Politik

"Man kann nicht zu gierig sein" Trump kämpft für Strohfirma - und für 2024

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Aufmerksamkeit ist für Trump Geld wert.

(Foto: imago images/UPI Photo)

Der noch amtierende US-Präsident Trump ist zuvorderst Geschäftsmann - das wurde in seiner Amtszeit immer wieder deutlich. Im Wahlkampfjahr flossen Hunderte Millionen Dollar an eine Firma der Familie. Ein Grund mehr, es 2024 erneut zu versuchen.

Die US-Wahl ist bald endgültig vorbei, der Wahlkampf wird weitergehen. Dafür sorgt der Verlierer: Donald Trump. Schon Stunden, nachdem er im Januar 2017 als US-Präsident vereidigt worden war, reichte er die Unterlagen für 2020 ein. Seither hat er Spenden gesammelt. Aufgehört hat er damit auch nach der Wahl am 3. November nicht. Warum sollte sich eine Person des öffentlichen Lebens wie er auch möglichen Einnahmequellen verweigern?

Ins neue Jahr geht Trump dennoch als Wahlverlierer, am 20. Januar wird die Amtsübergabe stattfinden. Vereidigt wird dann der Demokrat Joe Biden. Wäre Trump ein Politiker des üblichen Schlages, hätte seine Karriereleiter nun eine fehlende Sprosse; Trump ist erst der vierte US-Präsident mit nur einer Amtszeit seit dem Zweiten Weltkrieg. Er könnte sich nun auf sein Altenteil zurückziehen wie andere Ex-Präsidenten, oder sich vielleicht in Zukunft irgendwo als Senator bewerben, zum Beispiel im Mar-a-Lago-Bundesstaat Florida, wo er viele Anhänger hat. Das würde auch den Republikanern gut zupass kommen. Verbrannt ist Trump keineswegs. Angesichts seiner Umfragewerte gilt er sogar als Top-Kandidat für 2024.

Für Trump ist das wichtig: Er braucht die Aufmerksamkeit, um seine Geschäfte zu befeuern. In den kommenden Jahren muss er Hunderte Millionen Dollar Schulden zurückzahlen. Der vergangene große Wahlkampf hat seiner Familie auf fragwürdige Weise geholfen. So floss die Hälfte der republikanischen Wahlkampfausgaben, vor allem über Spenden eingenommen, an eine Strohfirma namens "American Media Consultants Corporation" (AMMC). Trumps Schwiegersohn Jared Kushner half Anfang 2018 bei der Gründung, schreibt "Business Insider".

Insgesamt erhielten Trumps Wahlkämpfer offiziell knapp 785 Millionen Dollar für ihre Aktivitäten. Bis zum 20. November zahlten "Donald J. Trump for President" und die Parteiführung der Republikaner fast 760 Millionen Dollar an AMMC. Davon bezahlte die Strohfirma zwar Anzeigen, finanzierte aber auch schwammige Aufgaben wie "digitale Beratung" oder "Rechercheberatung". Allein im September soll Trump die Hälfte der Wahlkampfmittel "verbrannt" haben, wie Bloomberg berichtete. Dafür dürften die Leute von AMMC verantwortlich gewesen sein, die womöglich ganz im Sinne des Präsidenten handelten: "Man kann nicht zu gierig sein", lautet eines seiner bekannteren Bonmots. Ihr Werben um Spenden hat Trumps Wahlkampfteam nie gestoppt. Weiterhin sieht es auf seiner Website so aus, als ging es darum, Geld dafür zu geben, den angeblichen Wahlbetrug der Demokraten aufzudecken. Tatsächlich dienen die Spenden zum Großteil einem anderen Zweck: dem Abzahlen von Wahlkampfschulden.

Mysteriöser Geldmangel

Als Trump im September gebuchte Fernsehspots wieder strich, vermuteten US-Medien, dass dahinter strategische Gründe wegen Trumps anhaltendem Umfragetief steckten. Doch möglicherweise wollte (oder konnte) Trump schlicht nicht bezahlen. Wie es zum mysteriösen Geldmangel kam, ist nicht ganz klar. Doch bereits im Juni hatte ein unabhängiger Demokratie-Thinktank eine Klage eingereicht: Demnach wusch AMMC über Trumps Familie Wahlkampfgelder und verschleierte die Empfänger. Als Beispiele genannt werden Lara Trump, die Ehefrau von Trumps Sohn Eric, sowie Kimberly Guilfoyle, Freundin von Donald Trump Junior. Die Chefin der Firma ist eben jene Lara, ihr Vize ein Neffe von US-Vizepräsident Mike Pence.

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Half bei der Gründung von AMMC im Jahr 2018: Trumps Schwiegersohn Jared Kushner.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Aber Trump geht es nicht nur ums Geld, er will ganz offensichtlich an der Macht bleiben. Es gibt zwei Hauptinitiativen, mit denen republikanische Abgeordnete dem Präsidenten ihre Unterstützung signalisieren. Zum einen will ein Teil der Republikaner die Wahlergebnisse aus mehreren Bundesstaaten anfechten. Zudem haben ein republikanischer Abgeordneter und mehrere Parteikollegen Vizepräsident Mike Pence verklagt, der laut Gesetz den Sieg Bidens final verkünden muss. Der Klage zufolge sind die Ergebnisse aus Arizona, Georgia, Michigan, Pennsylvania und Wisconsin zweifelhaft, weshalb Pence eigene Wahlleute bestimmen kann. Diese, so das Szenario, stimmen dann für Trump und machen ihn erneut zum Präsidenten.

Die Erfolgsaussichten dieser Initiativen sind praktisch gleich null. Beide können Trump aber helfen und die Republikaner unter Feuer halten, weil sie die Legende nähren, er habe die Wahl gar nicht verloren. Trump hat nur kurz - als er zu Beginn seiner Amtszeit sagte, er wolle der Präsident aller US-Amerikaner sein - einen Hehl daraus gemacht, dass er nur seine Basis bedienen will. Nachdem er zunächst kurze Wutphasen durchlief darüber, dass er so ungerecht behandelt werde (wohl in der unverrückbaren Überzeugung, alles richtig zu machen), blieb er danach fast immer in aggressiver Offensive. Diese vier Jahre von Opfer- und Gewinnermythos haben seine Basis verfestigt.

Eine Frage des Zeitpunkts

Da selbst Trump klar sein dürfte, dass sein Kampf um einen Verbleib im Weißen Haus verloren ist, lotet er, so US-Medien, eine erneute Kandidatur für 2024 aus: Tagelang telefonierte er mit Vertrauten, etwa dem "Fox News"-Kommentator Sean Hannity, und fragte sie, wie er weiterhin Aufmerksamkeit bekommen und den Wahlkampf um vier Jahre verlängern könne, berichtete "Politico" Mitte Dezember. Demnach halten viele aus Trumps Zirkel eine erneute Kandidatur für wahrscheinlich, solange es eine Siegchance gibt. "Die Frage ist nicht, ob er sie ankündigt, sondern wann", wird eine Quelle aus dem nahen Umfeld Trumps zitiert. In der Diskussion sei demnach, ob es am Amtseinführungstag von Biden am 20. Januar geschehen soll oder danach.

Bislang hat es nur zwei US-Politiker gegeben, die nach einer Wahlniederlage noch einmal für eine Partei als Kandidaten nominiert wurden: Richard Nixon im Jahr 1968 und lange zuvor Grover Cleveland 1892. Nur Letzterer war Amtsinhaber wie Trump, als er verlor, aber schaffte es vier Jahre später, doch noch zu gewinnen. Trump wäre also nicht der Erste, dem es gelänge. Allerdings muss Trump es auch schaffen, in diesen Jahren eine gerichtliche Verurteilung zu vermeiden, denn sie würde eine Kandidatur ausschließen. Bislang ist Trump einer Amtsenthebung entgangen, war sechsmal bankrott, wurde 26 Mal wegen sexueller Belästigung oder Schlimmerem angezeigt und hat geschätzte 4000 Klagen gegen sich überstanden, zählt das "New York Magazine" auf.

Doch eines dürfte Trump Hoffnung machen und potenzielle Rivalen abschrecken: Noch nie wurde ein Präsident abgewählt, der danach weiterhin so große Unterstützung seiner potenziellen Wählerschaft hatte: laut Gallup 89 Prozent der Republikaner. Schon in den Nachwahlbefragungen hatte sich dies angedeutet. Noch nie seit den ersten Umfragen am Wahltag im Jahr 1972 hat ein republikanischer Kandidat eine höhere Zustimmungsrate unter Konservativen und Republikanern auf sich vereinen können: Für Trump sprachen sich dabei 85 Prozent der Menschen aus, die sich konservativ nennen und 94 Prozent derer, die sich als Republikaner bezeichneten.

Quelle: ntv.de

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