Der Ball war im Tor, aber Cody Gakpo krümmte sich zusammen, machte sich ganz klein, als würde er im Rasen verschwinden wollen. Bevor er von seinen Mitspielern umringt und liebevoll hochgezogen wurde. In der 72. Minute hatte er die Niederlande im Sechzehntelfinale der Fußball-WM gegen Marokko in Führung geschossen. Doch das Jubeln fiel dem 27-Jährigen schwer.
Als Gakpo wieder aufstand und in der orangefarbenen Jubeltraube - für die auch die Auswechselspieler aufs Feld gelaufen waren - aufgenommen wurde, liefen die Tränen beim Spieler des FC Liverpool. Er zog sich sein Trikot über das Gesicht, rieb sich die Augen und schaute in den Himmel. Sein Mitspieler Denzel Dumfries umarmte ihn nochmal von hinten, sagte augenscheinlich, Gakpo möge tief ein- und ausatmen. Dieser lehnte sich kurz an seinen Teamkollegen an, ehe Dumfries sich um ihn herumdrehte, sein Gesicht in beide Hände nahm und ihn mit Worten und einem tiefen Blick in die Augen entließ.
Fehlgeburt während der WM
Gakpo war von seinen Emotionen überwältigt worden. Die Freude schoss mitten hinein in sein Leid. Der Flügelspieler und seine Freundin Noa van der Bij hatten am Samstag bekannt gegeben, dass sie ihr Baby noch in der Schwangerschaft verloren haben. Elijah Raphael Gakpo, so wollten sie ihr zweites gemeinsames Kind nennen, wird das Licht der Welt nicht erblicken. Die tragische Botschaft der Fehlgeburt teilte van der Bij bei Instagram.
Gakpo entschied sich, beim Team zu bleiben und nicht nach Hause zu reisen. "Wir haben alles getan, was in unserer Macht stand, um ihn zu unterstützen - sowohl die Spieler als auch die Betreuer", hatte Bondscoach Ronald Koeman gesagt. Kapitän Virgil van Dijk würdigte seinen Liverpooler Teamkollegen als "sehr reif, sehr erwachsen. Ich habe großen Respekt davor, wie er und seine Familie damit umgehen, so schrecklich es auch ist."
"Er ist bereit zu spielen", hatte Koeman über seinen Flügelspieler, der im zweiten Gruppenspiel gegen Schweden einen Doppelpack und eine Vorlage zum 5:1-Sieg beigesteuert hatte, gesagt. Er brachte den Flügelspieler wieder von Beginn an. Gakpo ließ dieser Aussage Taten folgen. Nach einem Abschlag von Torhüter Bart Vergruggen, einer Kopfballverlängerung von Wout Weghorst auf Crysencio Summerville, der auf das Tor zulief, in Bedrängnis an der Strafraumkante zu Boden ging, den Ball aber noch irgendwie zum mitgelaufenen Gakpo bringen konnte. Dieser versenkte den Ball im Tor.
Saibari hält - Oranjes letzte Sekunden bei dieser WM

Gakpo hatte mit diesem 1:0 die Hoffnung der Niederländer genährt, die nächste Runde zu erreichen. Doch das Spiel war ja noch nicht vorbei - und die Dramatik ebenfalls nicht. In der 90.+1 gelang Issa Diop der Ausgleich für Marokko, die Nordafrikaner erzwangen damit die Verlängerung. In der 114. Minute wurde Gakpo ausgewechselt - und musste dann wenige Minuten später mit ansehen, wie gleich drei seiner Mitspieler ihre Elfmeter verschossen. Marokko siegte mit 3:2 im Elfmeterschießen. Bei Gakpo und Co. flossen wieder die Tränen. Das Aufopfern fürs Team, es hat sich für Gakpo nicht ausgezahlt.

