Die Vorfreude auf die Basketball-WM der Frauen in Berlin ist groß. Für das Turnier vom 4. bis 13. September sind bereits mehr als 160.000 Tickets verkauft. Dem deutschen Nationalteam soll der Heimvorteil dabei helfen, im Kampf um die Medaillen ein Wörtchen mitzureden. Einfach wird das nicht. An den USA führt im Kampf um Gold wie so oft kaum ein Weg vorbei. Aber auch Belgien, Spanien, Australien und Frankreich zählen zu den Favoriten des Turniers.
Ausgerechnet vor dem Heimturnier muss Bundestrainer Olaf Lange allerdings auf einen seiner größten Stars verzichten. Satou Sabally, dreimalige Allstar-Spielerin in der US-Profiliga WNBA, fällt verletzt aus. Umso größer dürfte die Erleichterung sein, dass mit Leonie Fiebich eine andere deutsche Leistungsträgerin rechtzeitig zurück ist.
Nach zwei Monaten Verletzungspause feierte die 26-Jährige am vergangenen Samstag ein starkes Comeback. In der WNBA erzielte Fiebich 20 Punkte und führte die New York Liberty damit zu einem 109:102-Sieg gegen Indiana Fever. Zudem gelangen ihr fünf Assists und fünf Rebounds.
"Ich bin einfach nur total froh, wieder auf dem Platz zu stehen", sagte die 26-Jährige nach der Partie. Wegen Problemen am linken Knöchel hatte Fiebich seit Anfang Juli gefehlt.
"Werde auf jeden Fall spielen"
Dass sie bei der Heim-WM spielen wird, stand für Fiebich trotz der langen Pause nie infrage. Sie werde "auf jeden Fall spielen", hatte sie erst vergangene Woche mit Blick auf das Turnier angekündigt - auch wenn sie noch nicht wisse, "ob ich zu hundert Prozent im vollen Saft stehen werde".
Gegen Indiana stand sie direkt wieder 34 Minuten auf dem Feld und zeigte, warum sie bei der Heim-WM eine Schlüsselrolle einnehmen soll. Tausende Kilometer entfernt freut sich der Bundestrainer auf die Rückkehr seiner wichtigsten Spielerin: "Das ist schon hell of a Comeback", sagte Olaf Lange nach der 62:68 Testspiel-Niederlage gegen Ungarn. Wie schon bei der knappen Niederlage gegen Spanien vor einer Woche tat sich das Nationalteam vor allem offensiv wieder sehr schwer. Mit ihren 20 Punkten gegen Indiana zeigte Fiebich, dass sie genau dort wichtige Akzente setzen kann.
"Sie tut wirklich alles ..."
Dass Fiebich heute zu Deutschlands Schlüsselspielerinnen gehört, hat sie sich über Jahre erarbeitet. Bereits 2020 wurde sie von den Los Angeles Sparks an 22. Stelle gedraftet. Für LA spielte sie allerdings nie. Stattdessen führte ihr Weg zunächst über Frankreich und Spanien. In Spanien wurde Fiebich zweimal in Folge als wertvollste Spielerin (MVP) der Liga ausgezeichnet. 2024 führte ihr Weg schließlich zurück in die USA zu New York Liberty.
Dort machte Fiebich vor allem mit ihrer Flexibilität schnell auf sich aufmerksam. Egal ob von der Dreierlinie, aus der Mitteldistanz oder unter dem Korb: Fiebich trifft zuverlässig. Am Ende ihrer ersten Saison wurde sie ins All-Rookie-Team gewählt und gehörte damit zu den fünf besten Neulingen der Liga. Mit New York gewann sie in ihrer Debütsaison zudem direkt die WNBA-Meisterschaft. Wie wichtig Fiebich für New York geworden ist, zeigt auch das Lob von Teamkollegin Breanna Stewart: "Sie tut wirklich alles, damit ihr Team eine Chance hat, zu gewinnen."
Wenig Zeit
Mittlerweile ist Fiebich längst eine feste Größe in der stärksten Liga der Welt und im Nationalteam. Viel Zeit zur Vorbereitung mit dem deutschen WM-Aufgebot bleibt der 26-Jährigen allerdings nicht: Mit New York bestreitet sie am 29. August ihr letztes WNBA-Spiel und reist anschließend zur Nationalmannschaft. Bereits am 4. September wartet mit Vize-Europameister Spanien der erste WM-Gegner.
Neben Fiebich wird auch Frieda Bühner (Portland Fire) noch zur Mannschaft stoßen. Ob Nyara Sabally ebenfalls dabei sein kann, ist dagegen unklar. Die Spielerin von Toronto Tempo hat derzeit mit einer Wadenverletzung zu kämpfen.
Bei der Heim-WM trifft Deutschland in der Vorrunde auf Spanien, Japan und Mali. Der Gruppensieger qualifiziert sich direkt für das Viertelfinale. Platz Zwei und Drei müssen eine weitere Qualifikationsrunde spielen.


