Sport

DDR-Ikone Roland Matthes Der "Rolls Royce des Schwimmens" ist tot

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Roland Matthes war in den 1960er- und 1970er-Jahren das größte Schwimm-Idol der DDR.

(Foto: imago images/Pressefoto Baumann)

Als talentfrei gilt Roland Matthes zunächst, ehe er 1968 mit nur 17 Jahren zum Doppel-Olympiasieger für die DDR wird. Es ist der erste Höhepunkt einer großen Karriere, die ihn zu einem der erfolgreichsten deutschen Schwimmer überhaupt macht. Nun ist er mit 69 Jahren überraschend gestorben.

Wenn Roland Matthes im Schwimmbecken lässig seine Bahnen zog, waren sogar seine Konkurrenten verzückt. Für viele war er der "Rolls Royce des Schwimmens". Am Freitag ist der viermalige Olympiasieger und einer der erfolgreichsten deutsche Schwimmer überhaupt im Alter von 69 Jahren gestorben, laut Angaben seiner Frau nach kurzer, schwerer Krankheit.

"Die Nachricht vom Tod Roland Matthes' erfüllt uns mit großer Trauer", sagte Uwe Brinkmann, Vize-Präsident des Deutschen Schwimm-Verbands. Er würdigte Matthes nicht nur als einen der erfolgreichsten deutschen Schwimmer. Der 69-Jährige sei "auch ein stets hilfreicher Mensch, der immer Brücken schlagen wollte - innerdeutsch zwischen Ost und West ebenso wie zwischen den älteren und jüngeren Sportlergenerationen. Wir werden ihn als ein großes Vorbild in Erinnerung behalten."  

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Matthes galt in jungen Jahren als talentfreier Schwimmer - und gilt heute als einer der besten Rückenschwimmer aller Zeiten.

(Foto: imago images/Werner Schulze)

Die mit zahlreichen Titeln und Rekorden gekrönte Sport-Karriere des Ausnahmekönners hatte eher unfreiwillig begonnen. Als er als Kind in einen Teich sprang und nicht schwimmen konnte, wurde er von seinem vier Jahre älteren Bruder und ein paar Freunden wieder herausgeholt. "Dann habe ich aber schnell schwimmen gelernt", sagte Roland Matthes einst. "Zum Schwimmen kam ich dann, weil es da immer eine warme Dusche gab", berichtet er, der damals aus ärmlichen Verhältnissen kam.

Zunächst wurde ihm aber Talentlosigkeit bescheinigt und er als "hoffnungsloser Fall betrachtet". Doch seine langjährige Trainerin Marlies Grohe, die sein Leben prägte, sprach ein Machtwort und erkannte: "Das ungehobelte Stück Holz muss geschnitzt werden." Sie legte damit den Grundstein für eine einmalige Karriere. Sieben Jahre blieb Matthes über die Rückenstrecken national und international unbesiegt - von April 1967 bis August 1974 schlug er immer als Erster an und erzielte 19 Weltrekorde.

"Tragflächenboot" im Becken

Bei seinen insgesamt drei Olympia-Teilnahmen holte er zudem noch je zweimal Silber und Bronze. Zudem wurde er dreimal Welt- und fünfmal Europameister. Auch weil er einen unnachahmlichen Schwimmstil hatte und mit Attributen wie "Tragflächenboot" versehen wurde, weil er mehr auf dem Wasser lag als in diesem. "Vielleicht lag es auch an meinen großen Ohren", kommentierte er einst lachend.

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Die Goldene Sportpyramide wurde Matthes (2.v.r.) im Jahr 2004 verliehen.

(Foto: ce3586051a4e4493b775fae65066fffd.jpg)

Siebenmal wurde er in der DDR zum "Sportler des Jahres gewählt. 1981 wurde er in die International Swimming Hall of Fame in Fort Lauderdale/Florida aufgenommen. 2004 zeichnete ihn die Stiftung Deutsche Sporthilfe mit der "Goldenen Sportpyramide" aus, 2006 wurde er in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen.

In einem Interview mit der "Sächsischen Zeitung" im vergangenen Jahr betonte Matthes, dass er froh war, nicht in der heutigen "Entertainment-Zeit" groß geworden zu sein. "Ich bin froh, dass der Kelch an mir vorübergegangen ist. Es gab damals überall Regeln und Vorgaben, die wurden später aufgeweicht", sagte er: "Aber Dinge wie Disziplin, Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Teamgeist, nicht vor Problemen davonzulaufen - das habe ich beim Sport gelernt."

Doppel-Olympia-Gold mit 17? "Ganz normal"

Auch seinen Doppelsieg bei den Olympischen Spielen in Mexiko-City beurteilte er im Nachhinein nüchtern. Dabei gelangen ihm die Siege im Alter von nur 17 Jahren. "Für mich bleibt das was ganz Normales, auch wenn es komisch klingt. Es war ein Wettkampf, ich hatte meine Arbeit gemacht", sagte er: "Ich musste eher aufpassen, meine Sachen ordentlich zu verpacken. Ich neigte zur Schusseligkeit."

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Traumpaar des DDR-Sports: Kornelia Ender und Roland Matthes im Jahr 1976 mit ihren zahlreichen Olympia-Medaillen.

(Foto: imago images/Werner Schulze)

Für Aufsehen sorgte 1978 die Heirat mit Kornelia Ender als dem zweiten großen sportlichen DDR-Schwimm-Aushängeschild der damaligen Zeit. Sie galten als Traumpaar des DDR-Sports, doch die Ehe hielt nur vier Jahre. "Wir hatten uns durch den Sport kennengelernt, hatten gleiche Ideen und Vorstellungen. Als diese Basis wegfiel, wäre eine neue nötig gewesen. Die gab es aber nicht, deshalb ließen wir uns 1982 scheiden", sagte Matthes rückblickend. Als die Ehe geschieden wurde, fiel er bei der sportlichen und politischen Führung in Ungnade.

"Im Westen wurde vermutlich auch gedopt"

Kurz nach dem Mauerfall ging der im thüringischen Pößneck geborene Matthes im Dezember 1989 in den Westen. Über Kaiserslautern kam der promovierte Orthopäde nach Tauberbischofsheim und zur Fechttrainer-Legende Emil Beck, kümmerte sich dort um physiologische Trainingssteuerung. 1998 kehrte er für drei Jahre als TV-Experte beim ZDF an den Beckenrand zurück und hielt mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg, er selbst mutmaßte später: "Wahrscheinlich war ich auch hier zu kritisch."

Eines hat er aber nie gemacht: mit der DDR und deren System abgerechnet. Er sprach sich gegen "Pharisäertum" im Umgang mit DDR-Erfolgen aus. "Nicht alles ist mit Doping zustandegekommen. Außerdem wurde vermutlich auch im Westen gedopt", sagte Matthes 2008 in einem "Tagesspiegel"-Interview. Er selbst, betonte er, habe mit Doping nichts zu tun gehabt: "Ich hatte das Glück, in einem kleinen Zivilclub bei Erfurt zu sein und nicht in einem der Polizei- oder Militärvereine, wo man mit Doping in Berührung kam." Nach einem dritten Platz bei Olympia 1976 über 100 Meter Rücken stieg Matthes im Alter von 26 Jahren als damaliger "Schwimm-Methusalem" aus dem Becken. Seit 2011 trägt eine Schwimmhalle in Erfurt seinen Namen.

Quelle: ntv.de, cwo/sid/dpa