Politik

"Grüner" Teppich und Versprechen Thema Klimaschutz prägt Bundespresseball

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Bundespräsident Steinmeier, seine Gemahlin und die beiden Schauspieler Andrea Sawatzki und Christian Berkel.

(Foto: dpa)

Der Bundespresseball lockt Politgrößen und Prominente ins Luxushotel Adlon nach Berlin. Spenden in Form von Klimaabgaben und regionale Lebensmittel sollen den Abend ganz im Zeichen des Klimaschutzes erscheinen lassen. Die Proteste im Vorfeld bleiben von den Gästen aber nicht unbemerkt.

Klimaschutz war das dominierende Thema rund ums Berliner Luxushotel Adlon am Brandenburger Tor. Stunden vor der Veranstaltung demonstrierten einige Zehntausend Menschen im Regierungsviertel für eine andere Umweltpolitik und fanden deutliche Worte: "Liebe Bundesregierung, mit abschalten haben wir nicht euer Gehirn gemeint." Abends trafen sich 2000 Journalisten, Politiker und Manager im Adlon zum traditionellen Bundespresseball.

Und auch hier ging es neben dem Feiern, dem Blick auf prominente Politiker und das übliche Blitzlichtgewitter um Umweltschutz. Für den Ball, diesmal mit dem Motto "Wandel", zahlten die Veranstalter einige tausend Euro Klimaabgabe, kauften Lebensmittel aus Brandenburg und der 70 Meter lange Rote Teppich war eigentlich "grün". Zumindest in der Entstehung, wie die Ball-Veranstalter betonten. Umweltfreundlich hergestellt aus Resten von Fischernetzen und Meeresmüll. Und nach dem Ball sollte er recycelt werden, so die Ankündigung.

Die Vertreter der Bundesregierung entkamen dem Thema auch in Abendkleid und Smoking nicht - auch wenn die Antworten nicht allzu tiefschürfend waren. Familienministerin Franziska Giffey ging bei ihrem ersten Presseballbesuch weniger auf die Kritik der Demonstranten ein, sondern meinte: "Als Jugendministerin kann ich sagen, ich freue mich, wenn junge Menschen sich politisch engagieren und sich einsetzen." Und ihr Kollege, Gesundheitsminister Jens Spahn, der mit seinem Mann gekommen war, versprach, unnötigen CO2-Ausstoß und Müll zu vermeiden, aber: "Manchmal fällt's leichter und manchmal fällt's schwer."

Prominentester Gast des Abends war wie üblich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der mit seiner Frau Elke Büdenbender kam und den Eröffnungswalzer tanzte. Eng begleitet von drei sehr ernst blickenden männlichen Leibwächtern und einer Frau des Bundeskriminalamtes (BKA) brauchte Steinmeier fast eine halbe Stunde vom Eingang bis zum Dinnersaal.

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Altkanzler Schröder erheitert auf der Tanzfläche.

(Foto: dpa)

Unterwegs standen Plaudereien mit Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Kubicki, Minister Spahn und zahlreichen weiteren Bekannten an. Fotos mit seinem langjährigen Weggefährten, Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder, und dessen Frau folgten.

Unter den prominenten Gästen waren die Grünen-Parteivorsitzende Annalena Baerbock, die zusammen mit ihrer Parteifreundin Katrin Göring-Eckardt in den Kleiderfarben Grün und Rot posierte. Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth, sonst als Stammgast des Balls in auffällig bunten Kleidern, kam diesmal im schwarzen Hosenanzug und Samtumhang und lobte die Hauptstadtjournalisten angesichts des 70. Geburtstags ihres Vereins, der Bundespressekonferenz.

Die Schauspieler Andrea Sawatzki und Christian Berkel saßen am Tisch des Bundespräsidenten, eine "Ehre", wie sie betonten. Ihr Kollege Henry Hübchen amüsierte sich eher über die Fragen am Roten Teppich und die Frau von Bundestags-Vize Kubicki gab sich ganz offen: Zur Auswahl ihres dunkelblau-glitzernden Kleides habe sie zehn Minuten gebraucht, es sei teuer gewesen - und bezahlt habe es ihr Mann. Die Flaniergäste konnten sich im Gedränge zu 18 Essensstationen mit eher kleinen Portionen kämpfen. Austern, Sushi und Champagner gab es ebenso wie Kaffee von McDonalds, Currywurst und Bier. Im Ballsaal spielte die Big Band der Bundeswehr. Ab Mitternacht sollten DJs auflegen. Angesichts des Durchschnittsalters der Gäste dominieren dort statt Elektro Mitsing-Hits der vergangenen Jahrzehnte.

Neben den BKA-Leibwächtern sollten auch rund 60 Wachleute des Hotels Zufahrten und Zugänge kontrollieren, wie es mit dem Hinweis auf die höchste Sicherheitsstufe hieß. Ganz so streng war es aber am Hintereingang wohl nicht. Dort kamen zwei angereiste Gäste mit Rollkoffern direkt vom Flughafen auch unkontrolliert rein, wie ein Besucherpaar unmittelbar nach seiner Ankunft berichtete. Sie zeigten keine Einladung und keinen Ausweis vor. Aber auch ohne böse Absichten, so dass es nicht weiter auffiel.

Quelle: n-tv.de, mba/dpa