Emotionen, Provokationen, Fouls 

Immer wieder Ärger: Argentiniens fiese Fußball-Künste haben Tradition 

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Die Emotionen kochten auch im Finale hoch. (Foto: REUTERS)
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20.07.2026 | 12:07 Uhr
Argentiniens Fußball-Nationalmannschaft hat einen gewissen Ruf. Und ein Blick in die WM-Historie zeigt: Er ist hart erarbeitet. Die dunklen Fußball-Künste gehören fest ins Repertoire der Albiceleste.

Die letzten Minuten der WM-Finalpartie Argentiniens gegen Spanien waren vor allem von Spannung geprägt. Für neutrale Zuschauer auch unter dem Gesichtspunkt: Beendet der Titelverteidiger dieses Endspiel wirklich mit elf Mann? Zu absehbar war, was dann auch wirklich passierte. Das teils überharte Einsteigen und Draufgehen der Südamerikaner wurde bestraft. Der Gelb vorbelastete Enzo Fernandez flog nach einem unnötigen Foul mit Gelb-Rot (93.) vom Platz.

Direkt nach Schlusspfiff ging es, leider auch das ziemlich vorhersehbar, weiter. Als Spaniens Kapitän Rodri aufs Feld stürmte, verpasste ihm der argentinische Verteidiger Nahuel Molina einen Schlag auf die Brust. Startschuss zur Rudelbildung. Auch Leandro Paredes verlor die Nerven. Erst ging er Spaniens Eric an, attackierte anschließend Jungstar Gavi, erwischte diesen im Handgemenge im Gesicht. Auch er sah von Schiedsrichter Slavko Vincic noch die Rote Karte. Damit hat Argentinien einen unrühmlichen Rekord inne. Von insgesamt sieben Platzverweisen in WM-Finals stammen vier von den Südamerikanern.

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Fernandez haut Gegner weg - und fliegt hochkant vom Platz

Die Sache ist so: Argentinien ist eine der stolzesten, größten und erfolgreichsten Fußball-Nationen der Welt. 1893 gegründet, drei Weltmeistertitel, 16 Mal die Copa América gewonnen und damit Rekordchampion, dazu Legenden wie Diego Maradona und Lionel Messi hervorgebracht. Nur fährt die Albiceleste neben dem schönen Spiel, zu dem sie durchaus in der Lage ist, regelmäßig eine weitere Komponente auf. Sie hat Tradition und ist weniger schön anzusehen, oft aber sehr effektiv. Denn sie entnervt den Gegner. Die Rede ist von den "dunklen Künsten" des Fußballs. Also provozieren, schinden, hartes Einsteigen, schubsen, zermürben bis hin zu treten und schlagen. Das ganze Programm. Die Definition von Fairplay ist das oft nicht. Das zeigt ein Blick in die WM-Vergangenheit der vergangenen 36 Jahre.

Zwei Platzverweise gegen Deutschland

Schon 1990 sorgten die Argentinier im WM-Finale für ein Novum. Der eingewechselte Pedro Monzón foulte Jürgen Klinsmann derartig heftig, dass er nach 20 Minuten mit Rot wieder runter musste. Es war der erste Platzverweis in einem WM-Finale. Später flog auch Teamkollege Gustavo Dezotti nach einem grob unsportlichen Foul an Jürgen Kohler mit Rot vom Platz. Zu neunt musste das Team von Diego Maradona die 0:1-Finalniederlage gegen Deutschland hinnehmen.

Auch acht Jahre später in Frankreich in der Partie gegen die Niederlande krachte es schnell. "El Burrito" Ariel Ortega setzte im Sechzehner zum Kopfstoß gegen Keeper Edvin van der Sar an, wurde für die Tätlichkeit vom Platz gestellt. Die hitzige Partie ging an die Niederländer.

Argentinien blieb auch in den 2000er-Jahren ein Dauer-Rivale des DFB-Teams. Vielen im Gedächtnis geblieben ist das Aufeinandertreffen im Viertelfinale 2006 in Berlin. Während es während der 120 Minuten einigermaßen gesittet (aber durchaus hart) blieb, brachen nach dem erfolgreichen deutschen Elfmeterschießen Rudelbildungen und Schubsereien aus. Die FIFA ermittelte. Die Folge: Argentiniens Leandro Cufré erhielt nach Spielende für seinen Tritt gegen Per Mertesacker Rot und wurde für vier Spiele gesperrt. Aber auch der glänzend aufgelegte Mittelfeldstratege Torsten Frings wurde für das Halbfinale gegen Italien gesperrt. Viele deutsche Fans nehmen das den Argentiniern bis heute übel.

2014 trafen sich die Teams im Finale von Maracanã in Brasilien wieder. Und bevor die deutsche Elf den vierten WM-Titel und nächsten Sieg gegen Argentinien feierte, musste sie einmal durch die Fußball-Schmerzenshölle, vor allem einer: Anführer Bastian Schweinsteiger. Sechsmal wurde er von den Mannen in Blau gelegt. Immer wieder hart angegangen. All das gipfelte in ikonischen Bildern. In der 108. Minute erwischte Sergio Agüero Schweinsteiger mit dem Arm im Gesicht, plötzlich klaffte eine blutende Wunde unter dem Auge. Der Mittelfeldspieler wurde behandelt und kehrte mit der sichtbaren Verletzung auf den Platz zurück. Diese Bilder gingen um die Welt. Die Wunde und das Durchbeißen Schweinsteigers wurden zum Sinnbild der harten Gangart Argentiniens und zum Aufbäumen der deutschen Spieler.

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Prügelei nach Finale: Argentinier geht auf Gegner los

Einen Rekord stellten die Argentinier dann 2022 zusammen mit den Niederländern auf. Das Viertelfinale gegen Oranje wird bis heute als eines der dreckigsten der WM-Geschichte gesehen. 17 Karten verteilte der Referee. 15 Gelbe und eine Gelb-Rote. So viele wie nie zuvor bei einer Weltmeisterschaft. Damals schon beteiligt: Leandro Paredes. Der Mittelfeldspieler ballerte nach einem Foul an Nathan Aké den Ball mit aller Kraft in die niederländische Bank, was zur Oranje-Eskalation führte. Es folgte eine Rudelbildung. Rund um das Elfmeterschießen schickten sich die Teams eine Provokation nach der anderen zu. Selbst Fußball-Gott Lionel Messi provozierte Altmeister Louis van Gaal (jubelte mit Hand vor den Ohren in Richtung der niederländischen Bank) und drückte ihm und Wout Weghorst später noch einen Spruch ("Was guckst du so, Idiot?"). Auch hier ermittelte die FIFA gegen beide Teams.

Auch 2026 viele Diskussionen

Schon damals witterte der niederländische Trainer Manipulation. Ein Narrativ, das sich auch 2026 durch Verschwörungstheorien um Gianni Infantino und Messi/Argentinien zog. In diesem Jahr bleiben wohl vor allem das Halbfinale und Finale hängen. Gegen England provozierte die Albiceleste schon früh mit harten Fouls und Ruppigkeiten, nach der Partie mit dem Banner zu den Falklandinseln und der Aufschrift "Las Malvinas son argentinas" ("Die Malvinas sind argentinisch"). Eine endgültige Entscheidung der FIFA über eine Strafe steht noch aus.

Im Finale dann ein ähnliches Bild. Argentinien wusste wenig mit dem Ball anzufangen, konzentrierte sich aufs Wegverteidigen und mitunter auf harte Fouls, die zum Beispiel Pau Cubarsi einmal durch die Luft schleuderten. Argentinien schaltete in den "Drecksack"-Modus. Auch die lebende Legende Messi lieferte kein gutes Bild. Statt Zauberfuß gab es diesmal eine müde Messi-Variante mit plumpem Freistoß-Schinden und dem Verpetzen von Gegenspieler Marc Cucurella, der offenbar kurz zwei Finger vor den Mund legte. Dafür forderte der 39-Jährige Rot. Das Problem: Am Ende hat Argentinien genauso viele Platzverweise wie Torschüsse. Für den Titel reichte das diesmal nicht.

Das Rüpel-Image haben sich die Argentinier hart erarbeitet. Manchmal wirkt das Auftreten fast wie ein Abziehbild. Das dauernde Changieren zwischen Technik, Können und der unnötigen Überhärte bleibt das ewige Paradox des argentinischen Fußballs. Weltmeister im guten Verlieren sind sie nicht (wer will das aber auch schon von sich behaupten?). Das nächste Kapitel folgt dann ziemlich sicher 2030. Langweilig wird es nicht.

Verwendete Quellen: ntv.de, msc