Beim deutschen Rennstahl Red Bull-Bora-Hansgrohe fliegen bereits nach der sechsten Tour-Etappe die Fetzen. Der belgische Radstar Remco Evenepoel ist massiv verärgert über den Auftritt seines gleichberechtigten Co-Kapitäns Florian Lipowitz auf der ersten Pyrenäen-Etappe. "Ich habe ihn gebeten, dass er für mich anfährt und das hat er nicht", sagte Evenepoel der belgischen Sportseite Sporza über eine Situation kurz vor dem Ziel in Gavarnie-Gèdre, wo Evenepoel den Zielsprint gegen den Teamkollegen von Tadej Pogačar, Isaac del Toro, verlor und nur Platz vier belegte
Evenepoel wirft Lipowitz fehlende Kollegialität vor. "Ja, ich war sauer - und zwar zu Recht. Bei der Katalonien-Rundfahrt bin ich 30 Kilometer lang für ihn an der Spitze gefahren. Ich habe um einen Kilometer Führungsarbeit gebeten, aber das ging nicht. Das hat mich geärgert, und das ist etwas, das wir heute Abend gründlich besprechen müssen", so der Doppel-Olympiasieger.
Am Anstieg zum Col de Tourmalet hatte Evenepoel mit Lipowitz und dem französischen Wunderkind Paul Seixas nicht mithalten können, während Tour-Dominator Tadej Pogačar und der dänische Herausforderer Jonas Vingegaard bei dem Anstieg bereits einen Vorsprung herausfuhren. Evenepoel verlor hier auf seinen Teamkollegen Lipowitz bereits rund 20 Sekunden. Der Deutsche ist erwartungsgemäß im Hochgebirge stärker als der Belgier. In der anschließenden langen Abfahrt konnte Evenepoel jedoch wieder zur Gruppe um Lipowitz und Seixas aufschließen.
Die acht Fahrer starke Gruppe nahm anschließend die Verfolgungsjagd auf den zweitplatzierten Jonas Vingegaard auf, der zeitweise bereits eine knappe Minute Vorsprung hatte. Am Ende fehlten Evenepoel und Co. noch knapp 19 Sekunden auf den zweifachen Tour-de-France-Sieger.
Pogacar liefert in Pyrenäen ganz große Show

Diesen hätten sie bei einer besseren Zusammenarbeit in der Gruppe sicherlich aufholen können. Pogačar hingegen bewegte sich auf seinem ganz eigenen Level und war mit drei Minuten Vorsprung völlig unerreichbar für die Konkurrenz.
Lipowitz selbst war mit der Zusammenarbeit mit Evenepoel zufrieden. Diese habe gut geklappt, erklärte die deutsche Tour-Hoffnung. "Ich glaube, wir können zuversichtlich sein."
Evenepoel kritisierte nach dem Rennen aber nicht nur seinen Co-Kapitän, auch andere Fahrer der Gruppe beteiligten sich nicht den Erwartungen des Belgiers entsprechend an der Führungsarbeit. "Ich verstehe, warum Del Toro und Sepp Kuss nicht mitgefahren sind, aber Lidl-Trek war nur mit diesen beiden vertreten, und sie wollten nicht sofort losfahren", so Evenepoel. Del Toro und Kuss hatten als Teamkollegen von Pogacar und Vingegaard aus offensichtlichen Gründen kein Interesse daran, Führungsarbeit zu leisten.
Lidl-Trek war mit Juan Ayuso und Mattias Skjelmose in der Gruppe vertreten. "Ich dachte mir: 'Was hast du schon zu verlieren? Wenn wir zusammenarbeiten, kommen wir vielleicht an Jonas ran.' Aber ein paar Fahrer wollten wieder das Tempo verschleppen", so Evenepoel. In den nächsten Tagen dürfte es bei Flachetappen keine weiteren entsprechenden Auseinandersetzungen geben. Doch spätestens, wenn es in die entscheidenden Phasen in den Alpen geht, dann könnte der Konflikt wieder aufbrechen.
