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Inseln bleiben bei Frankreich Neukaledonier sind gegen Unabhängigkeit

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Die Wahlbeteiligung war mit knapp 80 Prozent hoch.

(Foto: picture alliance/dpa)

Es wird keinen neuen Staat im Südpazifik geben: Auf der zu Frankreich gehörenden Inselgruppe Neukaledonien stimmt laut Medienberichten eine Mehrheit gegen eine Loslösung. Allerdings dürfen sich die Befürworter der Unabhängigkeit Hoffnungen machen.

Die Neukaledonier haben mehrheitlich für die weitere Zugehörigkeit der Pazifik-Inselgruppe zu Frankreich gestimmt. In einer Volksabstimmung stimmten dem vorläufigen Endergebnis zufolge 56,9 Prozent gegen die Unabhängigkeit, wie das öffentlich-rechtliche Fernsehen von Neukaledonien berichtete. Für die Trennung nach mehr als anderthalb Jahrhunderten stimmten demnach 43,1 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag demnach bei knapp 80 Prozent. Wahlberechtigt waren etwa 175.000 der 280.000 Bewohner der Inselgruppe im südlichen Pazifik.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach in einer Rede an die Nation aus dem Pariser Élyséepalast von einer "historischen Etappe". Er fügte hinzu: "Ich bin als Staatschef stolz darauf, dass sich die Mehrheit der Kaledonier für Frankreich entschieden hat." Macron rief in seiner Ansprache alle Beteiligten auf, eng miteinander im Gespräch zu bleiben. "Es gibt keinen anderen Weg als den Dialog." Er schloss seine Ansprache mit den Worten. "Es lebe Neukaledonien. Es lebe die Republik. Es lebe Frankreich."

Am Montag wird Premierminister Édouard Philippe zu einem Besuch in der neukaledonischen Hauptstadt Nouméa erwartet. Aus Sorge vor Unruhen verstärkte der Staat die Sicherheitskräfte. In einigen Stadtvierteln Nouméas wurden in der Nacht Autos in Brand gesetzt.

Seit 1853 Kolonie

Die Volksabstimmung ist das Ergebnis eines 30-jährigen Entkolonialisierungsprozesses. Es ist das erste derartige Referendum auf französischem Staatsgebiet, seit das ostafrikanische Dschibuti 1977 für die Unabhängigkeit votierte. Das von dem britischen Forschungsreisenden James Cook entdeckte Neu-Kaledonien wurde 1853 französische Kolonie.

Seit langem gibt es Spannungen zwischen Ureinwohnern, die für die Gründung eines eigenen Staates eintreten, und den Nachfahren von Siedlern, die Franzosen bleiben wollen. Mitte der 1980er Jahre brachen gewalttätige Auseinandersetzungen aus. 1998 wurde zwischen beiden Seiten ein Abkommen geschlossen, wonach es bis Ende 2018 ein Unabhängigkeitsreferendum geben sollte. Es sieht zudem vor, dass im Falle eines negativen Ausgangs vor dem Jahr 2022 zwei weitere Abstimmungen abgehalten werden können.

Reiche Nickel-Vorkommen

Die französische Regierung hatte sich im Vorfeld des Referendums um eine neutrale Haltung bemüht. Umfragen ließen einen Sieg der Unabhängigkeitsgegner erwarten. Sollte sich Neukaledonien von Frankreich trennen, würde das Mutterland einen Stützpunkt im indopazifischen Raum verlieren, wo China derzeit seine Präsenz ausweitet.

Die Inselgruppe erhält jährlich Beihilfen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro aus Paris. Ansonsten lebt sie neben dem Tourismus insbesondere von ihren reichhaltigen Nickel-Vorkommen, die auf etwa ein Viertel der weltweiten Bestände geschätzt werden. Sie werden von einer Tochter des französischen Bergbaukonzerns Erament abgebaut.

Quelle: n-tv.de, kst/dpa/AFP/rts

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