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Präsident warnt Afghanen "Deutsche Straßen nicht mit Gold gepflastert"

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Der afghanische Präsident will das Deutschland-Bild seiner Landsleute zurechtrücken.

(Foto: dpa)

Der afghanische Präsident Ghani warnt seine Landsleute vor falschen Hoffnungen in Bezug auf Deutschland - und vor einem sozialen Abstieg. Seine Bitte an die Menschen in Chemnitz: "Verurteilen Sie nicht die gesamte Nation für ein, zwei oder drei Leute."

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani hat Migranten vor falschen Hoffnungen in Bezug auf Deutschland gewarnt. In seinem Land gebe es den "Irrglauben, die Straßen in Deutschland seien mit Gold gepflastert", sagte Ghani der "Bild"-Zeitung. Es sei deshalb eine "strategische Kommunikation" nötig, die das falsche Deutschland-Bild zurechtrücke.

In diesem Zusammenhang warnte Ghani seine Landsleute ausdrücklich vor einem Abstieg in Deutschland. "Leute, die ansonsten der Mittelschicht angehören würden und Teil einer lebhaften unternehmerischen Chancenvielfalt wären, verrichten dann in Deutschland handwerkliche Tätigkeiten", sagte er. Dies stelle "einen starken Abstieg für diese Menschen dar".

Angesichts der Proteste von Chemnitz warnte Ghani die Deutschen vor ausufernden Ängsten. "Bitte verurteilen Sie nicht die gesamte Nation für ein, zwei oder drei Leute", sagte er mit Blick auf einen der Tatverdächtigen des Tötungsdelikts von Chemnitz. Für jede Person, die einen Verstoß oder ein Verbrechen begangen habe, gebe es Hunderte, die sehr produktiv geworden seien. Der afghanische Präsident erinnerte an das Deutschland der 1920er Jahre, das ebenfalls in Angst versank. "Diese Angst hatte tragische Konsequenzen."

Verständnis für Chemnitz-Demonstranten

Gleichzeitig zeigte Ghani aber auch Verständnis für die Demonstranten: "Wir müssen auch anerkennen, dass die Ängste auf Ungewissheiten zurückgehen, und wir sollten die Demonstranten nicht dämonisieren. Sie müssen eingebunden werden." Deutschland dürfe aber keine Festung werden.

Ghani zeigte sich im "Bild"-Interview ohnehin zuversichtlich, dass viele Afghanen zurückkommen und ihr Heimatland umgestalten werden. Afghanistan habe als Partner seine Pflicht erfüllt, bei der Eindämmung des Flüchtlingsstroms nach Deutschland zu helfen. Das Land befinde sich im Wandel, unter anderem wolle man das Ausbildungssystem in das deutsch-skandinavische System umwandeln, um so Chancen für junge Menschen zu schaffen.

Gleichzeitig bedankte sich Ghani für die Hilfe aus Deutschland. "Ich möchte den deutschen Soldaten und deutschen Helfern meinen Respekt bezeugen und vor allem Kanzlerin Merkel dafür danken, dass sie in all den Jahren zu uns gehalten hat. Und auch den deutschen Steuerzahlern, die die Rechnung bezahlen."

Quelle: n-tv.de, ftü/AFP

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