Panorama

16 Minuten auf Mann gesessen Witwe macht Polizeigewalt in Belgien publik

Ein Blaulicht leuchtet am auf dem Dach eines Polizeiwagens. Foto: Friso Gentsch/dpa/symbol

Der Mann starb nach dem Polizeieinsatz in Belgien im Jahr 2018 in einem Krankenhaus.

(Foto: Friso Gentsch/dpa/symbol)

Er will zurück in die Slowakei fliegen, gibt sich widerspenstig, wird festgenommen - und ist wenig später tot. Weil ihr die Ermittlungen in Belgien zu zäh vorankommen, geht die Witwe des Mannes nun an die Öffentlichkeit. Sie zeigt ein Video des Polizeieinsatzes, durch den ihr Mann mutmaßlich ums Leben gekommen ist.

Belgien wird von einem dramatischen Fall von Polizeigewalt erschüttert. Aufnahmen des Vorfalls aus dem Jahr 2018 zeigen einen Polizisten, der sich in einer Arrestzelle auf die Brust eines verletzten Mannes setzt - während eine Beamtin tanzt und den Hitlergruß zeigt. Die Ehefrau des Mannes, der in Folge des Vorfalls starb, erhebt schwere Anschuldigungen gegen die belgischen Behörden. Die Aufnahmen wurden erst jetzt öffentlich.

Das im Februar 2018 von einer Überwachungskamera aufgezeichnete Video zeigt Jozef Chovanec in einer Arrestzelle. Der Slowake wurde zuvor aus einem Flugzeug im Flughafen von Charleroi abgeführt, weil er sich geweigert hatte, beim Boarding sein Ticket vorzuzeigen. Weiter ist in dem Video zu sehen, wie Chovanec seinen Kopf gegen die Wand schlug, bis sein Gesicht stark blutete.

Später betraten mehrere Polizeibeamte die Zelle, um Chovanec Handschellen anzulegen. Als er sich weiterhin nicht beruhigte, kehrten die Beamten zurück und hielten ihn fest. Einer der Beamten setzte sich dabei 16 Minuten lang auf die Brust des Mannes. Zu sehen ist auch eine Polizistin, wie sie in der Zelle tanzt und den Hitlergruß zeigt. Chovanec kam anschließend ins Krankenhaus, wo er am nächsten Tag nach offiziellen Angaben an einem Herzinfarkt starb.

Die Witwe Henrieta Chovancova habe das Video gegen den Rat ihrer Anwälte veröffentlicht, teilten ihre Verteidiger mit. Chovancova habe sich nicht abhalten lassen, da sie wegen der inzwischen seit zwei Jahren andauernden Ermittlungen frustriert sei. "Unsere Mandantin wollte diese Bilder der Welt zeigen, weil sie kein Vertrauen in die strafrechtlichen Ermittlungen hat", sagte einer ihrer Anwälte.

Sie sei traurig, sagte Chovancova der belgischen Zeitung "De Morgen". Die Behörden hätten versucht, den Tod ihres Mannes "unter den Teppich zu kehren, als ob er Müll wäre, der verschwinden musste", sagte sie. Über das Video hatte zuerst die belgische Zeitung "Het Laatste Nieuws" berichtet.

Quelle: ntv.de, jwu/AFP