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Impfforscher Sander bei ntv "Vierte Impfung ist hier erstmal kein Thema"

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Leif Erik Sander, hier im Gespräch mit ntv-Moderatorin Katrin Neumann, ist Professor für Infektionsimmunologie und Impfstoffforschung an der Berliner Charité.

Die deutsche Regierung wirbt für die dritte Impfung, da beginnt Israel schon mit der Verteilung der vierten Dosis. Der Charité-Experte Leif Erik Sander erklärt bei ntv, warum Debatten darüber verfrüht sind und der Fokus nun auf der Booster-Kampagne liegen muss.

ntv: Der Expertenrat der Bundesregierung kommt heute zusammen. Es wird um die Quarantäneverkürzung gehen. Was sind sonst die Themen gerade in Bezug auf die Impfkampagne?

Leif Erik Sander: Wir müssen das Thema Booster-Impfung, genauso wie das auch schon vor Weihnachten begonnen hat, noch intensiver vorantreiben. Wir wissen: Die Booster-Impfung wirkt sehr gut gegen die Omikron-Variante. Die zweifache Impfung hat nicht dieselbe Wirkung wie zum Beispiel gegen die Delta-Variante. Deswegen ist dieses Thema ganz oben auf der Liste. Ein anderes Thema ist sicherlich, wie wir auch nochmal die Menschen motivieren, sich impfen zu lassen, die das bisher noch gar nicht gemacht haben.

Israel hat schon mit der vierten Impfung losgelegt. Wann wird das bei uns Thema? Die Booster-Impfung hatten wir ja so ein bisschen verschlafen, gerade in der Organisation.

In Israel gibt es Pläne dazu, die sind aber erst mal, soweit ich richtig informiert bin, wieder auf Eis gelegt. Es ist sicher so, dass Patienten, die ein ganz hohes Risiko haben, eine vierte Impfung in Israel auch zur Verfügung steht. Hier ist das erstmal kein Thema. Es ist wirklich wichtig, diese dritte Impfung zu geben. Die macht wirklich den Unterschied. Das haben wir auch in eigenen Studien und Analysen gesehen. Nach der Zweitimpfung haben Sie nicht wirklich viele neutralisierende Antikörper gegen Omikron. Sie haben wohl einen gewissen Grundschutz, aber die dritte Impfung bringt wirklich noch mal einen großen Vorteil. Deswegen liegt hier voll der Fokus drauf.

Der Unterschied zwischen der dritten und der vierten Impfung ist zu vernachlässigen?

Ja, über die vierte Impfung ist einfach noch nicht viel bekannt, deswegen ist das zurzeit auch nichts, was man empfehlen wird. Bekannt ist, dass ein angepasster Impfstoff entwickelt wird, der besser an die Veränderungen in der Omikron-Variante angepasst ist. Wenn der verfügbar ist, so im zweiten Quartal, ist es sicher so, dass es zumindest für Risikogruppen ein Thema sein wird, dass man sich damit noch mal auffrischt, um sich wirklich einen optimalen Schutz auch vor der Omikron- und vielleicht ähnlichen Varianten zu holen.

In Lausanne haben Forscher jetzt unter einem hochauflösenden Mikroskop beobachten können, wie die Omikron-Variante in die menschliche Zelle eindringen kann und vor allem aber auch, wie sie den Impfstoff ausbremst. Was kann man mit diesem Wissen anfangen?

Was ich aus Studien weiß, ist, dass es tatsächlich so sein kann. Die Art und Weise, wie Viren in unsere Zellen eindringen, ist ein bisschen unterschiedlich. Aber es scheint so zu sein, dass die Omikron-Variante möglicherweise andere Wege der Zellen nutzt. Die Viren nutzen immer unsere Zellen, um sich zu vermehren. Ich glaube, das ist alles noch in einem frühen Stadium. Da würde ich gerne noch weitere Studien sehen, die das zeigen, dass es wirklich anders ist. Sie kommen sehr, sehr effektiv in unsere Zellen rein, das ist klar. Sonst wäre es auch nicht so ansteckend. Dass sie die Immunantwort ausbremsen, haben wir auch in den eigenen Studien gesehen. Da sind einfach bestimmte Bereiche verändert. Aber es gibt Bereiche im Virus, die sind eben nicht verändert. Die kann das Virus vermutlich auch nicht so verändern. Und da kann unser Immunsystem noch ansetzen. Und selbst die Immunantwort, die wir mit der alten Impfung letzten Endes aufgebaut haben, hat schon auch noch eine gewisse Kraft, auch gegen das Omikron-Virus.

Es soll noch im Januar einen fünften Impfstoff bei uns geben: Novavax. Der ist ja für Skeptiker eine wirkliche Alternative. Was wissen wir darüber, wie Novavax gegen die Omikron-Variante hilft?

Darüber wissen wir noch nicht so wahnsinnig viel. Was wir wissen, ist, dass der in allen vorherigen Studien sehr ähnliche Ergebnisse erzielt hat wie die jetzt verfügbaren mRNA-Impfstoffe. Es gibt eine Studie aus England, die verschiedene Impfstoffe verglichen hat, wie gut sie als Booster geeignet sind. Da scheinen die mRNA-Impfstoffe immer noch ein bisschen besser abzuschneiden. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass das ein guter Impfstoff ist. Es liegen bisher nur die Daten aus den Zulassungsstudien vor. Für die anderen Impfstoffe haben wir jetzt ja sehr, sehr viele Daten, die uns zeigen: Das sind sehr sichere, sehr effektive Impfstoffe. Aber für Menschen, die vielleicht die mRNA-Impfstoffe nicht vertragen haben oder die ihnen skeptisch gegenüberstehen, ist das eine Alternative, und ich kann sie empfehlen.

Mit Leif Erik Sander sprach Katrin Neumann

Quelle: ntv.de

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