Ansage von "höchster Stelle"

Dinosaurier der Boxpromoter prophezeit Rückzug Saudi-Arabiens

imageVon Martin Armbruster
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Bob Arum - hier 2019 mit Tyson Fury (l.) - mischt seit den 1970er Jahren im Boxgeschäft mit. (Foto: imago images / Ed Gar)
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23.10.2026 | 15:06 Uhr
Mit wahnwitzigen Millionen-Spritzen avanciert Saudi-Arabien zum Mekka des Boxens. In Zeiten, in denen das Königreich sein Sport-Engagement zurückfährt, gilt der Faustkampf noch als Bastion. Eine Promoter-Legende sieht allerdings auch hier das Ende erreicht.

Die Zeche für die langersehnte Battle of Britain zwischen den Schwergewichts-Stars Tyson Fury und Anthony Joshua zahlt Saudi-Arabien. Rund 100 Millionen Pfund (118 Mio. Euro) sollen die englischen Box-Giganten für das Duell am 11. Dezember in Cardiff pro Nase kassieren. Der saudische Boxmogul Turki Al-Sheikh hat geschafft, woran Promoter, Manager und sonstige Strippenzieher ein Jahrzehnt gescheitert waren: Er bekommt Fury und Joshua endlich in den Ring - dank der Dollars aus dem Public Investment Funds (PIF), mit dem das Königreich sein vielfältiges Engagement im Sport kanalisiert. Al-Sheikh ist zu Hofe Chef der General Entertainment Authority und als solcher Brot-und-Spiele-Minister von Kronprinz Mohammed Bin Salman.

Fury gegen Joshua ist der Höhepunkt einer Serie von Box-Blockbustern, die Al-Sheikh und Co. hochgezogen haben. Zuvor gingen mehrere Spektakel in Riad über die Bühne, etwa die zwei Duelle Furys mit Schwergewichts-König Oleksandr Usyk im Jahr 2024. Al-Sheikh überzeugt seine "Klienten" derart, dass der mexikanische Superstar Canelo Alvarez trotz aller Kriegswarnungen am 31. Oktober unbeirrt in Riad antreten möchte.

Die Saudis haben im Boxsport - neben den ganz dicken Dingern - zudem den Versuch gestartet, im "Alltagsgeschäft" Fuß zu fassen, vor allem in den USA. Zusammen mit MMA-Pate Dana White hoben Al-Sheikh und seine Partner die Box-Liga "Zuffa" aus der Taufe. Das Ziel: Ein Boxmonopol nach Vorbild von Whites Käfigkampfserie UFC schaffen, etablierte Promoter vom Markt verdrängen, die unzähligen Boxverbände und ihre noch unzähligeren Titel bedeutungslos machen.

Saudi-Arabien dreht Geldhähne zu

Nun ist das saudische Projekt Sport-Projekt - Kritiker und Menschenrechtler sagen Sportswashing-Projekt - allerdings massiv bedroht. Konkret durch den Krieg am Persischen Golf. Erst vor zwei Wochen kamen bei einem Angriff der vom Iran gesponserten Huthi-Miliz aus dem Jemen auf den Flughafen Riad zwölf Menschen ums Leben. "Saudi-Arabien will sich ja als starke Großmacht mit finanziellen Möglichkeiten, aber auch mit geopolitischer Stärke präsentieren - und das gelingt im Augenblick nicht", konstatierte Sportpolitik-Experte Jürgen Mittag im Gespräch mit dem Sportinformationsdienst.

Die saudischen Organisatoren haben ob der fragilen Sicherheitslage zahlreiche Sportereignisse abgesagt, darunter das Six Kings Slam, bei dem der deutsche Tennis-Star Alexander Zverev aufschlagen sollte. Einzig Canelos Kampf um den Supermittelgewichts-Titel Ende des Monats in der Kingdom Arena der Hauptstadt ist nach wie vor "on Schedule".

Schon vor den jüngsten Eskalationen hatte Saudi-Arabien sein Sport-Engagement drastisch dosiert. Der Gold-Tour LIV drehten die Saudis den Geldhahn zu, wodurch die Serie pleite ging. Ihr Public konzentrieren die Macher aus Riad vor allem auf Großereignisse wie die Fußball-WM 2034. Auch der Boxsport schien gesetzt - jedenfalls, was Großereignisse à la Fury vs. Joshua angeht. Für den Nebenzweig Zuffa gilt dies womöglich nicht. Erst vor wenigen Tagen verließ mit dem amerikanischen Leichtgewichtler Shakur Stevenson das vielleicht beste Pferd im Stall die mit hochtrabenden Zielen galoppierende Box-Liga - und das, ohne auch nur einen Kampf unter Zuffa-Banner bestritten zu haben.

"Ihr müsst eure Ausgaben zurückfahren"

Promoter-Urgestein Bob Arum hält einen Kollaps der Faustkampfserie ohne weiteres für denkbar. "Zuffa hat gehofft, mit saudischem Geld, sein Vorhaben umzusetzen. Die Saudis haben viel Geld in den Sport gepumpt und Zuffa eine Zeit lang unterstützt. Dadurch fühlte sich Zuffa ermutigt, guten Boxern wie Shakur Stevenson hohe Summen anzubieten", erläuterte der 94-Jährige im Interview mit "Fight Hub". Jetzt hätten Al-Sheikh und Co. "offenbar von höchster Stelle die Ansage bekommen: 'Dieses Geld wird nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen. Ihr müsst eure Ausgaben zurückfahren.' Oder es gibt überhaupt kein Geld mehr - ich weiß nicht, was man ihnen genau gesagt hat."

Es sei "offensichtlich", dass sich die Saudis aus dem Boxen "zurückziehen", sagte Arum, der seit den Tagen Muhammad Alis im Geschäft ist. "Und wer weiß, ob sie sich nach diesem Jahr überhaupt noch im Boxsport engagieren werden." Höre die saudische Quelle auf zu sprudeln, "wird Zuffa nicht sein eigenes Geld ausgeben, um Kämpfe zu veranstalten", dozierte der "Bobfather": " Schließlich hat das Unternehmen seinen Aktionären angekündigt, genau das nicht zu tun. Sollten sie nun doch damit anfangen, würden sie sich einer erheblichen Klage seitens ihrer Aktionäre aussetzen."

Zuffa müsse nun beweisen, "dass sie Kämpfe mit einem begrenzten Budget auf die Beine stellen können, das sich an der wirtschaftlichen Tragfähigkeit des jeweiligen Kampfes orientiert - und nicht an dem Geld, das jemand von außen hineinpumpt", sagte Arum. Ein "Geschäftsmodell" ohne die "riesige Summen" eines außenstehenden Investors? Zuffa wäre dann das, was es nie sein wollte und sollte: ein handelsüblicher Boxpromoter.

Verwendete Quelle: ntv.de