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Blitz-Debakel und Trainer-RätselAusgerechnet vor Heim-WM: Der katastrophale Absturz des deutschen Eishockeys

19.05.2026, 14:30 Uhr
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Im eigenen Überzahlspiel ein Gegentor: Deutschland hat viele Probleme bei der WM in der Schweiz.

Drei Jahre nach dem Silbercoup bei der Weltmeisterschaft hat das DEB-Team einen neuen Tiefpunkt erreicht. Die historische Pleite gegen die Schweiz wirft viele Fragen auf.

Am Tag nach dem historischen Debakel wollte niemand zurück ins Stadion. Nach einer Mannschaftssitzung am Mittag im Hotel in Regensdorf suchten die deutschen Nationalspieler das Weite, das Training wurde gestrichen. "Es schadet nicht, jetzt mal einen Tag vom Eishockey wegzukommen, mal durch die Stadt zu laufen", sagte Verteidiger Kai Wissmann nach der 1:6-Klatsche gegen die Schweiz. "Wir müssen einfach mal die Köpfe freibekommen", ergänzte Stürmer Frederik Tiffels.

Drei Jahre nach dem Silbercoup von Tampere ist das deutsche Team in Zürich an einem neuen Tiefpunkt angekommen. Die höchste WM-Pleite gegen den Nachbarn seit 89 Jahren, erstmals sieben WM-Niederlagen in Serie seit 1994/95: Ausgerechnet im Jahr vor der Heim-Weltmeisterschaft ist jegliche Euphorie im deutschen Eishockey verflogen - und mit ihr die anfängliche Begeisterung um Bundestrainer Harold Kreis.

Drittes unbefriedigendes Turnier in Folge droht

Noch hat der 67-Jährige zumindest die theoretische Chance, mit seiner Mannschaft das erklärte Ziel Viertelfinale zu erreichen. Dafür müsste sie aber am Mittwoch (20.20 Uhr/ProSieben und MagentaTV) gegen Olympiasieger und Titelverteidiger USA eine Siegesserie starten. "Wir müssen es als Do-or-die-Spiel sehen", sagte Kapitän Moritz Seider. Alles oder nichts heißt es vor allem für Kreis und seinen Job.

Über die Zukunft des Deutsch-Kanadiers, der im Dezember seinen Vertrag extra für die Heim-WM um ein Jahr verlängert hatte, wird nach dem Turnier entschieden. Dabei spielt ausgerechnet die Weltmeisterschaft in Mannheim und Düsseldorf eine wichtige Rolle - und die Frage: Kann Kreis noch ein Werbeträger dafür sein?

In Zürich macht es bislang nicht den Eindruck. Ganz anders als bei seiner ersten WM 2023, als er aktiv coachte und wesentlich zum sensationellen Finaleinzug beitrug, wirkt Kreis zunehmend passiv und ratlos. Es droht wie vor einem Jahr das Vorrunden-Aus und nach der Olympia-Enttäuschung von Mailand mit allen NHL-Stars um Leon Draisaitl das dritte unbefriedigende Turnier in Folge.

"Drei Minuten 30 haben uns das Spiel gekostet"

"Ich glaube, die Mannschaft macht alles, was sie kann, um erfolgreiches Eishockey zu spielen", behauptete Kreis nach der Schweiz-Klatsche, die viele Fragen aufwarf. Wie war der totale Einbruch im zweiten Drittel nach gutem Start möglich? "Drei Minuten 30 haben uns das Spiel gekostet", sagte Seider mit Blick auf die ersten drei Gegentore, "dann sind wir schnell kollabiert."

DEB-Sportvorstand Christian Künast stellte bei MagentaTV erschrocken fest: "Wenn eine kleine Sache nicht passt, dann bricht gleich das Kartenhaus zusammen." Er glaube nicht, dass "irgendwelche Art von Training irgendwas bewirken kann". Die Baustellen sind so zahlreich, dass man den Überblick verliert. "Wir müssen einfach alles besser machen", sagte Tiffels nach seinem 100. Länderspiel, "ob es das Powerplay oder das Unterzahlspiel ist, der Aufbau, die Passqualität."

Wo ist der Killerinstinkt?

Nach nur zwei Toren in 180 WM-Minuten, keinem einzigen eigenen Treffer, aber einem Gegentor in 18 Minuten Powerplay, schon fünf Gegentreffern in Unterzahl, somit einer Ausbeute von 0:6 in den "Special Teams" stellt sich auch die Frage nach der Qualität und dem Personal. "Es fehlen natürlich einige Topspieler mit viel Qualität", sagte Tiffels mit Blick auf die zahlreichen prominenten Absagen. Seider vermisst vor allem eines: "Dieser Killerinstinkt, der muss kommen."

Defensive Rollen im Sturm sind doppelt besetzt, echte Torjäger und kreative Angreifer dagegen rar. Den Kölner Dominik Bokk vor dem WM-Start aus Zürich wieder nach Hause zu schicken und den Schwenninger Alexander Karachun nach der Generalprobe zu streichen - und somit auf zwei der vier besten deutschen Torschützen der DEL-Saison zu verzichten, fällt dem Bundestrainer jetzt auf die Füße.

Quelle: ntv.de, tno/sid

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