"Das war schon beängstigend"Bearmans heftiger Unfall befeuert Regeldebatte in der Formel 1

Die Formel-1-Welt hielt kurz den Atem an: nach einem beängstigenden Crash humpelt Haas-Fahrer Oliver Bearman durchs Fahrerlager. Das Geschehen befeuert die Debatte um das neue Regelwerk.
Formel-1-Pilot Oliver Bearman hat sich bei seinem heftigen Unfall beim Grand Prix in Japan eine schwere Knieprellung zugezogen. Der Fahrer des Haas-Teams hatte in der 22. Runde die Kontrolle über sein Auto verloren und war mit hohem Tempo seitlich in die Streckenbegrenzung eingeschlagen. Dabei soll er die Wucht von 50 G hat aushalten müssen. Danach verließ er humpelnd und mit schmerzverzerrtem Gesicht den Unfallort.
Im Streckenhospital zeigten Röntgenbilder bei Bearman jedoch keine Brüche oder schwerere Verletzungen. Messungen ergaben, dass der 20 Jahre alte Brite bei dem Crash extremen Beschleunigungskräften ausgesetzt war. "Das war schon beängstigend", sagte Haas-Teamchef Ayao Komatsu zu dem Unfall. "Zum Glück ist alles gut gegangen", ließ Bearman selbst wissen.
Das Geschehen befeuerte die Debatten um das neue Technik-Reglement, in der die Zusatzkräfte durch den höheren Elektro-Anteil des Motors eine große Rolle spielen. So kam Bearman mit enormem Geschwindigkeitsüberschuss an den vor ihm fahrenden Franco Colapinto im Alpine heran. "Es ist wirklich merkwürdig. Es ist eine Kurve, die wir voll fahren, und er war mehr als 50 Stundenkilometer schneller als ich", erklärte Colapinto.
Weltverband reagiert: Regeländerungen im April möglich
Bearman nahm dann ein Zucken des Argentiniers wahr, wollte ausweichen, geriet neben die Strecke und drehte sich. Prompt brach im Fahrerlager erneut eine Diskussion über notwendige Regelanpassungen aus, um die Risiken der neuen Richtlinien zu begrenzen.
"Wir haben schon lange davor gewarnt, dass so etwas passieren könnte", sagte Williams-Pilot Carlos Sainz und forderte die Rennleitung auf, dafür zu sorgen, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederholt: "Ich hoffe sehr, dass wir für Miami eine bessere Lösung finden werden." In Suzuka habe Bearman Glück gehabt, dass er mit seinem Haas-Boliden dem deutlich langsamer fahrenden Colapinto noch ausweichen konnte. "Stellen Sie sich nun vor, Sie fahren in Baku, Singapur oder Las Vegas", sagte Sainz, wo solche "Unfälle direkt neben den Mauern" stattfinden würden.
Der Weltverband FIA reagierte zwei Stunden nach dem Rennen mit einem Statement: "Jegliche Anpassungen, insbesondere im Bereich des Energiemanagements, erfordern sorgfältige Simulationen und detaillierte Analysen." Für April seien schon seit der Einführung der Regeln eine Reihe von Treffen aller Formel-1-Beteiligten geplant, um mögliche Änderungen zu bewerten. Wegen der Absage der Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien steht der nächste WM-Lauf erst am 3. Mai in Miami an.