Japanische Fußballer sind in aller Regel nicht für allzu dreiste oder freche Ansagen bekannt. Vielleicht schlugen die Aussagen von Japans Ersatzstürmer Kento Shiogai vom VfL Wolfsburg Wellen, weil sie vor allem selbstbewusst klangen. In brasilianischen Augen und Ohren womöglich zu wenig demütig vor dem Giganten der Copacabana.
Medien wie "UOL Brasil" zitieren aus einem Interview Shiogais mit der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo News. Und das las sich ein bisschen, als spreche er von einem gefallenen Fußball-Riesen.
Brasilien sei ein Gegner, den man schlagen könne und nicht mehr das Brasilien "von früher", sagte er. Deswegen müsse Japan das Spiel von Beginn an dominieren. Außerdem sehe er Frankreich und Argentinien stärker als den kommenden Gegner, den er aber trotzdem stark einschätzt.
Alles in allem also wenig verbale Sprengsätze, aber sie rütteln eben doch ein bisschen am Selbstverständnis der Fußball-Nation Brasilien, die sich ja eigentlich immer auch als großer WM-Favorit sieht. Dass Frankreich und Argentinien höher eingeschätzt werden, teilen die meisten Experten. Das liegt vor allem an Brasiliens schwacher WM-Quali. Im Turnier selbst zeigte das Team ordentliche bis gute Ansätze.
Ancelotti mit Aussagen konfrontiert
Jedenfalls gingen die Worte Shiogais einmal um die Welt. Bis nach Houston/Texas zur Pressekonferenz von Nationaltrainer Carlo Ancelotti. Der Trainer-Mister interpretierte die Aussagen des Wolfsburgers als "Mind Games", also Psycho-Spielchen. Darauf wolle er überhaupt gar nicht erst eingehen, sagte der Italiener.
"Ich werde nicht wiederholen, was andere sagen. Wir konzentrieren uns auf das Spiel, auf die Stärken des Gegners und darauf, uns gut vorzubereiten, um Probleme zu vermeiden", sagte Ancelotti. "Darum geht es bei der Spielvorbereitung. Wir betreiben nicht das, was man in England 'Mind Games' nennt. Darauf lassen wir uns nicht ein."
Kento Shiogai spielt seit Beginn des Jahres am Mittellandkanal für den VfL Wolfsburg. Dort erzielte er bislang in zwölf Einsätzen ein Tor. Das reichte, um für die WM nominiert zu werden. Auch in der japanischen Nationalmannschaft ist er Einwechselspieler. Bei diesem WM-Turnier kam er bislang auf sechs Minuten, die ihn Coach Hajime Moriyasu zum Auftakt gegen die Niederlande brachte. Gegen Tunesien und Schweden saß er 90 Minuten plus x auf der Bank.
Nun wartet am Montagabend (19 Uhr/ZDF, Magenta und ntv.de-Liveticker) das Duell der beiden noch ungeschlagenen Teams. Die Blue Samurai sind sogar zehn Partien in Folge unbesiegt. Brasilien hatte in der Gruppenphase 1:1 gegen Marokko gespielt und gegen Haiti (3:0) und Schottland (3:0) gewonnen. Japan siegte torreich gegen Tunesien (4:0) und erkämpfte zwei Unentschieden gegen die Niederlande (2:2) und Schweden (1:1).
Brasilien ist gewarnt
Japan hat seit einem 0:2 im September 2025 gegen die USA nicht mehr verloren. Und gerade Brasilien ist gewarnt. Ein Testspiel im Herbst 2025 verlor die Selecao trotz 2:0-Führung noch mit 2:3. "Das war eine gute Erfahrung für uns, um zu sehen, wie stark Japan ist", sagte Ancelotti rückblickend über das Testspiel. Brasilien müsse es "wie ein Finale angehen. Denn das ist es."
Und dann ist da noch die Sache mit Neymar. Gegen Schottland feierte der Nationalheld nach langer Verletzungspause ein Comeback auf dem Rasen - für 15 Minuten. Wird es gegen Japan noch mehr Neymar geben?
Zuschauer flippen bei Neymar-Einwechslung aus

Ancelotti blieb in seinen Aussagen zum Nationalstürmer vage. "Neymar hat sehr gute Fortschritte gemacht. Ich glaube, er hat sich in der letzten Woche stark verbessert", sagte Ancelotti. "Er kann mehr als 15 Minuten spielen. Er ist in guter Form. Aber es hängt stark vom Spielverlauf ab und davon, wie sich die Dinge morgen entwickeln."
Die Historie spricht für Neymar. Gegen Japan traf der Offensivspieler schon neun Mal. Es ist den Toren nach einer seiner Lieblingsgegner. Aber das sei der Neymar von früher gewesen, sagte Shiogai. Nun komme man zurecht. Auch das kam in Brasilien nicht besonders gut an.
Das Selbstbewusstsein der Japaner verkörpert indes auch Coach Hajime Moriyasu. "Die WM beginnt jetzt. Wir wollen sie herausfordern und gewinnen", sagte der japanische Trainer.


