Was ist nur los?

Luka Modric' einzigartiger Moment verdrängt Kroatiens WM-Sorgen

Video poster
00:00 / 05:05
24.06.2026 | 08:22 Uhr
Fußball-Ikone Luka Modric absolviert für Kroatien sein 200. Länderspiel. Nach dem knappen WM-Sieg gegen Panama wird es emotional. Auch ein deutscher Weltmeister gratuliert.

Luka Modric zeigte mit einem verlegenen Lächeln ein extra angefertigtes Kroatien-Trikot mit der magischen Zahl 200. Dann wurde der 40 Jahre alte Oldie von seinen Kollegen geschnappt und ausgelassen in die Luft geworfen. Dazu brüllten tausende kroatische Fans im Toronto-Stadion immer wieder den Namen ihres Helden: "Luka, Luka."

Die Feierlichkeiten nach seinem außergewöhnlichen Jubiläum beim mühevollen 1:0 (0:0) gegen Panama waren Kroatiens Fußball-Legende fast schon ein wenig unangenehm. Modric meidet lieber das Rampenlicht, in dem er aufgrund seiner erfolgreichen Karriere seit Jahren steht. "Die Party war gut. Es war schön, sie haben sich ein bisschen ausgetobt", sagte Modric. Die Kroaten hatten sich nach dem Abpfiff alle ein schwarzes Trikot mit einem Bild von Modric in Aktion und der Aufschrift "Infinite Legacy" (Unendliches Vermächtnis) übergestreift.

Trainer huldigt dem Jubilar

"Es kann gut sein, dass Luka diese ganzen Feierlichkeiten nicht wollte. Er ist ein ganz normaler Mensch, der vor allem ein guter Mensch sein möchte. Er ist kein Typ für diese Art von Ehrungen", sagte Kroatiens Nationaltrainer Zlatko Dalic. "Aber ich bin dennoch froh, dass wir ihn heute feiern und ihm einen Sieg schenken konnten."

Joker Budimir rettet Kroatien bei Modrić-Jubiläum

Video poster

Modric, der im September 41 wird und seine fünfte WM erlebt, gehört nun wie Cristiano Ronaldo und Lionel Messi zu einem exklusiven Club von nur fünf Spielern mit 200 Länderspielen. "Wir müssen sehr froh sein, dass wir ihn in unserer Mannschaft haben. Er wird als bester Spieler Kroatiens in die Geschichte eingehen", sagte Dalic über den Jubilar.

Auch ein deutscher Weltmeister zeigte sich schwer beeindruckt. "Das ist eine Anzahl von Spielen, über die sind die meisten froh, wenn sie die als Profispiele schaffen in der Liga. 200 Länderspiele: Platz fünf all-time. Das ist einfach nur ein Zeichen von der unglaublichen Qualität und Konstanz, die er an den Tag legt", lobte TV-Experte Mats Hummels bei MagentaTV den Zauberfuß.

Budimir erlöst den Favoriten

Modric selbst war "glücklich und stolz auf diese großartige Zahl. Aber ich bin noch glücklicher über unseren Sieg, der zwar hart erkämpft, aber letztlich verdient war." Dass die Kroaten (3 Punkte) im letzten Gruppenspiel gegen Ghana (4) das Weiterkommen aus eigener Kraft perfekt machen können, verdanken sie aber einem anderen. Der zu Beginn der zweiten Halbzeit eingewechselte Ante Budimir erzielte in der 54. Minute das goldene Tor. Doch auch er rückte anschließend Modric in den Mittelpunkt. "Wir sind superglücklich, dass Luka diesen großartigen Tag am Ende mit einem großartigen Sieg krönen konnte."

Modric hatte vor 43.036 Zuschauern zwar keinen glanzvollen Auftritt. Aber das spielte nach der Partie keine Rolle. Wichtig waren nur die drei Punkte, die dem Vize-Weltmeister von 2018 und WM-Dritten von 2022 weiter alle Chancen auf den Einzug in die Zwischenrunde des XXL-Turniers lassen. Aber die Leistung gibt Rätsel auf.

Panama - Kroatien 0:1 (0:0)

Tore: 1:0 Budimir (54.)

Panama: Mosquera - Ramos (77. Waterman), Cordoba, Andrade - Murillo, Harvey, Barcenas, Blackman (90. Davis) - Martinez, Fajardo (83. Londono), Rodriguez. - Trainer: Christiansen 

Kroatien: Livakovic - Stanisic, Sutalo, Pongracic, Gvardiol (46. Kramaric) - Modric (81. Pasalic), Kovacic (72. P. Sucic) - Pasalic (72. L. Sucic), Baturina, Perisic - Musa (46. Budimir). - Trainer: Dalic 

Schiedsrichter: Pierre Atcho (Gabun) 

Gelbe Karten: Barcenas - P. Sucic

Zuschauer: 43.036 (ausverkauft)

"Mit einer solchen Leistung fährt man direkt nach Hause!", schrieb die "Jutarnji List". Ferner stellte das Blatt die Frage: "Wie bereit ist Kroatien überhaupt für die WM?" Modric und Co., mutmaßte die Zeitung, hätten gegen eine Mannschaft, "die nicht wirklich zu einer Weltmeisterschaft gehört", das Spiel verloren. Tatsächlich wirkte Panama über weite Strecken wesentlich gefährlicher als die Kroaten, Torwart Dominik Livakovic bewahrte sein Team in der Schlussphase gleich mehrfach vor dem Ausgleich.

Modric noch nicht in Topform

"Man sieht, dass wir etwas verkrampft sind. Wir brauchten diesen Sieg unbedingt", befand Modric und verkündete: "Ich bin fest davon überzeugt, dass uns dieser Sieg helfen wird, an Selbstvertrauen zu gewinnen und im Laufe des Turniers besser zu werden."

Der Mittelfeldstratege selbst muss auch zulegen, denn von seinem einstigen Glanz ist bei dieser WM bisher noch wenig zu sehen. Doch egal. Der Regisseur, der am 1. März 2006 gegen Argentinien sein Länderspieldebüt gefeiert hatte, war trotz seiner 1,72 Meter an diesem Abend der Größte. "Jeder weiß, was er uns bedeutet. Er ist unser Kapitän, er ist unser Anführer und er ist die größte Legende des kroatischen Fußballs", sagte Marin Pongracic.

Und dann rühmte der Abwehrspieler die Persönlichkeit des Kapitäns: "Wir erleben ihn als Mensch - wie bescheiden er ist, welche Einstellung und welche Mentalität er hat. Er ist ein Vorbild für uns alle." Auch Torschütze Budmir schwärmte in höchsten Tönen von Modric: "Wir sind dankbar, einen Kapitän wie Luka zu haben - einen Spieler, einen Menschen." Ein schöneres Kompliment hätte es für Modric zum Jubiläum kaum geben können.

Verwendete Quellen: ntv.de, Eric Dobias und Lars Reinefeld, dpa