Politik

Impfpriorisierung aufgehoben Keiner weiß, wie viele Kinder geimpft werden

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Niedergelassene Ärzte müssen lediglich durchgeben, ob ein Impfling jünger oder älter als 60 Jahre ist.

(Foto: dpa)

Seit einer Woche dürfen Kinder zwischen 12 und 15 Jahren geimpft werden. Eine ntv-Abfrage aber zeigt: Ärzte und Politik haben keinen Überblick, wie viele schon die Spritze bekommen haben. Für den Lehrerverband ein "Ärgernis".

Deutschland im Impf-Blindflug: Eine Woche nach Aufhebung der Priorisierung weiß keine der relevanten Stellen in Deutschland, wie viele Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren in den ersten sieben Tagen ein Impfangebot bekommen haben. Das zeigt eine Abfrage von ntv beim Bundesgesundheitsministerium, dem Robert-Koch-Institut (RKI) und den Kassenärztlichen Vereinigungen und Gesundheitsministerien in den Bundesländern.

Aus dem Bundesgesundheitsministerium heißt es, für Impfungen von Kindern und Jugendlichen gebe es nur die generelle Kategorie der unter 18-Jährigen. Sie solle künftig im Impfdashboard des Ministeriums auftauchen. Konkrete Angaben nach einzelnen Altersjahrgängen aber seien nicht möglich.

Viele der Kassenärztlichen Vereinigungen und Länder-Gesundheitsministerien verweisen entweder aufeinander oder auf das RKI. Das Institut aber teilt auf Anfrage mit, es habe derzeit keine genauen Daten und werde auch in Zukunft keine haben. Denn nur die Impfzentren müssten das genaue Alter der Impflinge melden - und Kinder würden voraussichtlich kaum dort den Piks bekommen, so das RKI. Stattdessen werden viele zum Arzt gehen. Die niedergelassenen Ärzte aber müssen nach der Corona-Impfverordnung lediglich durchgeben, ob ein Impfling jünger oder älter als 60 Jahre ist.

Immerhin zwei Bundesländer haben den Überblick: Bayern meldet 23 Impfungen von Kindern zwischen 12 und 15 Jahren in der ersten Woche nach Aufhebung der Priorisierung. Berlin verzeichnet 89 verimpfte Dosen. Zumindest unspezifische Daten erhielt ntv aus mehreren anderen Bundesländern: In Niedersachsen sind laut der Kassenärzte in der vergangenen Woche 4058 Menschen unter 18 Jahren geimpft worden, in Hessen waren es 3741. Der Gesundheitssenat in Bremen kann berichten, dass im Impfzentrum der Stadt in der vergangenen Woche kein Kind aus der Altersgruppe zwischen 12 und 15 Jahren geimpft wurde.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, befürchtet Auswirkungen für die Ausgestaltung des Schulunterrichts in den nächsten Monaten. Es sei ein "riesiges Ärgernis", dass es bei Kindern und Jugendlichen keine verlässlichen Zahlen über Impfquoten gebe. "Da stochern wir total im Nebel", so Meidinger zu ntv. Nicht einmal die Schulleitungen vor Ort hätten Zahlen vorliegen. Die Frage, welche Hygieneschutzmaßnahmen an Schulen auch im nächsten Schuljahr aufrechterhalten werden müssen, hänge aber "ganz stark" davon ab, ob bis dahin alle Impfwilligen ein Impfangebot erhalten und wahrgenommen hätten.

Quelle: ntv.de, psc

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