Sie hatten es angekündigt, es kam nicht überraschend - und doch fühlt es sich komisch an: Die Halbzeitpause des WM-Finals zwischen Spanien und Titelverteidiger Argentinien (Endstand: 1:0 nach Verlängerung) sprengte alle Dimensionen.
Wie erwartet beorderte die FIFA nach dem Halbzeitpfiff eine ganze Armada an Superstars auf den Rasen des MetLife-Stadions von East Rutherford nahe New York: Zunächst fuhren die Fußball-Legenden Ronaldo und Ronaldinho Pop-Ikone Madonna auf das zur Bühne umgestaltete Spielfeld, danach folgten unter den Augen von FIFA-Präsident Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump die K-Pop-Band BTS, Justin Bieber und der Dirigent Gustavo Dudamel mit Orchester.
Show der Superlative: War das wirklich noch Fußball-WM?
Auch der fiktive Fußball-Trainer Ted Lasso aus der gleichnamigen Erfolgsserie war Teil der Show. Lasso-Darsteller Jason Sudeikis schickte Pop-Musiker Justin Bieber mit seiner Gitarre aufs Feld, danach folgten Sängerin Shakira und Burna Boy, die auch schon bei der Eröffnungsfeier vor mehr als fünf Wochen den offiziellen WM-Song "Dai Dai" performt hatten. Das Finale bildete ein Kinderchor, der die Liebe ("Love") beschwor. Am Ende lagen zwischen dem Halbzeitpfiff und dem Wiederanpfiff satte 27 Minuten und 20 Sekunden.
"Maximal 15 Minuten"
Durch die XXL-Unterbrechung verstieß die FIFA wie erwartet gegen die eigenen Regeln: "Den Spielern steht eine Halbzeitpause von maximal 15 Minuten zu", heißt es in Regel 7 des International Football Association Board Ifab, den Regelhütern des Fußballs. Eine Verlängerung der Pause liegt eigentlich ausschließlich im Ermessen des Schiedsrichters.

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Doch Slavko Vincic hatte wohl niemand um dessen Zustimmung zum opulenten Showprogramm gefragt. Nie zuvor hat es einen solchen Halbzeit-Exzess in der mehr als 90-jährigen Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaften gegeben.
Kuratiert wurde die Show, mit der die FIFA sich in die Entertainment-Sphären des Super Bowls katapultieren will, von Coldplay-Frontmann Chris Martin. Schon bei der Klub-WM im Vorjahr hatte es eine von Martin inszenierte Show gegeben, die Einlage dauerte 24 Minuten.
"So krass aus dem Rhythmus raus"
Kritiker sehen in der langen Pause nicht nur einen Regelverstoß, sondern auch das Problem, dass die Spieler aus dem Rhythmus kommen und zu sehr auskühlen können. "Ich glaube schon, dass das Verletzungsrisiko steigt. So krass aus dem Rhythmus rauszukommen", sagte ZDF-Experte Per Mertesacker.
Die FIFA rühmt sich derweil damit, dass die Show Fußball, Musik und soziales Engagement miteinander verbinde. Die FIFA will Spenden für Bildungs- und Fußballprojekte sammeln, in einem Fonds sollen 100 Millionen US-Dollar dafür zusammenkommen.

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Bereits vor dem Anpfiff hatten die Veranstalter mächtig Glamour aufgefahren: Stars wie Post Malone, Robbie Williams, Grammy-Gewinnerin Jennifer Hudson und Nicole Scherzinger traten auf, dazu hielt Hollywood-Ikone Tom Cruise eine Rede, in der er die Kraft des Fußballs und die Größe der Weltmeisterschaft pries. Chris Martin wandte sich vor dem Spiel auf Spanisch an die Fans und forderte alle auf, bei der Show mitzusingen und mitzutanzen.
