Bayern-Star muss bei WM-Generalprobe zugucken - und sieht Dämpfer
Unter den Augen des noch angeschlagenen Starspielers Alphonso Davies hat Kanada bei seiner WM-Generalprobe einen Dämpfer hinnehmen müssen. In der Nacht zu Samstag kam der verletzungsgeplagte Co-Gastgeber in Montreal trotz klarer Überlegenheit nur zu einem 1:1 (1:0) gegen Irland. In sechs Tagen trifft das Team des früheren Bundesligatrainers Jesse Marsch zum WM-Auftakt in Toronto auf Bosnien und Herzegowina (12. Juni, 21 Uhr).
Die Kanadier dominierten die Partie über weite Strecken und gingen durch ein Eigentor von Jake O'Brien in Führung (23.). Irland, das die WM-Qualifikation verpasst hatte, glich durch Chiedozie Ogbene aus (60.). "Tore machen den Unterschied, ebenso wie Fehler, also müssen wir einfach ein paar Dinge verbessern", sagte Marsch, der insgesamt dennoch eine "gute Leistung" sah.
Vor dem WM-Start bleiben jedoch einige Fragezeichen: Die Rückkehr von Kapitän Davies steht noch aus. Der Münchner hatte sich Anfang Mai am Oberschenkel verletzt und arbeitet derzeit im kanadischen Lager an seinem Comeback. Beim jüngsten 2:0-Erfolg gegen Usbekistan war auch Abwehrchef Moise Bombito vom Feld gehumpelt. Auch er musste gegen Irland zusehen, man werde "geduldig" mit ihm sein, sagte Marsch und ihn "Schritt für Schritt" wieder heranführen.
Neuers Kaltstart bringt Nagelsmann nicht ins Schwitzen
Bundestrainer Julian Nagelsmann blickt dem WM-Kaltstart von Torhüter Manuel Neuer gelassen entgegen. "Es hätte auch anders laufen können, dass er früher zurückkommt", sagte Nagelsmann zwar. "Aber Manu hat schon so viele Momente erlebt. Er braucht nicht viele Testspiele, um seinen Rhythmus zu finden."
Der Rückkehrer in die Nationalmannschaft hat vor drei Wochen eine Wadenverletzung erlitten und fällt auch für die WM-Generalprobe am Samstag (ab 19.05 Uhr, LIVE bei RTL) in Chicago gegen die USA aus. Für Nagelsmann ist die fehlende Spielpraxis vor dem Turnier-Auftakt am 14. Juni in Houston gegen Außenseiter Curacao kein Problem. "Er muss sich in seinem Alter nicht eingewöhnen. Er kommt mit einer Drucksituation klar", sagte Nagelsmann. Neuer soll in der kommenden Woche endlich ins Mannschaftstraining einsteigen. "Er ist auf dem Weg zu bester Fitness", versicherte Nagelsmann.
Zverev: Ausgeruhter Gegner macht keinen "großen Unterschied"
Dass sein Finalgegner von Paris ausgeruht ins Match geht, bringt Alexander Zverev nicht aus der Ruhe. "Nicht wirklich" ein Vorteil sei der kampflose Einzug ins Finale der French Open für seinen italienischen Gegner Flavio Cobolli, sagte Zverev: "Denn mir geht es gut. Ich hatte keine extrem langen Matches. Ehrlich gesagt, könnte ich jetzt schon wieder spielen." Während Zverev sich in drei Stunden gegen Jakub Mensik in das Finale hatte arbeiten müssen, durfte sich Cobolli in der Runde der letzten vier schonen. Sein Landsmann Matteo Arnaldi konnte kurzfristig nicht zum ersten italienischen Halbfinale bei einem Grand Slam antreten, ein Virus bremste ihn aus.
"So stellt man sich ein Grand-Slam-Halbfinale nicht vor", sagte Zverev: "Aber ich habe Matteo auch in der Umkleidekabine gesehen, und er sah furchtbar aus. Ich verstehe das. Er kann nicht viel dagegen tun." So etwas komme vor, führte der Tokio-Olympiasieger weiter aus. "Wir sind alle nur Menschen. Wir wollen nicht, dass so etwas passiert, aber es passiert nun mal", sagte Zverev: "Ich glaube nicht, dass das am Sonntag einen großen Unterschied machen wird."
Das bittere Aus Arnaldis, der am Montag von Platz 104 auf Rang 34 der Weltrangliste klettern wird, war die nächste Wendung in einem verrückten Turnier an der Seine. Doch Zverev blieb auf dem Weg zum ersehnten ersten Grand-Slam-Titel bislang cool - und will nun gegen Cobolli den letzten Schritt gehen. "Ich habe mich auf meine Sachen konzentriert. Und das werde ich auch weiterhin tun", sagte der 29-Jährige. Natürlich sei es "ein sehr wildes Turnier" gewesen, meinte Zverev, "aber das Einzige, worauf ich Einfluss habe, ist mein nächstes Match. Und wer mein nächster Gegner ist. Alles andere kann ich nicht kontrollieren, werde ich nicht kontrollieren, will ich auch gar nicht kontrollieren."
DFB-Boss: Karl-Schock "drückt die Stimmung"
Nach dem WM-Aus von Lennart Karl hat DFB-Präsident Bernd Neuendorf von emotionalen Abschiedsszenen und Tränen im Teamhotel der Fußball-Nationalmannschaft berichtet. "Julian (Nagelsmann) war da, hat noch ein paar Worte gesagt, die ganze Mannschaft war da. Er hat auch noch ein paar Worte gefunden, obwohl ihm das schwergefallen ist. Er war extrem traurig, sind auch glaube ich schon ein paar Tränen geflossen", erzählte Neuendorf von der Zusammenkunft von Bundestrainer und DFB-Stars im Waldorf Astoria.
DFB-Boss Neuendorf berichtete von einem Dämpfer für die Atmosphäre im Team gut einer Woche vor dem WM-Auftakt am 14. Juni in Houston gegen Curaçao. "Das drückt so ein bisschen die Stimmung, muss man sagen. Er war ja wirklich die letzten Spiele top unterwegs und hat uns viel Freude gemacht", sagte der 64-Jährige über Karl.
Auch Rekordnationalspieler Lothar Matthäus reagierte betroffen. "Du freust dich darauf, du arbeitest dahin, das ist der Traum deiner Kindheit, vielleicht irgendwann mal bei der Weltmeisterschaft dabei zu sein. Und dann, wenn du gerade auch noch wie Lennart Karl in den Himmel geschossen bist nach acht, neun Monaten Profidasein", sagte Matthäus bei einem DFB-Sponsorentermin in Chicago. "Diesen Schock, den muss er auch vom Kopf her verarbeiten."
WM-Aus tut Karl "einfach unbeschreiblich weh"
Lennart Karl hat mit emotionalen Worten auf seinen geplatzten WM-Traum reagiert. "Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, aber es tut einfach unbeschreiblich weh, das größte Turnier verpassen zu müssen", schrieb der 18-Jährige auf Instagram. Karl hatte im Abschlusstraining vor dem letzten Test gegen die USA (ab 19.05 Uhr, LIVE bei RTL) in Chicago einen Muskelbündelriss erlitten und verpasst dadurch seine erste Weltmeisterschaft.
Für den Shootingstar des FC Bayern rückt Assan Ouédraogo von RB Leipzig ins Aufgebot von Bundestrainer Julian Nagelsmann. Er habe "alles dafür getan, um fit für die WM zu sein. Leider kommen Verletzungen oft zum unglücklichsten Zeitpunkt", schrieb Karl weiter. Der Offensivmann hatte sich seine Nominierung mit einer starken Debütsaison bei den Bayern und guten Auftritten bei seinem DFB-Debüt im März verdient.
Karl wird aus der Heimat mitfiebern: "Ich wünsche meinem Team maximalen Erfolg und unterstütze sie natürlich auch jede Minute." Seinen Beitrag, der ein Foto von ihm beinhaltete, in dem er sichtlich platt auf dem Rasen liegt, schloss er mit: "Komme stärker zurück, versprochen." Unter Karls Post auf Instagram sammelten sich schnell tausende Kommentare, darunter viele von deutschen Nationalspielern wie Jamal Musiala, Nick Woltemade oder Antonio Rüdiger, aber auch von Bayern-Kollegen wie Michael Olise und Dayot Upamecano oder dem Schweizer Granit Xhaka.