Fahrer wollen Wolff nicht ärgernDen Mercedes-Gegnern bleibt nur die "Hoffnung aufs Zerfleischen"

Mercedes ist in der Formel 1 derart überlegen, dass sich die Silberpfeile nur selbst "zerfleischen" können. Laut WM-Leader Kimi Antonelli kann sich die Konkurrenz diese Hoffnung aber abschminken.
Helmut Marko ist nicht mehr im Dienst. Nach 20 Jahren an der Spitze des Formel-1-Teams Red Bull Racing verfolgt der 83-jährige Österreicher die Formel 1 seit dieser Saison nur noch als Privatier. Natürlich aber hält er nach all den Jahren weiter zu seinem F1-Ziehsohn Max Verstappen und dem Team, das sein 2021 verstorbener Freund Dietrich Mateschitz einst gründete. Der Grazer ist, wenn man so will, ein emeritierter Red-Bull-Häuptling.
Und doch spricht Marko in gewisser Weise für die gesamte Formel 1 (minus Mercedes), wenn er die wohl einzige Chance der silbernen Konkurrenz, ihre "einzige Hoffnung" artikuliert: Dass sich die Dominatoren mit dem Stern, Youngster Kimi Antonelli und George Russell, in ihrem Kampf um die Fahrer-Krone "zerfleischen". Andernfalls, so Marko im Interview mit "oe24.at" nüchtern, "ist Mercedes weg".
Immerhin: Für den Grand Prix von Monaco, der in vielerlei Hinsicht aus dem Rahmen fällt, hat der langjährige Red-Bull-Chefberater aus sportlich-technischen Gründen keinen der Mercedes-Piloten ganz oben auf dem Zettel stehen. Das Leitplanken-Geschlängel, in dem Motor-Power keine große Rolle spielt, liege dem W17, der vor allem dank seines überlegenen Aggregats reüssiert, nicht sonderlich, prophezeite Marko. "Da werden sie sich schwer tun, mit den langsamen Kurven." In den Häuserschluchten Monte Carlos sieht Marko Ferrari-Pilot Charles Leclerc vorne. "Der ist dort daheim und mein Favorit im Qualifying. Und wer in Monaco vorn steht, gewinnt auch das Rennen", bemühte der Österreicher die alte F1-Weisheit zum Motorsport-Klassiker an der Côte d'Azur.
Antonelli will kein "Chaos" bei Mercedes verursachen
Unter normalen (Strecken-)Umständen ist Mercedes 2026 dagegen kaum zu schlagen. Die Silberpfeile haben bis dato jedes Rennen am Sonntag gewonnen. Der 19-jährige Antonelli triumphiert bei den vergangenen vier Grands Prix mit beeindruckender Reife. Und so speist sich die Hoffnung der Konkurrenz, dass sich bei Mercedes zehn Jahre nach Lewis Hamilton und Nico Rosberg ein neuerlicher "Krieg der Sterne" zuträgt.
Einen möglichen Vorgeschmack lieferte zuletzt der Große Preis von Kanada. Im Sprintrennen und im Haupt-GP gaben sich Antonelli und der arrivierte, aber unter Druck geratene Russell Saures. Beim Kurzrennen am Samstag ging es derart haarig zu, dass der junge Italiener am Boxenfunk Dampf abließ. Antonelli hat sein Revier markiert. Die nette "Maus", die ihm Fahrerlager eigentlich jeder gern hat, kann auch anders, kann auch Ego-Trip.
Dieser Antonelli beteuert freilich, dass sich die Zerfleischungs-Sehnsüchte der Rivalen nicht erfüllen werden. Natürlich führen er und Russell "auch für uns selbst", jeder wolle gewinnen, "wenn wir Rennen fahren", sagte der WM-Spitzenreiter im Interview mit RTL und Sky. Aber: "Während der Rennen wollen wir natürlich fair miteinander umgehen, wir wollen ja kein Chaos im Team verursachen und natürlich wollen wir Toto (Wolff, Teamchef von Mercedes, Anm. d. Red.) auch nicht verärgern."
Es ist ein Versprechen, dass Wolff auch von Hamilton und Rosberg einst hörte. Der Rest der Geschichte ist bekannt. Die Erzrivalen fuhren sich regelmäßig in die Karre - und trotzdem kassierte Mercedes dank seiner Überlegenheit Fahrer- wie Konstrukteurstitel ein. Die Hoffnung der Silberpfeil-Gegner, sie ist klein.