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Ägypter bejubeln Militärjunta Mubarak ist weg

In Ägypten endet nach fast 30 Jahren die Ära Mubarak. Der 82-Jährige beugt sich dem Druck des Militärs und des Volkes und tritt endlich zurück. Die Armee übernimmt die Macht am Nil. Die schwierigste Phase steht dem Land aber noch bevor.

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Husni Mubarak erweist seinen Ägyptern einen letzten Dienst und tritt ab.

(Foto: REUTERS)

Ägypten im Wechselbad der Gefühle: Nach großer Enttäuschung gibt es im Land am Nil nun riesigen Jubel. Der Rücktritt von Präsident ist endlich vollzogen. Das Militär übernimmt die Macht. Die seit Tagen auf dem Kairoer Tahrir-Platz ausharrenden tausenden Demonstranten erreichen einen wichtigen Etappensieg.  

Damit tritt nun doch ein, was seit geraumer Zeit erwartet wurde. Die ägyptische Armee schreitet zur Tat. Der Umstand, dass Mubarak seinen Rücktritt nicht selbst erklärte, sondern Vizepräsident Omar Suleiman, ist ein Hinweis, dass der 82-Jährige nicht freiwillig sein Amt aufgegeben hat. Militär will seine neutrale Rolle wahren sah sich das Militär unter Führung von Vertrauter löst Mubarak ab gezwungen, die Geschicke des Landes selbst in die Hand zu nehmen und den störrischen Staatschef aufs Altenteil zu schicken. Es zollte auch dem Umstand Tribut, dass Suleiman als ehemaliger Chef des Geheimdienstes Muchabarat im Volk genauso verhasst ist wie Mubarak. Er sollte die Macht nicht in die Hand bekommen.          

"Das ist der schönste Tag in meinem Leben", äußerte sich   Die Opposition hat viele Köpfe euphorisch. Mit ihm freuen sich die unzähligen Demonstranten in Kairo und in den anderen Städten des nordafrikanischen Landes. Und sie haben allen Grund dazu. Dennoch entbehrt der Umbruch in Ägypten nicht einer gewissen Skurrilität: Die Menschen bejubeln neben dem Rücktritt von Mubarak nämlich die Übernahme der Macht durch eine Militärjunta.

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Der neue starke Mann: Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi.

(Foto: dpa)

Es ist davon auszugehen, dass die USA das Vorgehen der Armee unterstützen werden. Mubarak hat in Washington durch seine starrsinnige Haltung alle Sympathien verspielt. Im Weißen Haus setzte sich nach tagelanger Debatte die Erkenntnis durch, dass der Machthaber nicht mehr zu halten ist. Die Amerikaner waren aber klug genug, den Machtwechsel in Ägypten mit der gebotenen diplomatischen Vorsicht zu begleiten, um die dort herrschende antiamerikanische und antiisraelische Stimmung nicht weiter anzuheizen.

Die Administration von Präsident Barack Obama hatte dabei einen wichtigen Trumpf in ihrer Hand. Die ägyptische Armee bekommt jedes Jahr Finanzhilfe in Milliardenhöhe aus den Vereinigten Staaten. Eine Einstellung der Zahlungen hätte ihr einerseits massive Probleme bereitet. Andererseits konnte es sich Washington nicht leisten, einen wichtigen Verbündeten in der politisch äußerst instabilen Nahostregion einfach fallenzulassen oder gar seinen Einfluss in Ägypten einfach aufzugeben.     

Ägypten vor schwierigen Monaten

Mubarak ist weg, aber das Schwierigste steht dem Land noch bevor. Das Militär taugt nicht als demokratische Instanz; es kann nur ein drohendes Machtvakuum verhindern. Die ägyptische Armee ist zudem ein inhomogenes Gebilde. Auf der einen Seite gibt es die Generals- und Offizierskaste, die um ihre Pfründe fürchten muss und wohl auch deshalb Mubarak den Laufpass gab. Auf der anderen Seite sind es die Wehrpflichtigen und unteren Ränge, die derzeit von den Demonstranten gefeiert werden, weil sie immer wieder für den weitgehend friedlichen Ablauf der Demonstrationen gesorgt hatten.

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Sympathie der Demonstranten für die Soldaten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wohin Ägypten nun steuert, ist noch völlig unklar. Die Zeit bis zu der im September geplanten Präsidentenwahl wird eine aufregende sein. Die verschiedenen politischen Kräfte im arabischen Land, unter ihnen auch die Muslimbrüder, müssen sich unter den Augen des Militärs nun sammeln, um dann auch politische Verantwortung übernehmen zu können. Der "Pharao" ist zwar weg, aber das Regime hat sein Leben noch nicht ausgehaucht.

Quelle: n-tv.de

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