Sport

Anklage wegen Körperverletzung Ex-Boxer Sturm muss Haftstrafe fürchten

imago22982605h.jpg

Felix Sturm könnte für mehrere Jahre im Gefängnis landen.

(Foto: imago/Sven Simon)

Vor zwei Jahren wird der frühere Boxweltmeister Felix Sturm des Dopings überführt. Nun klagt ihn die Staatsanwaltschaft Köln auch wegen gefährlicher Körperverletzung an. Damit betritt sie juristisches Neuland. Die Boxszene reagiert reflexartig empört.

Eigentlich gehört Körperverletzung zum Boxen dazu. Doch die Staatsanwaltschaft Köln sieht das im Fall von Felix Sturm anders und sorgt damit für Aufregung. Der 39 Jahre alte Profi habe mit seinem Dopingvergehen im WM-Kampf gegen den Russen Fjodor Tschudinow 2016 die zulässigen Grenzen überschritten und müsse neben Selbstdoping und Teilnahme an einem Wettbewerb unter Dopingeinfluss auch wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt werden.

imago22982603h.jpg

Fjodor Tschudinow habe es mit einem unfairen Gegner zu tun gehabt, so die Begründung der Anklage.

(Foto: imago/Sven Simon)

Tschudinow habe dem Kampf zugestimmt, weil er von einer Chancengleichheit ausgegangen sei. Die sei durch Sturms Doping aber nicht mehr gegeben, argumentierte die Behörde. Sturm könne nun eine Stellungnahme abgeben, danach entscheidet die Kammer, ob und mit welchen Anklagepunkten sie das Hauptverfahren eröffnet. Offenbar erhofft sich die Staatsanwaltschaft eine härtere Bestrafung.

Während bei Selbstdoping das Strafmaß von einer Geldstrafe bis zu drei Jahren Freiheitsentzug reicht, droht Sturm im Falle einer Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren. Die Nationale Anti-Doping Agentur Nada freute sich über die Entscheidung der Staatsanwaltschaft. "Wir haben den Fall 2017 selbst zur Anzeige gebracht. Es liegt doch nahe, dass endlich geprüft wird, ob in so einem Fall eine gefährliche Körperverletzung vorliegt", sagte Nada-Vorstandsmitglied Lars Mortsiefer.

Präsident Thomas Pütz vom Bund Deutscher Berufsboxer hingegen sagte: "Das ist absurd, so etwas habe ich noch nicht gehört. Ich bin dafür, dass man Doping hart bestraft, klar. Aber daraus eine Körperverletzung zu konstruieren, halte ich schon für sehr gewagt." Er befürchtet, die Anklage könnte Schule machen. "Wahrscheinlich wollen sie demnächst auch Manuel Charr wegen gefährlicher Körperverletzung drankriegen."

Und wie wird Manuel Charr bestraft?

Der Fall Charr sorgt seit Wochen für Schlagzeilen. Mitte September war bekannt geworden, dass beim Schwergewichts-Weltmeister aus Köln im Rahmen einer Trainingskontrolle die Einnahme der Anabolika Epitrenbolon und Drostanolon nachgewiesen worden war. Der WM-Kampf gegen Fres Oquendo aus Puerto Rico musste abgesagt werden. Seitdem prägen widersprüchliche Aussagen Charrs und Hinweise auf Verfahrensfehler das Verfahren.

Noch immer ist nicht klar, wie der Weltverband WBA Charr sanktionieren wird. "Ich habe vor drei Wochen ein Schreiben von der WBA erhalten, dass Manuel Charr für sechs Monate gesperrt wird", sagte Pütz. Ob Charr den WM-Gürtel behalten darf, ginge aus dem Brief nicht hervor, sei aber "eigentlich nicht vorstellbar".

Charrs Promoter Bernd Trendelkamp widersprach. "Wir haben nichts Neues von der WBA erfahren, schon gar nichts zum Gürtel." Ein drei Wochen altes Schreiben des Verbandes schätze er als "nicht offiziell ein. Wir haben trotzdem prophylaktisch Widerspruch eingelegt". Sollte das Dopingvergehen bestätigt werden, könnte die Staatsanwaltschaft wieder prüfen, ob gefährliche Körperverletzung vorliegt. Allerdings war Charrs Probe offenbar nicht direkt vor oder nach einem Kampf genommen worden. Das könnte ihn entlasten.

Quelle: ntv.de, Nikolaj Stobbe, sid

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen