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Rechtsextreme Lektüre seit 1999 Berthold bereut Corona-Rede "gar nicht"

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Berthold hält sich nicht für einen Verschwörungstheoretiker, aber liest ihre Bücher.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bei seinem Auftritt vor Corona-Leugnern fällt Ex-Fußballnationalspieler Thomas Berthold mit bizarren Aussagen auf. Den Vorwurf, er mache sich mit Rechtspopulisten oder Verschwörungstheoretikern gemein, weist er aber zurück. Ein Blick in die Vergangenheit zeichnet ein anderes Bild.

Als Fußballer verzauberte Thomas Berthold Millionen Fans mit dem Gewinn des WM-Titels 1990, am Samstag sorgte er als Redner bei einer Demonstration von Gegnern der Corona-Schutzmaßnahmen in Stuttgart für zweifelhafte Schlagzeilen. "Ich bereue gar nichts, auf keinen Fall, dafür war die Resonanz viel zu positiv und das Thema viel zu wichtig", sagt Berthold einen Tag später auf Nachfrage.

In seiner rund sechsminütigen Rede hatte der frühere Nationalspieler und langjährige Bundesligaprofi die Corona-Politik der Bundesregierung kritisiert. Sein Vertrauen in die politische Führung sei "unter null angekommen mittlerweile", sprach Berthold ins Mikrofon. "Weil wir hier mit Spekulationen von ein, zwei Wissenschaftlern oder Vertretern des RKI besudelt werden und unser Leben eingeschränkt wird. Ich möchte, dass wir unser altes Leben zurückbekommen", beschwerte er sich über die Einschränkungen.

Berthold - kurze Hose, Turnschuhe, weißes T-Shirt - schien sich in seiner neuen Rolle für die Bewegung "Querdenken 711" zu gefallen. Mit ausgebreiteten Armen und dem Victory-Zeichen verabschiedete er sich von den johlenden Zuschauern und verließ die Bühne.

Lieblingsbuch vom Antisemiten

Er habe sich bewusst für den Schritt in die Öffentlichkeit entschieden, sagt Berthold einen Tag später. "Es redet doch sonst kaum einer mehr mit offenem Visier. Alle verstecken sich hinter Pseudonymen, kaum einer mehr hat Mumm." Deutschland werde "zurzeit quasi von einer Einheitspartei regiert, die das Parlament außer Kraft gesetzt hat. Die anderen Parteien scheinen sich zu verstecken. Wir brauchen mehr Leute mit Format, die öffentlich ihre Meinung sagen".

Den Vorwurf, er mache sich mit Rechtspopulisten oder Verschwörungstheoretikern gemein, weist Berthold zurück. "Jeder ist gleich ein Rechtsradikaler, das finde ich inakzeptabel. Und davon distanziere ich mich völlig", sagte er. "In einer Demokratie haben wir das Recht, selbstbestimmt zu leben. Jeder sollte selbst entscheiden, ob er eine Maske tragen möchte, um sich zu schützen oder nicht. Das ist meine Überzeugung."

Die Aussage passt allerdings nicht mit der Vergangenheit des Ex-Profis zusammen. Als er 1999 Werbung für den Onlinebuchhandel buecher.de machte, gab er im Rahmen der Kampagne auch sein "Lieblingsfachbuch" an. Berthold entschied sich für "Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20. Jahrhundert". Das Buch wurde von dem antisemitischen Bestsellerautor Jan Udo Holey alias Jan van Helsing verfasst und lieferte modernisierte Versionen rechtsextremer Weltverschwörungstheorien. Das geht aus dem Archiv des "Spiegel" hervor.

Am Sonntag kündigte Berthold einen weiteren öffentlichen Auftritt an: Am 29. August will er auch in Berlin bei der geplanten Demonstration der "Querdenker" reden.

Quelle: ntv.de, chr/sid