Sasa Kalajdzic musste sich nach seiner gerade vollendeten "Traumgeschichte" erstmal sammeln. Einer der "schönsten Momente in meiner Karriere" sei es allemal gewesen, dieser dramatische Ausgleich gegen Algerien, sagte Österreichs so leidgeprüfter WM-Held. "Realisieren" aber könne er es noch nicht. "Ich hoffe", betonte Kalajdzic mit einem Lächeln, "dass ich bis zum Spanien-Spiel völlig klar im Kopf bin".
Dass Österreichs Fußballer am Donnerstag (21 Uhr, ARD und MagentaTV und im ntv.de-Liveticker) im WM-Sechzehntelfinale überhaupt gegen den Europameister antreten dürfen, haben sie vor allem ihrem zwei Meter großen Mittelstürmer zu verdanken. Seinem ersten Ballkontakt kurz nach seiner Einwechslung in der Nachspielzeit. Seinem Kopfball zum 3:3. "Das ist ja die nächste Traumgeschichte", sagte Teamchef Ralf Rangnick im Anschluss. Besser hätte er es nicht formulieren können.
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Kalajdzic ist erst 28 Jahre alt, seine Krankenakte reicht aber schon für mehr als eine ganze Karriere. Drei Kreuzbandrisse hat der frühere Stürmer des VfB Stuttgart bereits erlitten, zuletzt im Februar 2024 als Leihspieler bei Eintracht Frankfurt - über anderthalb Jahre lang bestritt er im Anschluss kein Spiel. "Wenn uns jemand vor sechs Monaten gesagt hätte, dass er überhaupt dabei ist und er jetzt dieses Tor macht", staunte selbst Rangnick am Samstagabend in Kansas City, "hätte das kaum einer geglaubt".
Eine Watschn nach der anderen
Bis zum März dieses Jahres war Kalajdzic letztmals im November 2023 für die österreichische Auswahl aufgelaufen, wahr wurde sein WM-Traum in der Heimat. Als Leihspieler von den Wolverhampton Wanderers drehte er beim Linzer ASK im Frühjahr mächtig auf, führte den LASK mit fünf Toren und sechs Vorlagen in den letzten acht Ligaspielen zum ersten Meistertitel seit 61 Jahren, auch den Pokalsieg durfte er bejubeln. Die WM? Immer im Hinterkopf. "Er wollte unbedingt dabei sein", sagte Rangnick.
Und nun: dieser Moment für die Geschichtsbücher. "Ich hab nicht gewusst, was ich machen soll", sagte Kalajdzic über die wilden Jubelszenen nach seinem Ausgleichstreffer: "Plötzlich hatte ich 50 Leute um mich rum, jeder hat mir eine Watschn nach der anderen gegeben. Ich bin fast aus dem Stadion gedrückt worden. Es war einfach geil."
Er sei "einfach nur froh, dass ich was beitragen konnte", ergänzte Kalajdzic bescheiden, "einfach nur überglücklich, dass wir weiterhin unsere Geschichte schreiben können." Auch gegen Spanien? Im Duell mit dem Topfavoriten ist Österreich am Donnerstag in Los Angeles klarer Außenseiter. Doch Kapitulation ist keine Option, das war es für Kalajdzic nie. "Wieso", hat er mal gesagt, "sollte ich aufgeben? Es gibt keinen Grund aufzugeben."

