Politik

Weißes Haus bestreitet Vorfall Journalistin wirft Trump Vergewaltigung vor

AP_9610300114.jpg

Donald Trump im Jahr 1996 - damals war er noch in der Immobilienbranche tätig.

(Foto: Associated Press)

Die Journalistin E. Jean Carroll erhebt im "New York Magazine" schwere Vorwürfe gegen den amtierenden US-Präsidenten Trump. Er soll sie vor rund 23 Jahren in einem Kaufhaus vergewaltigt haben. Eine Geschichte aus der "Abteilung Fiktion", sagt Trump.

US-Präsident Donald Trump sieht sich zum wiederholten Mal dem Vorwurf sexueller Übergriffigkeit ausgesetzt. Die amerikanische Journalistin und Buchautorin E. Jean Carroll behauptet, Trump sei vor 23 Jahren über sie hergefallen. In der Titelgeschichte des "New York Magazine" beschreibt sie, wie sie zwischen Ende 1995 und Anfang 1996 den damaligen Immobilienmogul im Kaufhaus "Bergdorf Goodman" zufällig traf.

Der damals 50-Jährige habe sie erkannt, als sie das Geschäft gerade verlassen wollte. Seinerzeit moderierte sie die Fernsehsendung "Ask E. Jean". Trump habe sie unter dem Vorwand zurückgelockt, sie solle ihm helfen, ein Geschenk für eine nicht näher genannte Frau - damals war er mit der Schauspielerin Marla Maples verheiratet - auszusuchen. Die damals 52-Jährige ließ sich nach eigenen Angaben darauf ein.

*Datenschutz

Nachdem Trump ihre Vorschläge - eine Tasche oder einen Hut - ablehnte, fuhr er per Fahrstuhl mit ihr in die Unterwäsche-Abteilung. Wie Carroll es beschreibt, drückte der Unternehmer ihr einen durchsichtigen, fliedergrauen Spitzen-Body in die Hände und sagte "Probier es an!" Sie habe daraufhin scherzhaft erwidert, er solle das Kleidungsstück selbst anprobieren. "Es passt zu deinen Augen." Nach einigem Hin und Her geleitete Trump sie der Schilderung zufolge zu den Umkleidekabinen. Zu diesem Zeitpunkt habe sie gedacht: "Das wird urkomisch. Ich werde ihn zwingen, das Teil über seine Hose zu ziehen." Doch als die beiden eine Umkleide erreichten, soll Trump sich auf sie gestürzt haben. "Er drückte mich gegen die Wand, mein Kopf schlug ziemlich hart auf." Dann habe er seinen Mund gegen ihre Lippen gepresst. Sie sei so perplex gewesen, dass sie ihn von sich schob und anfing zu lachen. Trump ließ nicht von ihr ab. Er habe sich auf sie gelehnt, ihre Strumpfhose runtergezogen. "Er macht seine Hose auf und drängt seine Finger gewaltsam in meinen Intimbereich, dringt mit seinem Penis halb - oder ganz, ich bin mir nicht sicher - in mich ein."

Freundin riet von Anzeige ab

Sie habe versucht, ihm auf den Fuß zu treten und ihn mit ihrer freien Hand wegzustoßen. Schließlich sei es ihr gelungen, Trump mit ihrem Knie wegzustoßen und aus der Umkleide zu flüchten. Als sie zwei Freundinnen von dem Vorfall kurz danach erzählte, habe die eine ihr geraten, die Vergewaltigung zu melden. Die andere habe ihr dagegen davon abgeraten. "Sage es niemanden. Vergiss es! Er hat 200 Anwälte. Er wird dich begraben", zitiert Carroll deren Reaktion. Beide Freundinnen bestätigten die Gespräche dem "New York Magazine".

Wegen der gefürchteten Anfeindungen und auch aus Feigheit habe sie all die Jahre geschwiegen, schreibt die heute 75-Jährige. Schließlich hätten die Anschuldigungen von 15 anderen Frauen gegen Trump ebenfalls keine Wirkung gezeigt. Der Artikel ist ein Auszug aus ihrem neuen Buch "What Do We Need Men For? A Modest Proposal".

Trump bestreitet Vorfall entschieden

Der US-Präsident wies die Vorwürfe scharf zurück. "Ich habe diese Person in meinem Leben nie getroffen", hieß es in einem Statement Trumps, das vom Weißen Haus verbreitet wurde. "Sie versucht ein neues Buch zu verkaufen – das sollte auf ihre Motivation hinweisen. Es sollte in der Abteilung Fiktion verkauft werden", so Trump. Der US-Präsident wies auch darauf hin, dass es weder Überwachungsvideos oder Bilder von der geschilderten Situation, noch Aussagen von Verkäufern, die damals zur Stelle gewesen wären, gibt. "Ich bedanke mich bei Bergdorf Goodman, dass sie bestätigen, keine Videoaufzeichnungen eines solchen Vorkommnisses zu haben, weil es nie stattgefunden hat", schrieb Trump und fügte hinzu: "Falsche Anschuldigungen untergraben die Schwere eines echten Übergriffs."

Offenbar wittert der US-Präsident hinter den Vorwürfen seine politischen Gegner. So forderte er jedermann dazu auf, eventuelle Erkenntnisse über eine Beteiligung der US-Demokraten zu melden. Die Geschichte diene lediglich dazu, den Präsidenten in ein schlechtes Licht zu rücken, hieß es aus dem Weißen Haus.

Zeugen des beschriebenen Vorfalls gibt es tatsächlich nicht. Als sich der vermeintliche Übergriff zutrug, befand sich nach Erinnerung von Carroll kein Mitarbeiter des Kaufhauses in der Unterwäsche-Abteilung. Videoaufnahmen von damals gebe es nicht mehr. Es steht also Aussage gegen Aussage.

Quelle: n-tv.de, fzö/AFP

Mehr zum Thema