Emma Aicher jubelte bereits, als sie im Ziel war, nur wenige Minuten später strahlte sie erst recht über das ganze Gesicht: Erstes Rennen, erstes Podium - beim Weltcup-Auftakt im österreichischen Sölden gelang der Alleskönnerin ein unerwarteter Traumstart in die neue Saison. Auf dem schwierigen Hang am Rettenbachgletscher erreichte die 22-Jährige den dritten Rang - sie war damit so gut wie nie in ihrer bislang schwächsten Disziplin.
"Sehr überraschend ist das, das hätte ich gar nicht erwartet", gab Aicher bei leichtem Schneefall im Ziel zu. Tatsächlich aber gelang ihr nach einem starken ersten Lauf ein noch besserer zweiter, damit schob sie sich vom neunten Platz noch auf das Podest neben Paula Moltzan (USA), die mit nur 0,01 Sekunde Vorsprung vor Lara Colturi (Albanien) erstmals im Weltcup gewann. "Wahnsinn, einfach stark", sagte ARD-Experte Felix Neureuther.
Während Mikaela Shiffrin (USA) im Finale bei widrigsten Bedingungen noch vom ersten auf den siebten Platz zurückfiel, passte bei ihrer größten Konkurrentin im Kampf um den Gesamtweltcup alles: "Ich hatte auch Glück mit dem Licht im zweiten Lauf", sagte Aicher, die deshalb im tückischen Steilhang gute Sicht auf einer zudem bestens präparierten Piste hatte. "Ich versuche einfach nur gut Ski zu fahren, im Moment geht das ganz gut", sagte sie.
Dürr noch nicht in Schwung
Aicher stand in Sölden zum 14. Mal in ihrer Karriere auf dem Podest - angesichts ihrer bestechenden Form schon zu einem so frühen Zeitpunkt auch nicht zum letzten Mal. In den kommenden beiden Rennen gehört die zweifache Olympia-Zweite ebenfalls zu den Anwärterinnen auf die ersten drei Plätze: Im Kalender stehen die Slaloms in Levi/Finnland (14.11.) und Gurgl/Österreich (21.11.) - Shiffrin hat angekündigt, beide auszulassen. Aicher will alle 40 Saisonrennen fahren - dazu kommt die WM in Crans-Montana (1. bis 14. Februar 2027)
In Levi will auch Lena Dürr in Schwung kommen. Platz 22 zum Auftakt war ganz und gar nicht nach ihren Vorstellungen. "Im Steilhang war es einfach zu wenig heute, ich bin nicht zufrieden", sagte sie über ihre zu verzagten Fahrten. "Ich hoffe", ergänzte sie, "dass ich in den nächsten Wochen einen Schritt nach vorne machen kann." Gelungen ist dies schon Abfahrerin Kira Weidle-Winkelmann: In ihrem erst zweiten Riesenslalom fuhr sie als 26. in die Punkte - "das fühlt sich", sagte sie, "ein bisschen surreal an."
