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Der Eishockey-Boom ist bereits wieder abgeebbt, Bundestrainer Marco Sturm ist auf dem Boden der Tatsachen.
Der Eishockey-Boom ist bereits wieder abgeebbt, Bundestrainer Marco Sturm ist auf dem Boden der Tatsachen.(Foto: imago/Jan Huebner)
Mittwoch, 16. Mai 2018

"Noch lange kein Rückschritt": DEB-Team verjüngt sich nach WM-Aus

Auf Olympiasilber folgt Rang elf bei der Eishockey-WM - für das deutsche Team um Trainer Marco Sturm ein Rückschlag. Doch der Coach plant bereits den Neuanfang und auch Verbandspräsident Franz Reindl mahnt zur Nachsicht.

Wo steht das deutsche Eishockey wirklich?

Im internationalen Vergleich ist es Mittelmaß. Für die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes ist es nicht selbstverständlich, bei einer WM immer die K.o.-Runde zu erreichen. Auch wenn die Erwartungen der Öffentlichkeit nach Olympia-Silber ebenso wie der Anspruch im Team seit Sturms Amtsantritt vor knapp drei Jahren gestiegen sind. Die Top-Nationen haben eine andere Klasse, auch wenn mal ein Coup wie das 3:2 nach Verlängerung gegen die Finnen möglich ist. "Der Kampf ums Viertelfinale wird immer bleiben", sagte DEB-Präsident Franz Reindl. Der Finaleinzug bei Olympia war einzigartig. Die Sensation war wegen der Nicht-Teilnahme der NHL-Spieler möglich, zudem war das deutsche Team mit etlichen, inzwischen abgetretenen Leistungsträgern über Jahre gewachsen. Der Neuaufbau nun braucht Zeit.

Wie ist das Vorrunden-Aus zu bewerten?

Als erster Rückschlag unter Sturm, unter dem es stetig bergauf ging. Mit dem neuformierten jungen Team, zu dem nur zehn von 25 Silbergewinnern gehörten, war es aber ein realistisches Ergebnis. Das weiß auch Sturm, dennoch war er von der WM auch enttäuscht. Es sei ein Rückschlag, aber "noch lange kein Rückschritt", meinte Reindl.

Was passiert mit dem Boom?

Der ist schneller verflogen als gehofft. Die Olympia-Euphorie konnte nicht bestätigt werden. Als das Wunderteam von Südkorea ins Finale einzog, schauten plötzlich auch Menschen Eishockey, die der Sport normalerweise nicht interessiert. Sturm wird seitdem häufiger auf der Straße erkannt, sagte aber selbst: "Ich denke, damit man einen Boom in Deutschland erhält, muss man wahrscheinlich im Halbfinale stehen. Da brauchen wir uns gar nicht großartig anzulügen."

Wie geht es mit dem Umbruch weiter?

Der wird sich fortsetzen. Sturm rechnet mit weiteren Rücktritten, nannte aber vorerst keine Namen. Fraglich ist, wie es mit Routinier Dennis Seidenberg persönlich und im Nationaltrikot weitergeht. Der Verteidiger hat keinen Vertrag mehr in der amerikanischen Profi-Liga NHL, am 18. Juli wird er 37. Olympia-Fahnenträger Christian Ehrhoff (35) hat seine Karriere bereits beendet, Kapitän Marcel Goc (34) und Torjäger Patrick Reimer (35) waren aus dem Nationalteam zurückgetreten.

Was verspricht die neue Generation?

Mit dem 3:2 nach Verlängerung gegen Finnland deutete das junge Team auch mit den Torschützen Frederik Tiffels (22) und Markus Eisenschmid (23) an, was möglich ist. Noch fehlt es an Cleverness, Erfahrung und Abstimmung, das zeigte sich zum Abschluss auch beim 0:3 gegen Kanada. Die WM war ein Lernprozess. Auch der etablierte Dominik Kahun, Zugang der Chicago Blackhawks, und Edmonton-Star Leon Draisaitl sind erst 22. Es gibt aber längst keine Garantie, dass sie bei den kommenden Turnieren dabei sein werden. Parallel zur WM laufen die NHL-Playoffs.

Was muss besser werden?

Die Nachwuchsarbeit. Dabei hat der DEB in den vergangenen Jahren einiges versäumt. "Es braucht einfach eine gewisse Zeit. Deswegen schaut es momentan einfach ziemlich mager aus", sagte Sturm. In Herning war zudem die Offensive mit nur 16 Treffern in sieben Spielen nicht so stark wie erhofft. Sechs davon fielen gegen das überforderte Südkorea. Im Angriff war das Team besonders jung aufgestellt - sechs von 14 Stürmern waren Jahrgang 1995 oder 1996.

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Quelle: n-tv.de