Politik

Nazi-Scherge Csatáry Klarsfeld zweifelt an Verurteilung

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Ein Häftlingstransport aus Ungarn trifft in Auschwitz ein.

(Foto: dpa)

Der nun aufgespürte mutmaßliche NS-Kriegsverbrecher László Csatáry kommt vielleicht noch einmal davon. Nazi-Jäger Klarsfeld bezweifelt, dass Ungarn Interesse an einer Aufarbeitung hat. Das Wiesenthal-Zentrum fordert von Budapest, Csatáry als Verdächtigen zu benennen und mit dem Herumlavieren aufzuhören.

Der französische Nazi-Jäger Serge Klarsfeld hat Zweifel geäußert, dass der in Ungarn Nazi-Scherge Csatáry gefunden László Csatáry in dem Land tatsächlich zur Rechenschaft gezogen wird. "Ich bin nicht sicher, dass es juristische Folgen haben wird mit dieser konservativen Regierung" unter Orbans rechter Kreuzzug , sagte Klarsfeld in Paris. Der 97-jährige Csatáry soll für die Deportation von 15.700 Juden in das NS-Konzentrationslager mitverantwortlich sein.

Der Direktor des Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem, Efraim Zuroff, forderte indes von den ungarischen Behörden, den Fall Csatáry vor Gericht zu bringen. Sie müssten ihn als Verdächtigen benennen und aufhören herumzulavieren. "Die Behörden kennen den Fall seit viereinhalb Jahren. Ich hatte der Staatsanwaltschaft die Beweise schon 2006 geliefert. Im September 2011 habe ich ihnen auch Csatárys Budapester Adresse gegeben", so Zuroff weiter.

Zuroff hält es für wichtig, den 97-Jährigen trotz seines hohen Alters zu bestrafen. "Hohes Alter sollte Mörder nicht schützen. Dieser Mann ist für die Ermordung von 16.000 Juden durch die Nazis mitverantwortlich. 1944 schickte er 15.700 ungarische Juden nach Auschwitz." Jahre davor habe er zudem 300 Juden in den Tod geschickt. "Jedes Mordopfer hat ein Recht darauf, dass sein Mörder bestraft wird. Nazi-Verbrecher zu verschonen, wäre das falsche moralische Signal an die Gesellschaft. Für Nazi-Mörder darf es keine Ruhe geben", so Zuroff.

Klarsfeld, der Vorsitzende der Vereinigung der Söhne und Töchter der deportierten Juden aus Frankreich, relativierte allerdings die Bedeutung Csatárys. Er habe noch nie von dem Mann gehört, sagte Klarsfeld. Dass er als der meistgesuchte Nazi-Verbrecher gegolten habe, liege daran, dass "nur noch wenige heute auf der Flucht" und "alle über 90 Jahre alt" seien. "Vor 30 Jahren wäre er die Nummer 3500 auf der Liste" der meistgesuchten Nazi-Verbrecher gewesen, sagte Klarsfeld. Seiner Ansicht nach hat Csatáry keine herausgehobene, verantwortliche Rolle für das Nazi-Regime gespielt.

In Zwei-Zimmer-Wohnung aufgespürt

Csatáry wurde von Reportern der britischen Boulevard-Zeitung "The Sun" in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in der ungarischen Hauptstadt Budapest aufgespürt. Die Journalisten hatten sich auf Informationen des Simon-Wiesenthal-Zentrums gestützt.

Csatáry flüchtete dem Zentrum zufolge nach Kanada, nachdem er 1948 in der Tschechoslowakei in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden war. Er soll sich als Polizeichef im Ghetto von Kosice (deutsch: Kaschau) durch besondere Grausamkeit ausgezeichnet haben. In Kanada lebte er als Kunsthändler, bevor er von den dortigen Behörden enttarnt wurde und sich nach Ungarn absetzte.

Der Vize-Staatsanwalt Jenö Varga in Ungarn konnte zu dem Fall bisher keine Einzelheiten mitteilen. Er sagte am Sonntag lediglich, eine "Untersuchung" sei im Gange, die Staatsanwaltschaft werte die "eingegangenen Informationen aus".

In Deutschland wird nach Erkenntnissen der Zentralstelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg nicht gegen Csatáry ermittelt. Der Fall Csatáry weise offenkundig keine Bezüge zur Bundesrepublik auf, sagte eine Sprecherin auf Anfrage.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa

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