Bundestrainer Julian Nagelsmann hat sich übereinstimmenden Medienberichten zufolge entschieden, seinen Posten als Bundestrainer aufzugeben. Der 38-Jährige soll nach der Krisensitzung beim Deutschen Fußball-Bund am Donnerstag in Frankfurt/Main zu dieser Entscheidung gekommen sein. Die offizielle Bekanntgabe werde zeitnah erwartet. Nagelsmanns Aus als Bundestrainer hatte sich in den vergangenen Tagen abgezeichnet. ntv/RTL-Informationen zufolge hatte der Verband Nagelsmann eine Frist bis Montag gesetzt, selbst zurückzutreten.
Der Verband wollte ihm mit dieser Deadline die Chance geben, gesichtswahrend abzutreten. Als designierter Nachfolger von Nagelsmann sehen Experten und Insider Jürgen Klopp. Der 59-Jährige hat laut Medienberichten seine Bereitschaft signalisiert. Der frühere Trainer von Borussia Dortmund und dem FC Liverpool ist derzeit "Head of Global Soccer" bei Red Bull. Sky zufolge hat er in seinem Vertrag aber eine Klausel, die es ihm ermöglicht, das Unternehmen bei einem Angebot des Bundestrainer-Postens zu verlassen.
Sinneswandel bei Julian Nagelsmann
Nagelsmann war mit der DFB-Auswahl am Montag im Sechzehntelfinale der WM im Elfmeterschießen an Paraguay gescheitert. Unmittelbar nach dem Ausscheiden hatte er einen Rücktritt ausgeschlossen. "Ich bin keiner, der wegläuft", hatte Nagelsmann im Stadion in Foxborough in den USA gesagt. Er werde den Verbands-Bossen um DFB-Präsident Bernd Neuendorf schon "Argumente liefern" für seine Weiterbeschäftigung, erklärte Nagelsmann - und irrte. Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen und habe ihn traurig zurückgelassen, berichtet Sky.
Bei dem Treffen in Frankfurt soll ihm die DFB-Spitze diesen Schritt nahegelegt haben. Sein Vertrag mit dem DFB läuft noch bis 2028. Das heißt auch: Billig wird die Scheidung von dem seit Herbst 2023 amtierenden Bundestrainer nicht. Es geht um Millionen Euro.
Der ehemalige Bundesliga-Trainer (TSG Hoffenheim, RB Leipzig, FC Bayern München) hatte im September 2023 die Nachfolge von Hansi Flick angetreten. Seine ersten Länderspiele bestritt er dabei im Oktober 2023 ebenfalls auf einer US-Reise. Und in Foxborough leitete er damals sogar seine ersten Trainingseinheiten. Wenige Hundert Meter von dem Übungsplatz entfernt erlebte Nagelsmann seine bitterste Niederlage.
"Wunschlösung" scheitert
Nagelsmann war damals "die Wunschlösung" von DFB-Sportdirektor Rudi Völler, der in der etwas mehr als 1.000 Tage währenden Amtszeit Nagelsmanns wichtigster Ansprechpartner im Verband war. "Wir haben ein absolutes Topverhältnis, ein freundschaftliches Verhältnis. Julian ist ein Toptrainer", hatte Völler noch vor dem Paraguay-Spiel im DFB-Camp in Winston-Salem betont.
Bei seinem ersten Turnier als DFB-Chefcoach war Nagelsmann vor zwei Jahren bei der Heim-EM im Viertelfinale gegen den späteren Titelgewinner Spanien unglücklich mit 1:2 nach Verlängerung ausgeschieden.

