"Vater hat so laut geschrien"

Famoses Ventoux-Solo katapultiert Polin zu Tour-Gelb

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Erstmals erklimmt die Tour de France der Frauen den Mont Ventoux, sie darf sich die erste Siegerin dort nennen: Kasia Niewiadoma-Phinney. (Foto: REUTERS)
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07.08.2026 | 18:36 Uhr
Der Mont Ventoux ist ein Mythos der Radsportgeschichte. Erstmals fahren dort auch die Frauen mit der Tour de France hinauf. In der Gluthitze gelingt vor allem einer ein bemerkenswerter Aufstieg. Mit ihrem Solo sichert sich Kasia Niewiadoma-Phinney das Gelbe Trikot.

Die Polin Kasia Niewiadoma-Phinney hat in der Gluthitze am Mont Ventoux die Königsetappe der Tour de France der Frauen gewonnen und das Gelbe Trikot erobert. Die Gesamtsiegerin von 2024 kam am kahlen Gipfel im Herzen der Provence klar vor ihren Rivalinnen Demi Vollering (+1:16 Minuten) und der zuvor führenden Marlen Reusser (+1:46) ins Ziel und macht einen Schritt auf ihren zweiten Gesamtsieg zu. Die Rosenheimerin Antonia Niedermaier überzeugte als Sechste erneut und behält nach sieben von neun Tagen das Weiße Trikot.

Auf dem 15,6 Kilometer langen und im Schnitt 8,8 Prozent steilen Schlussanstieg kam es zum erwarteten Showdown. Niewiadoma-Phinney ließ zehn Kilometer vor dem Ziel die in der Gesamtwertung vor ihr liegenden Reusser (Schweiz/Movistar) und Vollering (Niederlande/FDJ United-Suez) stehen und holte sich überlegen den ersten Tour-Etappensieg ihrer Karriere. Im Gesamtklassement liegt Niewiadoma-Phinney (Canyon/SRAM) nun 15 Sekunden vor Vollering und 39 Sekunden vor Reusser.

"Ich bin sprachlos und dankbar", sagte Kasia Niewiadoma-Phinney im Ziel: "Ich habe unterwegs irgendwann nach rechts geschaut und meine Eltern gesehen, sie sind spontan gekommen. Mein Vater hat so laut geschrien - ich wollte sie einfach stolz machen."

Lippert lässt abreißen

Zum ersten Mal gehörte der Mont Ventoux, der auch als "kahler Riese" bezeichnet wird, zum Programm der Frauen-Tour. Ob der tragische Tod von Tom Simpson 1967 oder der panische Sprint des viermaligen Tour-Champions Chris Froome 2016, als er wegen seines defekten Rads nicht weiterfahren konnte: Der Mont Ventoux - ein um den Gipfel karger Kalksteinriese - zählt zu den markantesten und geschichtsträchtigsten Bergen im Radsport. Bei dem Aufstieg machte auch Niedermaier eine starke Figur. Die Rosenheimerin hielt lange den Anschluss zu den drei Topfahrerinnen und hatte im Ziel einen Rückstand von 1:48 Minuten.

Bei Temperaturen von bis zu 35 Grad hatten zunächst mehrere Ausreißerinnen ihr Glück versucht, kurz vor der Anfahrt zum Ventoux waren noch neun übrig geblieben. Als 16 Kilometer vor Schluss aber die Qual begann, rauschte das Peloton mit allen Favoritinnen von hinten heran und das Rennen begann von neu. Viele Fahrerinnen ließen schon früh abreißen - darunter auch die dreimalige deutsche Meisterin Liane Lippert, die am Donnerstag als Sechste überzeugt hatte.

Schon vor dem Start hatte eine weitere prominente Fahrerin die Segel gestrichen. Die Niederländerin Anna van der Breggen, Olympiasiegerin 2016 auf der Straße, verzichtete nach einer insgesamt enttäuschenden Tour auf die Schinderei. Die 36-Jährige lag in der Gesamtwertung als 28. hinter den eigenen Erwartungen zurück.

Die fünfte Ausgabe der Frauen-Tour endet am Sonntag mit dem neunten Teilstück an der Mittelmeerküste in Nizza. Zuvor führt am Samstag die 8. Etappe über 171,9 Kilometer von Sisteron nach Nizza.

Verwendete Quellen: ntv.de, ses/sid/dpa