Die Schweizer Partycrasher um Jungstar Johan Manzambi haben Co-Gastgeber Kanada bei der Fußball-WM um weitere Heimspiele gebracht. Die Mannschaft von Trainer Murat Yakin entriss "Les Rouges" durch ein 2:1 (0:0) im letzten Gruppenspiel in Vancouver den ersten Platz der Gruppe B und schickte Kanada für die K.o.-Phase in die USA.
Der einstige Augsburger Ruben Vargas (46.) und Freiburgs Manzambi (57.) sorgten im vollgepackten BC Place für die Stimmungskiller. Die Kanadier, für die der eingewechselte Promise David (76.) nur noch zum Anschluss traf, schafften zwar trotz der Niederlage erstmals den Sprung in die K.o.-Runde, müssen sich aber von ihrem Heimpublikum verabschieden.
Heldenhafter BVB-Torwart rettet die Schweiz

Als Zweiter trifft die Mannschaft von Trainer Jesse Marsch bereits am Sonntag in Los Angeles auf den Zweiten der Gruppe B. Die Schweiz darf derweil in Vancouver bleiben - sowohl das Sechzehntelfinale gegen einen Drittplatzierten aus den Gruppen E, F, G, I oder J am kommenden Donnerstag (Ortszeit) als auch ein mögliches Achtelfinale finden in der Metropole an der kanadischen Westküste statt.
Trinkpause bringt Bruch
Nach seinem überragenden Joker-Auftritt samt Doppelpack gegen Bosnien und Herzegowina stand Manzambi bei der Schweiz erstmals bei dieser WM in der Startelf. Bei den Kanadiern fehlte derweil Ismael Koné nach seiner Horrorverletzung gegen Katar. Als der Mittelfeldspieler mit einem Rollstuhl ins Stadion geschoben wurde, wurde es in der geschlossenen Arena erstmals laut.
Auf dem Feld dominierten dann jedoch die Schweizer. Kanada musste sich vor allem aufs Verteidigen konzentrieren - und nach gut zehn Minuten erstmals tief durchpusten. Breel Embolo (11.) scheiterte erst freistehend an Torhüter Maxime Crepeau, den Nachschuss von Manzambi blockte dann gerade noch Derek Cornelius.
Wie so oft sorgte die Trinkpause für einen Bruch im Spiel. Kanada gelang es trotz Ballbesitzvorteilen der Schweizer plötzlich, die Partie ausgeglichen zu gestalten - schnell kamen die Gastgeber auch zu eigenen Chancen. Nati-Keeper Gregor Kobel musste sowohl gegen Cyle Larin (33.) als auch gegen Ali Ahmed (41.) eingreifen.
Traumduo lässt kanadische Festung verstummen

Kanada schien nun endgültig angekommen in der Partie, entsprechend tief saß für die rund 50.000 kanadischen Fans im Stadion kurz nach der Pause der Schock. Von der rechten Seite spielte Manzambi den Ball flach in den Strafraum, der sträflich freie Vargas hatte genug Zeit und traf ins kurze Eck - 40 Sekunden waren da gerade gespielt.
Nach Manzambis Treffer flachte die Stimmung weiter merklich ab. Doch Kanada gab nicht auf und ging in die Offensive. David, der erst wenige Sekunden zuvor eingewechselt worden war, weckte die Zuschauer wieder auf.
Bosnien-Herzegowina mit guten Chancen auf K.o.-Runde
Bosnien und Herzegowina kann weiter auf den erstmaligen Einzug in die K.o.-Runde bei einer Fußball-Weltmeisterschaft hoffen. Die Mannschaft um Schalke-Torjäger Edin Dzeko bezwang Katar zwar nur mit Mühe 3:1 (2:1) – mit nun vier Punkten auf dem Konto stehen die Chancen auf das Weiterkommen als Dritter der Gruppe B nun jedoch gut, für Schlusslicht Katar ist das Turnier hingegen beendet.
Bosnien und Herzegowina - Katar 3:1 (2:1)
Bosnien und Herzegowina: Vasilj - Malic (46. Memic), Katic (63. Hadzikadunic), Radeljic, Kolasinac - Bajraktarevic, Šunjić (46. Tahirovic), Basic, Alajbegovic (82. Burnic) - Demirovic, Džeko (64. Mahmic). - Trainer: Barbarez
Katar: Abunada - Khoukhi, Pedro Miguel, Sultan Al Brake - Edmílson Junior (79. Alaaeldin), Gaber (46. Abdelaziz), Boudiaf (72. Ali), Laye, Al Haydos (56. Al-Ganehi) - Fathy (79. Manai) - Afif. - Trainer: Lopetegui
Schiedsrichter: Jesús Valenzuela (Venezuela)
Tore: 1:0 Alajbegovic (29.), 2:0 Al Brake (34./Eigentor), 2:1 Al Haydos (42.), 3:1 Mahmic (80.)
Zuschauer: 66.925 in Seattle
Gelbe Karten: Mahmic - Fathy
Der zukünftige Leverkusener Kerim Alajbegovic (29.), Dzeko, der das Eigentor von Sultan Al-Brake (34.) erzwang, und Ermin Mahmic (80.) sorgten für den ersten Sieg der Bosnier, die in einem möglichen Sechzehntelfinale auch als deutscher Gegner infrage kämen. Bei der erst zweiten Teilnahme des Landes nach 2014 wäre der Sprung in die K.o.-Phase ein historischer Erfolg für das Team von Trainer Sergej Barbarez.
Super-Oldie Dzeko erzwingt wichtiges Eigentor

Für Katar erzielte Hassan Al-Haydos (42.) einen Treffer zum Abschluss. Dennoch muss sich der Wüstenstaat, der sich nach der Gastgeberrolle 2022 erstmals sportlich für die WM qualifiziert hatte, wie vor vier Jahren bereits nach der Gruppenphase aus dem Turnier verabschieden.
Dzeko feiert Jubiläumsspiel
Die Bosnier, bei denen Dzeko sein 150. Länderspiel bestritt, erwischten einen guten Start und prüften Katars Keeper Mahmud Abunada gleich mehrmals. Doch die Mannschaft von Trainer Julen Lopetegui, die nach dem folgenschweren Foul an Kanadas Ismael Koné unter anderem auf den rotgesperrten Assim Madibo verzichten mussten, stabilisierte sich schnell und verteidigte kompakt.
Bosnien fand keine Lücken und versuchte es vor allem aus der Distanz - Alajbegovic auch mit Erfolg. Wenig später ließ Dzeko die bosnischen Fans erneut jubeln: Einen Schuss des 40-Jährigen fälschte Al-Brake entscheidend ins eigene Tor ab. Einen eigenen Treffer des Schalker Aufstiegshelden verhinderte kurz darauf der Innenpfosten (38.).
Doch der Favorit wurde in der Folge nachlässiger, Al-Haydos nutzte das eiskalt aus. Beim Schuss von Pedro Miguel (45.+3) rettete der Pfosten die Bosnier, Katar wurde mutiger. Nach der Pause war das Team um Dzeko wieder um Spielkontrolle bemüht, doch auch Katar ließ nicht nach. Der Underdog präsentierte sich weiter wachsam, lauerte auf Fehler des Gegners und versuchte selbst immer wieder Akzente zu setzen.
Dzeko musste die Schlussphase schließlich von der Bank aus verfolgen, der Kapitän war nach seiner Auswechslung sichtlich aufgebracht, für ihn kam Mahmic (63.). Von der Seitenlinie aus sah Dzeko, wie seine Mannschaft versuchte, den Sieg über die Zeit zu retten.
