Panorama

Volksmusikakademie in Freyung "Wir streben nicht Hansi Hinterseer an"

Bayern

Im April startet der erste Kurs an der bayerischen Volksmusikakademie in Freyung.

(Foto: REUTERS)

Im Bayrischen Wald entsteht die erste Volksmusikakademie Deutschlands. Dort sollen Kapellen und Trachtengruppen künftig einen Ort haben, um ihre Traditionen zu pflegen und weiterzuentwickeln. Der Bürgermeister von Freyung, Olaf Heinrich, glaubt, dass diese Akademie seine Stadt verändern wird.

n-tv.de: Herr Heinrich, hören Sie selbst gerne bayerische Volksmusik?

Olaf Heinrich: Ich höre auch sehr regelmäßig BR Heimat, aber auch Klassikradio. Was die traditionelle bayerische Musik transportiert, das liegt mir sehr nahe. Für mich ist das: Gemütlichkeit, auf Augenhöhe miteinander reden und jede Menge Freude. Und das ist auch mir persönlich wichtig.

Sind Sie selber ein waschechter Bayer?

Ja, ich habe mein ganzes Leben in Bayern verbracht.

In Ihrer Stadt eröffnet nun die bundesweit erste Volksmusikakademie. Warum liegt Ihnen das am Herzen?

In der Bevölkerung gibt es eine große Sehnsucht nach Verwurzelung in der Region. Das merkt man ja nicht zuletzt an der politischen Debatte: Alle reden über Heimat. Um weltoffen zu bleiben, ist es aber wichtig, dass man weiß, wo man herkommt.

Und da kann eine Volksmusikakademie helfen?

Olaf Heinrich

Bürgermeister Olaf Heinrich (l.) mit den Verantwortlichen der Volksmusikakademie.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ja, denn es spielt natürlich nicht nur eine Rolle, was in den Geschichtsbüchern nachzulesen ist. Sondern vor allem, was man selber mit großer Freude macht - indem man gemeinsam miteinander singt, tanzt und musiziert. Diese Freude ist das, was in unserer Gesellschaft wichtig ist und gebraucht wird.

Künftig sollen Seminare zu bayerischer Blasmusik, Chorgesang und Volkstanz stattfinden. Wer nimmt an den Kursen teil?

Das geht vom Chor aus Erding bis hin zum bayerischen Blasmusikverband, der hier seinen Jungmusikern eine Prüfung abnehmen will, bis hin zu einer Gymnasialklasse, die einen Schullandheimausflug mit Schwerpunkt Musik machen will. Dieses Jahr werden bis jetzt mehr als 50 Veranstaltungen stattfinden.

In der Akademie soll es ja um Volksmusik und nicht um volkstümliche Musik im Stile des Musikantenstadls oder Schlager gehen. Worin besteht der Unterschied?

Wir legen schon Wert darauf, dass die Volksmusik mit ihren traditionellen Charakteristika abgebildet wird, aber auch mit allem, was sich über die Jahre entwickelt hat. Moderne Blasmusik wollen wir genauso gerne da haben wie den traditionellen Männerchor. Wir streben jetzt aber nicht Hansi Hinterseer oder den Helene-Fischer-Verschnitt an.

Bayern ist das erste Bundesland in Deutschland mit einer solchen Volksmusikakademie. Ist der Freistaat besonders verbunden mit seinen Traditionen?

Das wird zumindest immer gesagt. Ich kann persönlich nicht beurteilen, ob das in anderen Bundesländern ähnlich ist. Aber ja, die Kinder in Bayern tragen tatsächlich Tracht und zwar nicht nur zum Oktoberfest, wenn es als Verkleidung passt, sondern weil das einfach bequem ist und man sich darin wohl fühlt. Und insofern haben wir schon eine besondere Verbindung zu Tracht, Tradition und Brauchtum.

Woher kommt das?

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Traditionen werden in Bayern hochgehalten.

Es gibt viele Verbände, wie etwa den Landesverein für Heimatpflege, Tanzgruppen und traditionellen Männerchöre, die das seit Jahrzehnten sehr erfolgreich an die nächste Generation weitergeben.

Volksmusik scheint ja tatsächlich auch wieder was für Junge zu sein. In etlichen Gemeinden in Bayern gibt es Festivals mit Namen wie "Love, Peace und Blasmusik", das "Heimatsound-Festival" oder auch im Nachbarland Österreich das "Woodstock der Blasmusik".

Ja, das Thema ist "in". Auch bei uns stammen mindestens 60 Prozent der Anmeldungen von Jüngeren. Man muss auch kein Profi sein, um in die Akademie zu kommen oder zu sagen, ich lasse mich mal auf ein Wochenende Volkstanz ein, auch wenn ich das vorher noch nie gemacht habe.

Im Namen taucht aber auch der Begriff Akademie auf. Beißt sich das nicht mit dem, was Sie anbieten? Schließlich geht es bei der Volksmusik ja gerade nicht darum, elitär und akademisch, sondern eben volksnah zu sein.

Wir wollten einen Namen haben, bei dem jeder sofort weiß, was da stattfindet. Da war der Begriff der Musikakademie eben ein eingeführter. Zu Recht ist das, was in der Volksmusikakademie gemacht wird, aber nicht akademisch. Ganz oft wird auch ohne Noten musiziert und man lernt wirklich vom Hören her zu spielen und zu singen. Das soll natürlich auch so bleiben.

In die Akademie, für die ein alter Stadl saniert wurde, sind 12 Millionen Euro gesteckt worden - eine Menge Geld. Erhoffen Sie sich auch eine Aufwertung für Ihre Stadt?

Ja, die Leute werden zu einem guten Teil in den Hotels hier übernachten und zum Mittagessen ein paar Schritte ins nächste Wirtshaus gehen. Wir haben hier aber auch einige Wirtshäuser, wo es die Regel gibt: Wer hier musiziert, bekommt eine Brotzeit und eine Maß Bier geschenkt. Ich glaube, es wird in Zukunft vor allem viele Abende in Freyung geben, wo man durch die Straßen läuft und Musik aus den Häusern hört. Das wird die Stadt verändern.

Und wann gibt es das erste Konzert?

Bereits in der kommenden Woche.

Mit Olaf Heinrich sprach Nikola Endlich

Quelle: n-tv.de

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