Der niederländische Radprofi Olav Kooij hat die fünfte Etappe der 113. Tour de France gewonnen. Der 24-Jährige vom Team Decathlon-CMA CGM setzte sich im ersten Massensprint der laufenden Tour nach 158,3 km in Pau vor dem Cottbuser Max Kanter und Tim Merlier durch. Das Gelbe Trikot des Gesamtführenden verteidigte der Norweger Torstein Träen.
Für Kanter (XDS Astana) ist es bei seinem Tour-Debüt ein großer Erfolg in Pau, wo der deutsche Rekord-Etappengewinner Marcel Kittel 2017 seinen 14. und letzten Etappensieg gefeiert hatte. Pascal Ackermann (Kandel/Jayco-AlUla) und Phil Bauhaus (Bocholt/Bahrain Victorious) an seinem 32. Geburtstag verpassten die Top Ten.
"Es war ziemlich nervös im Feld", sagte Kanter, der zuvor auch beim Zwischensprint geglänzt hatte, in der ARD. "Jeder wollte vorne fahren, dadurch ist es halt extrem stressig gewesen. Jeder wollte in der richtigen Position sein." Kanter selbst gelang das hervorragend. "Wir wollten versuchen, relativ lange zu warten und dann nach vorne zu kommen. Das hat ganz gut funktioniert, aber Kooij kommt einfach mit mehr Speed von hinten", analysierte er den Zielsprint. Der Erfolg sei "definitiv" ein Schub, sagte Kanter: "Ich habe ein gutes Team an meiner Seite, großes Vertrauen in meine Jungs und ich habe einen guten Sprint. Wenn alles zusammenkommt, kann ich auch eine Etappe gewinnen."
Auf der ersten von nur fünf Etappen, bei denen sich die "reinen" Sprinter Siegchancen ausrechnen dürfen, ließen es die Topfavoriten gemütlich angehen. Titelverteidiger Tadej Pogacar rollte wie sein Rivale Jonas Vingegaard mit dem Feld ins Ziel. Der Norweger Träen, der am Dienstag ins Gelbe Trikot gestürmt war, verteidigte gemeinsam mit seinem Team problemlos den Spitzenplatz in der Gesamtwertung. Ihn trennen weiter 7:53 Minuten vom derzeit viertplatzierten Pogacar. In der Schlussphase kamen gleich mehrere Fahrer zu Fall und brachten zusätzliche Hektik ins Feld, die Topfahrer waren aber nicht betroffen.
Tour-de-France Mythos Tourmalet wartet
"Heute geht das Kribbeln im Bauch los, heute kommt das Tour-de-France-Feeling auf", hatte Pascal Ackermann vor Etappenstart in der ARD gesagt, während auch Phil Bauhaus an seinem 32. Geburtstag ein spannendes Finale voraussagte: "Ich fühle mich gut, heute wird das erste Mal richtig hektisch und eng zugehen", sagte der Bocholter.
Zunächst aber war wenig los. Bei erneut großer Hitze ließ es das Peloton auf den 158,3 weitgehend flachen Kilometern ruhig angehen. Auch die frühe Attacke des Franzosen Baptiste Veistroffe schien kaum einen Fahrer zu interessieren - und so sollte der Mann von Lotto Intermarché lange Zeit den Alleinunterhalter an der Spitze geben.
Spannend wurde es erst bei der Sprintwertung rund 45 km vor dem Ziel, bei der sich Kanter überraschend den zweiten Platz hinter Veistroffe erspurtete. Das aussichtslose Unterfangen des Führenden, der zwischenzeitlich von einer Verfolgergruppe gejagt wurde, endete schließlich 15 km vor dem Ziel, weil die Teams der endschnellen Männer nach einem lange langatmigen Nachmittag nun ernst machten.
Immerhin: Am Donnerstag wird es nicht erst am Ende spektakulär werden - auf der sechsten Etappe, dem einzig echten Pyrenäen-Stück wartet das erste ganz große Highlight der Tour. Es stehen mit dem Col d'Aspin und dem Tourmalet zwei legendäre Giganten auf dem Programm. Die Entscheidung um den Tagessieg, um den auch die Favoriten kämpfen könnten, fällt am nur wenig steilen Schlussanstieg zum Felsenkessel Cirque de Gavarnie.
