Vorfreude auf die WMHistorischer Havertz schiebt nur kurz Finalfrust

Kai Havertz trifft auch in seinem zweiten Champions-League-Finale, geht mit dem FC Arsenal aber als Verlierer vom Platz. Trotz des Finalfrusts geht sein Blick mit viel Vorfreude in Richtung Fußball-WM.
Lange sah es so aus, als würde Kai Havertz als Finalheld zur deutschen Fußball-Nationalmannschaft reisen. Dass der FC Arsenal trotz eines weiteren Treffers des Nationalspielers in einem Champions-League-Endspiel gegen Paris Saint-Germain im Elfmeterschießen (3:4) verlor, soll Havertz im Hinblick auf die Fußball-WM aber nicht umwerfen.
Trotz der Niederlage wolle er am Sonntag bei einer Parade in London "eine überragende Saison" feiern. Zum Nationalteam gehe es danach mit einer "Riesenvorfreude", wie Havertz im Sky-Interview zugab: "Ich habe mir schon ein paar Videos auf YouTube angeguckt von den Jungs. Ich kann es kaum erwarten, zu den Jungs zu stoßen. Jetzt ein, zwei Tage nochmal Pause und dann geht es am Dienstag los."
Topspieler könnten "auch Negativerlebnisse schnell verarbeiten. Das müssen sie, weil sie es gewohnt sind und es Teil des Jobs ist", sagte der frühere DFB-Kapitän Michael Ballack bei DAZN: "Das wird kurz wehtun, aber ich bin sicher, dass die Jungs in der Nationalmannschaft ihn herzlichst in Empfang nehmen und ihm Mut zusprechen werden."
Havertz hatte die erste Chance des Spiels genutzt (6.) und damit als erster Deutscher in zwei Champions-League-Endspielen getroffen. 2021 hatte er den FC Chelsea zum Finalsieg über Manchester City (1:0) geschossen.
Finaltor bringt Havertz "jetzt nicht sehr viel"
Nach dem verlorenen Finale herrschte trotzdem erst mal Frust. "Wir können stolz auf die Saison sein. Wir haben die Meisterschaft gewonnen, aber natürlich ist man direkt nach dem Spiel ein bisschen angeschlagen", sagte Havertz nach Elfmeterschießen. "Am Ende ist es so gekommen, wie es gekommen ist. Das muss man akzeptieren. Nächstes Jahr versuchen wir es erneut", kündigte der deutsche Nationalspieler an, nachdem er Arsenal früh in Führung gebracht hatte. Dass er wie schon 2021 in einem Champions-League-Endspiel getroffen habe, sei "natürlich ein Top-Gefühl": "Aber trotzdem bringt es mir jetzt nicht sehr viel, muss ich sagen."
Auch Per Mertesacker, Weltmeister von 2014, ist sich sicher, dass Bundestrainer Julian Nagelsmann einen "fitten und motivierten" Havertz begrüßen darf. Nach der Parade am Sonntag, bei der die Gunners auch den Titelgewinn in der Premier League feiern werden, werde sich Havertz "fokussieren auf eine WM, bei der er gebraucht wird", sagte Mertesacker als Experte im ZDF.
Havertz fehlt Nagelsmann im vorletzten WM-Test des DFB-Teams am Sonntag (20.45 Uhr/ZDF) in Mainz gegen Finnland. Nach dem Finale ist der 26-Jährige aber fest für die WM in den USA, Mexiko und Kanada (11. Juni bis 19. Juli) eingeplant. Aus der Ferne drückten die deutschen WM-Fahrer ihrem Mitspieler Havertz die Daumen. Die DFB-Auswahl verfolgte das Spiel gemeinsam im Frankfurter Teamhotel.
"Er kann nicht mehr machen, als ein wegweisendes Tor zu schießen. Das war erstklassig, er hat wieder mal bewiesen, dass er auf ganz hohem Niveau entscheidende Tore schießen kann", sagte Ballack: "Es wird wichtig sein, dass er das mitnehmen kann. Und für die Nationalmannschaft ist es wichtig, weil wir nicht so viele Topspieler haben in der Breite."