Politik

Kritik aus eigenen Reihen Petry denkt über Rückzug nach – angeblich

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Man dürfe Anfeindungen nicht persönlich nehmen, sagt Frauke Petry, "sonst hält man es nicht lange aus".

(Foto: picture alliance / Daniel Reinha)

In ihrer Partei ist AfD-Chefin Petry in letzter Zeit teilweise heftiger Kritik ausgesetzt. Einer Zeitung sagt sie: "Weder die Politik noch die AfD sind für mich alternativlos." Das führt zu Spekulationen.

Ein Zitat von AfD-Chefin Frauke Petry hat Meldungen über eine angebliche Amtsmüdigkeit der Politikerin ausgelöst. "Weder die Politik noch die AfD sind für mich alternativlos", sagte sie dem Berliner "Tagesspiegel" in der Ausgabe vom morgigen Freitag.

Das gesamte Interview ist noch nicht erschienen, die Zeitung hat nur eine kurze Meldung hierzu auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Weiter sagte Petry demnach, es sei sinnvoll, das eigene Leben von Zeit zu Zeit zu überdenken und neu zu justieren. "So halte ich das auch jetzt, nach mehr als vier Jahren in der AfD, die einen enormen Kraftaufwand bedeutet haben und den Abschied von einem geregelten Leben."

Ihr Sprecher dementiert

Die Überschrift des Artikels lautet: "Frauke Petry erwägt Rückzug aus der Politik". Ob dies eine überspitzte Interpretation des "Tagesspiegel" ist, ist anhand der vorliegenden Zitate kaum zu beurteilen.

In Parteikreisen heißt es, dass an dem Bericht höchstwahrscheinlich nichts dran ist. Petry selbst war bislang nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Petry steht im Zentrum eines parteiinternen Machtkampfes, der bereits seit Jahren läuft. Letztlich ist die Partei gespalten in einen Petry-Flügel und einen Anti-Petry-Flügel. Zu letzterem gehören ihr Co-Chef Jörg Meuthen, AfD-Rechtsaußen Björn Höcke sowie der brandenburgische AfD-Vorsitzende Alexander Gauland – also die Mehrzahl der wichtigen AfD-Politiker. Selbst in ihrem Landesverband ist sie nicht mehr unumstritten. Bei einem Parteitag am vergangenen Sonntag wählten die Delegierten den umstrittenen Dresdner Richter Jens Maier auf Platz zwei der Landesliste für die Bundestagswahl. Petry hatte Maier eigentlich aus der Partei ausschließen wollen. Während einer Debatte bei dem Treffen brach Petry in Tränen aus, als ein Redner des rechten Parteiflügels sie attackierte.

Kein Anzeichen von Amtsmüdigkeit

In den vergangenen Wochen hat Petry mehrfach betont, sie wolle mit einer geschlossenen Partei in den Bundestagswahlkampf ziehen. Anzeichen von Amtsmüdigkeit ließ die Vorsitzende der sächsischen AfD-Landtagsfraktion nicht erkennen.

Ende April findet in Köln der Bundesparteitag der AfD statt. Dann soll auch die Frage entschieden werden, ob die AfD mit einem Spitzenteam oder einem einzigen Spitzenkandidaten in die Bundestagswahl zieht. Petry wurden Ambitionen auf eine alleinige Spitzenkandidatur nachgesagt. In einer Onlinebefragung sprachen sich die AfD-Mitglieder allerdings gegen einen einzelne Spitzenkandidatur aus.

Mit Blick auf Anfeindungen auch aus den eigenen Reihen sagte Petry, die derzeit ein Kind erwartet, dem "Tagesspiegel", man dürfe diese nicht persönlich nehmen, "sonst hält man es nicht lange aus". Allerdings müsse jeder Politiker zugeben, dass ihn die Auseinandersetzungen auch persönlich berührten. "Alles andere wäre gelogen."

Bei einer Podiumsdiskussion mit Vertretern anderer Parteien am Mittwochabend in Berlin hatte Petry gesagt: "Wir müssen es wieder schaffen, als Menschen miteinander umzugehen." Sie kritisierte die Wortwahl ihres Parteikollegen Nicolaus Fest. Er hatte die Menschen, die einst über die "Gastarbeiter"-Anwerbung nach Deutschland gekommen waren, in seinem Blog als "Gesindel" bezeichnet.

Quelle: n-tv.de, hvo/jki/AFP/dpa