Politik

"Vieles ist mir zu linksradikal" Reisch kehrt nicht zu "Lifeline" zurück

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Ist von seinem Freispruch selbst überrascht: Claus-Peter Reisch.

(Foto: imago images/Future Image)

Claus-Peter Reisch wird von einem maltesischen Gericht vorgeworfen, sein Schiff "Lifeline" nicht ordnungsgemäß angemeldet zu haben. Im Berufungsprozess wird er freigesprochen, doch zur Rettungsmission will er nicht zurückkehren.

Der deutsche Kapitän, Claus-Peter Reisch, wird nach seinem Freispruch im Berufungsprozess nicht zur Rettungsmission "Lifeline" zurückkehren. Das sagte er der "Zeit". Es gebe Differenzen, aber vor allem gefalle ihm die politische Agitation der Organisation nicht. "Ich kann mich nicht mit Aussagen gemeinmachen, wie etwa, der österreichische Kanzler Sebastian Kurz sei ein Baby-Hitler. Und auch gewisse andere politische Aussagen, die da gemacht werden, sind nicht mein Ding. Vieles ist mir zu linksradikal", sagte Reisch.

Reisch war im Mai vergangenen Jahres in erster Instanz zu einer Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro verurteilt worden. Das Gericht warf ihm damals vor, dass die "Lifeline", die unter niederländischer Flagge fuhr, nicht ordnungsgemäß registriert worden sei. Die "Lifeline" wurde von den Behörden beschlagnahmt. Der Kapitän ging gegen das Urteil in Berufung und bekam nun Recht.

Mission Lifeline reagierte mit Erleichterung auf den Freispruch. "Wir wissen jetzt, dass wir alles richtig gemacht haben", erklärte der Sprecher Axel Steier. Mission Lifeline bekomme nun ihr beschlagnahmtes Rettungsschiff zurück - es könne jedoch nicht mehr eingesetzt werden, "da uns kein Staat unter annehmbaren Bedingungen eine Flagge zur Verfügung stellt". Die Organisation habe deshalb das ehemalige Bundeswehr-Boot "Rise Above" gekauft. Es solle im Frühjahr zum Einsatz kommen, erklärte Steier.

Die "Lifeline" hatte im Juni 2018 vor der libyschen Küste 234 Flüchtlinge gerettet und war danach tagelang über das Mittelmeer geirrt, weil Italien und Malta dem Schiff das Anlegen verweigert hatten. Schließlich durfte das Schiff in Malta vor Anker gehen, der Kapitän wurde jedoch festgehalten und von der Polizei vernommen. In der Debatte um die Aufnahme von Flüchtlingen hatten Italien und Malta 2018 wiederholt über die Zuständigkeit für Flüchtlingsschiffe gestritten.

Quelle: ntv.de, mba/AFP