Sommerwärme. Mit dem klassischen Aprilwetter hat das aber auch nichts mehr zu tun, oder?

Definitiv nicht. Das klassische Aprilwetter ist nämlich bereits dem Klimawandel zum Opfer gefallen.

Wie äußert sich das?

Der April ist der Monat, der in den vergangenen 30 Jahren den rasantesten Temperaturanstieg erlebt hat. Über 200 Jahre hat kein April eine durchschnittliche Mitteltemperatur von 11 Grad Celsius erreicht. Normal wäre eine mittlere Temperatur rund 7,4 Grad. Das änderte sich 2007. Seitdem passierte es insgesamt viermal. 2018 wurde sogar eine neue Schallmauer durchbrochen. Der April 2018 brachte uns sogar eine Mitteltemperatur von mehr als 12 Grad und war damit gut 5 Grad zu warm. Das ist dann mal eher ein Mai- und kein Aprilwetter.

Woran liegt das?

Die Wetterlagen, die das wechselhafte Aprilwetter bringen, finden im Übergang der Jahreszeit einfach nicht mehr oder nur noch sehr selten statt. Bis in die 1990er Jahre hinein war der April in der Regel sehr unbeständig.

Björn Alexander

Björn Alexander empfiehlt, die Ostereier-Suche auf den Sonntag zu legen.

Woher kam das?

Ausgelöst wurde das von häufigem Tiefdruckeinfluss mit einem raschen Wechsel aus den ersten warmen Frühlingstagen auf der Vorderseite der Tiefdruckgebiete, dicht gefolgt von Kaltlufteinbrüchen mit Schneeregen und Graupelschauern bis ins Flachland auf der Rückseite der Tiefs. Auch Neuschnee im Bergland sowie verbreiteter Nachtfrost waren eher die Regel als die Ausnahme. Unabhängig davon trifft uns inzwischen kalte Luft im April auch oft ziemlich hart.

Wieso?

Weil die Vegetation aufgrund der milden Winter meistens schon recht weit entwickelt ist. Ein Paradebeispiel ist 2017. Damals war der März fast 4 Grad zu warm und der Frühling war in vollem Gange als sich polare Kaltluft bei uns breit gemacht hat. Die hielt sich unter Hochdruckeinfluss sogar länger und sorgte unterm klaren Nachthimmel für frostige Temperaturen mit entsprechendem Schadenspotenzial vor allem beim heimischen Obst.

Wie sieht es beim Regen aus? Hat sich auch da der Klimawandel bemerkbar gemacht?

Leider ja. Der durchschnittliche Niederschlag erreicht im Zeitraum 2003 bis 2019 nur noch 70 Prozent der normalen Menge. In vier Jahren brachte der April sogar nur weniger als die Hälfte des normalen Niederschlags. Am krassesten ist aber das bereits genannte Jahr 2007 mit nur sechs Prozent der ansonsten üblichen Regenmenge und fast 200 Prozent Sonnenausbeute. Für einen Frühlingsmonat, in dem die Vegetation richtig Durst hat, ist das natürlich ein absolutes Desaster.

Was macht der Regen im April 2020 in den nächsten Wochen?

Er hält sich alles in allem sehr zurück. Nächste Woche kommt das nächste Hochdruckgebiet. Und wenn man in die experimentelle Langfristprognose des US-amerikanischen Wetterdienstes schaut, dann dürfte der Monat am Ende zu trocken bis viel zu trocken ausfallen. Ein bisschen mehr Hoffnung auf Regen machen diese Berechnungen allerdings für den Mai, wenn es oft nasser werden soll. Und das wäre auch sehr wichtig.

Warum?

Wenn der Mai nicht mindestens die normale Regenmenge bringt, dann droht - zumindest für die Vegetation und damit auch für die Landwirtschaft - ein erneutes Dürrejahr.

Auch wenn es danach genug regnen sollte?

Für die Grundlage ist der Regen im Frühjahr wichtig. Was anschließend fällt, hilft bei der allgemeinen Wasserbilanz weiter und ist auch sehr wichtig für unsere Trinkwasserspeicher. Aber an der Wachstumsgrundlage kann der späte Regen nichts mehr ändern.

Von der Monatsvorhersage zurück zum aktuellen Wetter: Wie ist der Fahrplan für die Ostertage?

Am Karsamstag bleibt es verbreitet freundlich bis sonnig und trocken. Und auch die Temperaturen ändern sich kaum. Das heißt: 12 Grad an der Ostsee und bis zu 26 Grad am Oberrhein. Wichtig für den Aufenthalt im Freien: Sowohl die Birkenpollen, die momentan auf ihr Maximum zusteuern, als auch die Sonnenbrandgefahr sowie die teils hohe Waldbrandgefahr bleiben nach wie vor Themen.

Und am Ostersonntag?

Erwartet uns ein meist schöner Mix aus Sonne und Wolken. Einzelne Schauer und Gewitter sind besonders im Bereich der Mittelgebirge sowie in Richtung Alpen möglich. Auch im Norden sind lokale Schauer nicht ganz auszuschließen. Für die meisten bleibt es aber trocken und frühlingshaft bis frühsommerlich warm bei 17 bis 26 Grad.

Was macht das Wetter am Ostermontag?

Es wird wechselhafter und teilweise windig bis stürmisch und neben Regengüssen sind auch Blitz und Donner drin. Die Temperaturen bekommen dabei eine ordentliche Delle. Die Höchstwerte bringen es im Norden auf 8 bis 11 Grad, in der Mitte auf 10 bis 14 Grad und im Süden auf 14 bis 19 Grad. Wer also die Möglichkeit hat, die Ostereier im Freien zu suchen, der sollte sich auf den Sonntag konzentrieren.

Ist nachträgliches Suchen auch am Dienstag möglich?

Auf jeden Fall. Denn nach kalter Nacht erreicht uns das nächste Hoch. Am Dienstag und Mittwoch mit zunehmendem Sonnenschein und allmählich ansteigenden Temperaturen. So werden es am Mittwoch bereits wieder 12 bis 20 Grad. Und anschließend schleicht sich von Süden sogar wieder sommerlichere Luft bei Spitzenwerten bis zu 25 Grad heran.

Quelle: ntv.de