"Mich kann nichts überraschen"Coach legt Skandal-Abgang hin

Welch ein Vorgang: Mitten im wichtigsten Sandplatzturnier der Saison steht Alejandro Davidovich Fokina ohne Coach da. Der spanische Tennisprofi wird geghostet.
Bei Alejandro Davidovich Fokina dürften die laufenden French Open sicher im Gedächtnis bleiben. Nicht, weil es für den Spanier sportlich so begeisternd lief: Der 23. der Weltrangliste scheiterte in Paris schon in der zweiten Runde am ungesetzten Argentinier Thiago Agustin Tirante. Nein, der Grund ist völlig kurios: Nach dem Davidovich Fokinas Erstrundensieg haute sein Trainer einfach ab.
"Nach dem Match gegen Dzumhur haben wir gemeinsam gegessen, und danach bin ich gegangen, um mich ein wenig abzukühlen. Er sagte, er fühle sich schlecht und wolle ins Hotel", erklärte Davidovich Fokina gegenüber Reportern. "Am Nachmittag, etwa zwei bis drei Stunden später, schickte er mir eine Nachricht, dass er nicht weitermachen werde ... Er sagte niemandem aus dem Team etwas, er stieg einfach in den Flieger und flog nach Miami, ohne ein Wort zu uns zu sagen. Ich habe gehört, dass er das schon ein paar Mal zuvor mit anderen Spielern gemacht hat, also scheint das für ihn normal zu sein." Der einstige Weltklassespieler Puerta hatte zuvor unter anderem die Topspieler Christian Garin und Brandon Nakashima auf der Profitour trainiert.
"Mich kann nichts mehr überraschen"
Der skandalöse Abgang seines Trainers mitten im wichtigsten Sandplatzturnier der Saison habe ihn in seinem Zweitrundenmatch "wahrscheinlich unbewusst beeinflusst", erklärte Davidovich Fokina, der von seinem argentinischen Ex-Coach völlig ratlos zurückgelassen wurde. "Die Sache ist die: Wir haben uns nicht gestritten, alles war normal. Im Spiel war alles normal. Wir haben während des Spiels gegen Dzumhur sehr gut kommuniziert."
Puerta habe die Telefonnummern von ihm und seiner Frau blockiert. "Ich weiß nicht, was ich sagen soll, denn es war seltsam. Aber mich kann nichts mehr überraschen. Ich habe in meiner Karriere schon viel erlebt, also ist das nur eine weitere Sache." Davidovich Fokina spielt seine neunte Saison auf der ATP-Tour, der 26-Jährige hat schon mehr als 300 Matches absolviert und dabei über elf Millionen Dollar an Preisgeldern eingespielt.
"War eine Lüge"
Puerta sorgt damit für den nächsten Skandal in seiner Karriere. 2005 stand der Sandplatzspezialist im Finale der French Open, wo er dem späteren Seriensieger Rafael Nadal bei dessen erstem Triumph in Roland Garros in vier Sätzen unterlag. Nach dem Endspiel, dem größten Erfolg seiner Karriere, wurde der damals 26-Jährige jedoch positiv auf die Einnahme der verbotenen Substanz Etilephrin getestet und für acht Jahre wegen Dopings gesperrt.
Im Jahr darauf erreichte Puerta zwar eine Reduzierung seiner Sperre auf zwei Jahre und kehrte 2007 auf die Profitour zurück. Sein altes Niveau von vor der Zwangspause, als er bis auf Platz neun der Weltrangliste geklettert war, erreichte er nicht mehr.
2020 verkündete er elf Jahre nach seinem Karriereende, dass er 2006 bei der Berufungsverhandlung vor dem Internationalen Sportgerichtshof gelogen hatte: "Die Erklärung, die wir als Verteidigungsstrategie benutzten, war eine Lüge. Aber ich habe dadurch keinen sportlichen Vorteil erlangt. Ich möchte nicht mehr als Betrüger gelten", sagte der Ex-Profi damals der argentinischen Tageszeitung "La Nación". Puerta war schon 2003 erstmals wegen eines Dopingvergehens gesperrt worden.
Davidovich Fokina schließt nun den bizarren Vorfall für sich versöhnlich ab: "Ich wünsche ihm nichts Schlechtes", sagte er zum Abschluss. "Ich dachte mir nur: 'Okay, es war mein Fehler, ihn einzustellen.' Ich hoffe, andere Spieler werden nun vorsichtig sein, wenn sie mit ihm arbeiten wollen."