Fußball-WM

Die neuen Regeln beim TurnierWarum WM-Stars plötzlich weniger Schmerzen haben könnten

01.06.2026, 18:02 Uhr
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Wäre dies eine Szene von der WM, müsste Joshua Kimmich nach der Behandlung wahrscheinlich für eine Minute vom Spielfeld. (Foto: picture alliance / Bahho Kara/Kirchner-Media)

Zur Fußball-Weltmeisterschaft wird einiges anders als bislang etwa in der Bundesliga - auch für die Schiedsrichter. Welche Sekunden sie im Blick haben müssen, warum Spieler ihre Schmerzen überdenken werden und worauf sich Zuschauer einstellen müssen.

Zeitspiel wird genau kontrolliert

Der Torhüter spielt bereits jetzt mit der Stoppuhr im Kopf. Zumindest offiziell. Er darf den Ball nur acht Sekunden haben. Nun wird dieses Sekundenspiel auch bei Einwürfen und Abstößen angewandt. Hierbei muss eine Frist von fünf Sekunden vom Schiedsrichter sichtbar heruntergezählt werden. Wann der Unparteiische den Countdown startet, ist ihm überlassen. Wird gegen die Zeitregeln verstoßen, wechselt der Ballbesitz. Sollte ein Einwurf also zu lange verzögert werden, bekommt das gegnerische Team einen Einwurf. Wird der Abstoß zu lange nicht ausgeführt, erhält der Gegner einen Eckstoß.

Auch Auswechslungen werden zeitlich begrenzt. Langsam an den Spielfeldrand traben ist nicht mehr drin, Wechsel müssen innerhalb von zehn Sekunden abgeschlossen sein. Dauert es länger, muss der eingewechselte Spieler mindestens eine Minute oder bis zur nächsten Spielunterbrechung draußen bleiben.

Pause nach Behandlung ist Pflicht

Muss ein Spieler auf dem Feld behandelt werden, hat er anschließend für eine Minute das Spielfeld zu verlassen. Einerseits soll dies dem Schutz des verletzten Spielers dienen, andererseits sollen so unnötige Spielunterbrechungen verhindert werden. So manche Behandlungspause steht bekanntlich im Verdacht, eher unnötig zu sein und dem Zwecke der taktischen Pause zu dienen. Womöglich haben Spieler also plötzlich auf wundersame Weise weniger Schmerzen.

Es gibt aber Ausnahmen von der Pflicht: Der Spieler muss nicht pausieren, wenn die Behandlung nach einem Foul erfolgt, das mit Gelber oder Roter Karte geahndet wurde. Ausgenommen von dieser Regel sind zunächst die Torhüter, allerdings sind Tests angekündigt, ob Torhüter eine Verletzung vortäuschen könnten, um eine Spielunterbrechung zu erschinden.

Diskussionen nur mit sichtbarem Mund

Lippenleser könnten bei dieser WM ihre wahre Freude haben. Denn eine neue Regel verbietet es Spielern, in Auseinandersetzungen mit Gegenspielern ihren Mund zu verdecken. Passiert das doch, sollen sie mit der Roten Karte bestraft werden. Auslöser war die Aufregung um Gianluca Prestianni von Benfica Lissabon, der Vinicius Junior von Real Madrid im Playoff-Duell der Champions League rassistisch beleidigt haben soll und sich dabei das Trikot vor den Mund gezogen hatte. "Es muss vermutet werden, dass ein Spieler etwas gesagt hat, das er nicht hätte sagen dürfen - sonst hätte er seinen Mund nicht bedecken müssen", hatte FIFA-Präsident Gianni Infantino dazu gesagt. Eine Hinausstellung sei eine Maßnahme, "die wir ergreifen müssen, wenn wir es mit unserem Kampf gegen Rassismus ernst meinen".

Wer Spiel abbricht, verliert

Ebenfalls als Reaktion auf jüngste Ereignisse hat das IFAB zudem festgelegt, dass Strafen für Proteste eingeführt werden. "Nach Ermessen des Veranstalters kann der Schiedsrichter jeden Spieler, der aus Protest gegen eine Schiedsrichterentscheidung das Spielfeld verlässt, mit einer Roten Karte bestrafen", heißt es vom IFAB. Das wird ebenfalls angewendet für alle Offiziellen, die Spieler zum Verlassen des Spielfelds anstiften.

Im Finale des Afrika Cups zwischen Marokko und Senegal hatten Senegals Spieler nach einem späten Elfmeterpfiff für Marokko aus Protest zeitweise den Platz verlassen. Erst nach längerer Unterbrechung wurde die Partie fortgesetzt. Senegal gewann zwar nach Verlängerung auf dem Platz, später wurde dem Land der Titel aber vom Verband wieder aberkannt und Marokko zugesprochen.

Festgelegt ist jetzt: "Eine Mannschaft, die den Abbruch eines Spiels verursacht, verliert grundsätzlich das Spiel."

Gelbe Karten werden früher gelöscht

Einzelne Gelbe Karten werden sowohl nach der Vorrunde als auch nach dem Viertelfinale gestrichen. Ziel der Änderung ist es, die Gefahr von Sperren für Schlüsselspieler zu reduzieren. Denn durch die Erweiterung von 32 auf 48 Teams kommt eine weitere K.-o.-Runde - das Sechzehntelfinale mit den 32 Teams, die sich in ihren Gruppen behaupten konnten - im Turnierverlauf hinzu. Damit erhöht sich die Gefahr, dass Spieler gelbgesperrt aussetzen müssen. Ein Spieler wird nach zwei Gelben Karten für ein Spiel gesperrt.

Bislang waren die Karten lediglich nach dem Viertelfinale verfallen. Dies war eingeführt worden, um einen Fall wie den von Michael Ballack nicht zu wiederholen. Der frühere deutsche Nationalspieler fehlte bei der WM 2002 im Finale gegen Brasilien, weil er im Halbfinale gegen Südkorea zum zweiten Mal verwarnt worden war.

VAR hat mehr Befugnisse

Eckstöße, die direkt zum Tor führen, können künftig vom Videoassistenten überprüft werden. Das soll in Echtzeit erfolgen, um den Spielfluss möglichst wenig zu stören.

Spielerverwechslungen dürfen korrigiert werden, wenn ein Spieler der falschen Mannschaft bestraft wurde. Bislang war dies nur innerhalb eines Teams möglich.

Der Videoassistent darf eingreifen, wenn eine zweite Gelbe Karte - die zu Gelb-Rot führt - falsch gezeigt wurde. Bleibt ein berechtigter Platzverweis durch Gelb-Rot aus, darf der Videoassistent sich allerdings nicht einschalten. Bislang kann der VAR nur bei glatt Roter Karte einschreiten.

Wetter kann zu Endlos-Spielen führen

Wer die Klub-WM im vergangenen Jahr verfolgt hat, weiß bereits über eine spezielle US-Regel Bescheid: Bei Gewitterwarnungen dürfen die Partien nicht fortgesetzt werden. Sobald in den USA bei einer Sportveranstaltung im Radius von 13 Kilometern um den Austragungsort Blitzgefahr besteht, müssen sich alle Personen vor einem potenziellen Einschlag in Sicherheit bringen. Die Spiele dürfen erst weitergeführt werden, wenn das Gewitter weitergezogen ist und innerhalb von 30 Minuten kein Blitz oder Donner im entsprechenden Radius mehr registriert wird.

Sollte es in der Wartezeit trotzdem noch einen Blitz geben, wird die Wartezeit von vorn gestartet. Das macht es nahezu unvorhersehbar, ob und wann eine Partie weitergespielt werden kann. Im Notfall kann die Veranstaltung auch ganz abgesagt werden. Bei der Klub-WM im Vorjahr ist zwar kein Spiel abgesagt worden, dafür musste bei zahlreichen abgewartet werden. So bekam die Achtelfinal-Partie zwischen dem späteren Sieger FC Chelsea und Benfica Lissabon eine Gesamtspielzeit von satten 280 Minuten. Es lief bereits die 86. Minute, als der Schiedsrichter die Teams in die Kabine schickte und die 26.000 Zuschauer aufgefordert wurden, im Stadionumlauf Schutz zu suchen. Aus den zunächst 30 Minuten Wartezeit wurden fast zwei Stunden, dazu ging die Partie in die Verlängerung. Er könne ja verstehen, sagte Chelsea-Trainer Enzo Maresca damals, dass Spiele aus Sicherheitsgründen unterbrochen würden. Aber wenn man so viele Spiele unterbrechen müsse, dann bedeute das wohl, dass "dies nicht der richtige Ort für diesen Wettbewerb" sei.

Und nicht nur wegen der Gewittergefahr steht das Wetter im Fokus. Auch, weil es extrem heiß werden kann. Beim Gruppenspiel der Copa América 2024 zwischen Kanada und Peru in Kansas City war der Schiedsrichter bei einer Temperatur von 37,8 Grad Celsius zusammengebrochen.

Trinkpausen sind obligatorisch

Auch ohne Extremwetter wird jedes der 104 Spiele dieser WM länger dauern als gewohnt. Denn nach 22 Minuten in jeder der beiden Halbzeiten wird eine dreiminütige Trinkpause durchgeführt. Unabhängig von der Witterung. Offiziell sollen die Spieler so vor den teils extremen klimatischen Bedingungen geschützt werden. Kritiker vermuten allerdings einen Vorwand, um weitere Werbung verkaufen zu können.

Quelle: ntv.de, ara

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