Schon in den Außenbezirken nahe des ehrwürdigen Aztekenstadions gab es fast kein Durchkommen mehr. Neben den Straßen, auf den Straßen und sogar auf den Autos: Mexikaner feierten am Dienstagabend den 2:0-Sieg über Ecuador in Mexico City so ausgelassen, als gäbe es kein Morgen. Die Innenstadt war komplett verstopft. Menschenmassen schoben sich aneinander vorbei, Gesänge und Gehupe übertönten sich gegenseitig, der Alkohol floss in Strömen. Die Ektase hielt an bis zum Morgen.
Doch für drei Menschen nahm die große Party nach dem ersten Sieg der mexikanischen Nationalelf in einem K.o.-Spiel seit 1986 ein tödliches Ende. Zu den drei Menschen, die bei den WM-Feierlichkeiten in Mexiko-Stadt durch Ersticken ums Leben kamen, gehört eine 19-jährige Frau. Das teilte die Gesundheitsbehörde der Hauptstadt am Mittwoch mit. Eine 48-jährige Frau und ein 44-jähriger Mann starben ebenfalls, auch hier war Ersticken die Todesursache.
Nach Angaben der Gesundheitsbehörden versorgten Rettungskräfte drei bewusstlose Personen an verschiedenen Orten entlang des Paseo de la Reforma, der Zentrale der WM-Party, bevor sie ins Krankenhaus kamen. "Nachdem die Patienten erstversorgt und mit Herz-Lungen-Wiederbelebungsmaßnahmen versorgt worden waren, wurden sie zur fachärztlichen Behandlung in ein Krankenhaus gebracht", teilte die städtische Gesundheitsbehörde mit.
Massen schütteln Autos durch
Die Bürgermeisterin von Mexiko-Stadt, Clara Brugada, sprach den Angehörigen der Opfer ihr "aufrichtigstes Beileid" aus und sicherte ihnen in den kommenden Tagen Unterstützung zu. In einem Social-Media-Beitrag, den sie nach Bekanntwerden der Todesfälle veröffentlichte, forderte Brugada die Fans auf, "immer verantwortungsbewusst, rücksichtsvoll und mit Empathie zu feiern".
Mehr als eine Million Fans feierten auf den Straßen der mexikanischen Hauptstadt. Die Atmosphäre war größtenteils heiter, bierseelig und friedlich. An jeder Straßenecke gab es Tanzeinlagen, riesige Mexiko-Fahnen wurden geschwenkt. Die Menschen eroberten die Straßen, Autos, die teilweise bis zu fünf Leute auf den Dächern trugen, wurden von den Massen durchgeschüttelt. Teenager auf Motorädern ließen die Reifen quietschen und etliche Alkoholleichen stolperten durch die Gegend. Fans wurden auf Tüchern in die Luft geschleudert.
Immer wieder wurden "Mexiko, Mexiko"-Gesänge angestimmt. Außerdem dominierte der neue Slogan "¿Y si sí?": "Was, wenn doch?". Der Satz, der in den letzten Wochen in den sozialen Netzwerken die Runde machte, beschäftigt ganz Mexiko. Innerhalb weniger Tage sprang der Satz von den Bildschirmen auf die Straße. Adidas, die Marke, die die mexikanische Nationalmannschaft ausstattet, druckte ihn auf T-Shirts und Taschen, Supermärkte integrierten ihn in Kaufbelege. Er ist das Echo einer kollektiven Hoffnung, dass es diesmal vielleicht wirklich den ersten WM-Titel geben könnte. Es wird ausgesprochen, und nun auch auf den Straßen gesungen, was die Skepsis im Fußballland ohne einzigen Stern normalerweise verschweigt.
Gedränge mit Massenpanik
Doch zu viele hatten sich zum Public Viewing am Monument El Ángel de la Independencia in der Innenstadt versammelt, wo es anschließend besonders am Reforma Paseo mit seinen engen Nebengassen zu starkem Gedränge mit Massenpanik kam. Dort erstickten schließlich auch die drei Menschen. Im Großraum Mexiko-Stadt leben mehr als 20 Millionen Menschen - damit ist er einer der am dichtesten besiedelten Orte der Welt.
Schon am Stadion war es direkt nach dem Spiel zu Drängeleien gekommen, auch hier lag eine Massenpanik in der Luft. Kinder waren dort ebenfalls eingekesselt. Die Polizei schaute hilflos zu und kam selbst kaum voran.



