Gerd Osenberg ist tot

Der Mann, der die deutschen Superstars formte

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Trainer Gerd Osenberg formte unter anderem Heike Henkel zu einer Weltklasse-Athletin. (Foto: imago sportfotodienst)
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22.07.2026 | 16:33 Uhr
Die deutsche Leichtathletik trauert um einen ihrer größten Trainer: Gerd Osenberg ist tot. Der Coach, der unter anderem die Olympiasiegerinnen Heide Ecker-Rosendahl, Ulrike Nasse-Meyfarth und Heike Henkel zu Topstars geformt hatte, starb im Alter von 89 Jahren.

Gerd Osenberg war der Alleskönner der deutschen Leichtathletik. Vom Hochsprung über den Sprint bis hin zum Diskuswurf – der Erfolgstrainer des TSV Bayer 04 Leverkusen beherrschte nahezu die gesamte Bandbreite der Sportart. Besonders gut konnte der "Osi" jedoch "auf den einzelnen Menschen eingehen", erzählt Heide Ecker-Rosendahl, so gut, "dass es einem Spaß gemacht hat, Leistungssport zu machen".

Für die Olympia-Queen von München 1972 ist der Tod ihres früheren Mentors ein schwerer Verlust. Bis zuletzt standen sich Ecker-Rosendahl und Osenberg nah. "Er wohnte hier bei mir in der Nachbarschaft, und ich habe ihn immer wieder besucht. Ich war auch am Todestag noch einmal da und habe mich von ihm verabschiedet", sagt die 79-Jährige im Gespräch mit dem Sportinformationsdienst.

"Er war immer so der Fels in der Brandung"

Ecker-Rosendahl, Ulrike Nasse-Meyfarth, Heike Henkel: Drei Athletinnen, fünf olympische Goldmedaillen - und alle hatten ihrem "Osi" so viel zu verdanken. "Er war immer so der Fels in der Brandung, total ruhig und entspannt", erzählt Henkel dem Sport-Informations-Dienst: "Selbst wenn es nicht so gut lief, wusste man, man kann auf jeden Fall darauf vertrauen, dass er einen Plan hat, wie wir das hinkriegen."

Dabei war Gerd Osenberg kein hochspezialisierter Experte, wie er heute in vielen Sportarten anzutreffen ist. Der Akademiker mit Abschlüssen in Physik und Mathematik war ein Autodidakt - und einer, mit einem besonders pädagogischen Ansatz. "Da hat es immer gerattert. Er hat sich überlegt: Was kann ich tun, um den Athleten voranzubringen? Er hat sich nicht nur auf die Lehre verlassen, sondern war selber kreativ und hat Dinge entwickelt", erinnert sich Hochspringerin Henkel, Olympiasiegerin von 1992.

Dabei stand bei Osenberg immer der Mensch im Vordergrund. "Er hat sich mit der Technik, die notwendig ist, um eine Leistung zu erreichen, auseinandergesetzt und versucht, das auch mit den Möglichkeiten des einzelnen Menschen umzusetzen", sagt Ecker-Rosendahl: "Nicht jeder Mensch ist gleich und nicht jeder Mensch springt gleich weit."

Es war eine andere Epoche

Sie selbst denkt gerne an die gemeinsame Zeit zurück. "Wir sind viel in der Weltgeschichte herumgereist, und ich erinnere mich noch immer daran, dass wir manchmal auf Flughäfen gesessen und Karten gespielt haben. Er hat wirklich gerne Karten gespielt." Es war eine andere Epoche, weit vor dem Smartphone und den Ablenkungen der Gegenwart, aber eine, in der die deutsche Leichtathletik weltweit konkurrenzfähig war.

"Mit Osenberg hatten wir alle – seine Athletinnen, auch einige Athleten haben bei ihm trainiert – eine wunderbare Zeit. Die möchte ich nicht missen", sagte Nasse-Meyfarth, Hochsprung-Olympiasiegerin von '72 und '84 bei Sport1. Sie erinnert sich: "Den Sieg in Los Angeles habe ich mir mithilfe von Gerd Osenberg hart erarbeitet."

"Es war ein ganz besonderer Mensch"

Elf olympische Medaillen holten seine Schützlinge, neben Ecker-Rosendahl (Weitsprung und 4x100 Meter) gewann auch 400-Meter-Läuferin Rita Wilden 1972 Bronze in der Staffel und Silber im Einzel, mit einer Zeit, "bei der sie heute froh wären, wenn sie jemand laufen würde", sagt Ecker-Rosendahl. Osenberg bekam seine Auszeichnungen später: das Bundesverdienstkreuz sowie den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.

Osenbergs Schützlinge behalten ihren Übungsleiter, der 89 Jahre alt wurde, in liebevoller Erinnerung. "Es war ein ganz besonderer Mensch. Er hatte eine ganz besondere Art, auf die Athleten einzugehen", sagt Henkel. Und Silke Spiegelburg, einst EM-Zweite im Stabhochsprung und eine der letzten Top-Athletinnen des Trainers Gerd Osenberg, schreibt bei Instagram: "Danke für alles. Ruhe in Frieden."

Verwendete Quellen: ntv.de, tno/sid