Panorama

Keimstamm "Sigma 1" Wilke-Wurst: Justiz prüft 25 Todesfälle

Ein Firmen-LKW-Anhänger auf dem Werksgelände des nordhessischen Wurstherstellers Wilke. Foto: Uwe Zucchi/dpa/Archivbild

Die Anfänge des nordhessischen Wurstherstellers Wilke gehen auf die 30er Jahre zurück.

(Foto: Uwe Zucchi/dpa/Archivbild)

Der Skandal um keimverseuchte Wurst der Firma Wilke weitet sich aus: Die Staatsanwaltschaft prüft, ob 25 Todesfälle und zwölf Krankheitsfälle in unmittelbarem Zusammenhang mit den Wilke-Wurstprodukten stehen.

Sind unter Umständen im Fall "Wilke" noch weitaus mehr Menschen zu Tode gekommen? Im Fall von keimverseuchter Wurst des Fleisch-Herstellers prüft die Staatsanwaltschaft Kassel jedenfalls sämtliche Todes- und Krankheitsfälle. "Ob tatsächlich ein kausaler Zusammenhang zwischen der Infektion und dem Ableben besteht und welche Krankheitssymptome die Infizierten durch die Listeriose erlitten haben, wird nunmehr ermittelt", sagte Justizsprecher Andreas Thöne. Dabei sollen die Fälle auf strafrechtliche Relevanz geprüft werden.

Anfang Oktober hatten Behörden den nordhessischen Fleischhersteller geschlossen. Zuvor waren wiederholt Listerien in Produkten nachgewiesen worden. Die Keime können bei geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sein. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt deshalb wegen fahrlässiger Tötung gegen den Geschäftsführer. Laut Thöne wurde von der Rechtsabteilung des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin eine anonymisierte Liste mit den bislang bekannt gewordenen Erkrankungsfällen übermittelt. Darauf verzeichnet seien Krankheitsfälle mit dem Keimstamm "Sigma 1", die in den direkten Zusammenhang mit Produkten der Firma Wilke gebracht würden. Von den 37 Infizierten mit einem Durchschnittsalter von 74 Jahren seien mittlerweile 25 verstorben.

Das RKI habe aber nur bei den drei bereits bekannten Sterbefällen einen Zusammenhang zwischen "Sigma 1" und dem Tod bejaht. Dem gehen die Ermittler nun nach. "Ob tatsächlich ein Zusammenhang besteht, steht aus staatsanwaltschaftlicher Sicht bislang nicht fest und bedarf der Aufklärung", sagte Thöne. Denn alle Verstorbenen hätten teilweise beträchtliche weitere Erkrankungen gehabt, "die durchaus allein todesursächlich gewesen seien können".

Quelle: ntv.de, tar/dpa