Folarin Balogun sah im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina für ein grobes Foulspiel gegen Verteidiger Tarik Muharemovic die Rote Karte. Damit einher geht normalerweise eine obligatorische Sperre von mindestens einem Spiel, die gegen den Stürmer der AS Monaco auch verhängt worden war. Nach heftiger Kritik an der Entscheidung hat die FIFA die Bestrafung aber nun offenbar wieder aufgehoben, wie "The Athletic" unter Berufung auf mehrere Quellen berichtet. Sogar US-Präsident Donald Trump kommentierte diesen Schritt mit Genugtuung.
Laut Artikel 27 der Disziplinarordnung der FIFA kann "das zuständige Rechtsorgan beschließen, die Vollstreckung einer Disziplinarmaßnahme ganz oder teilweise auszusetzen". Und weiter: "Begeht die von einer ausgesetzten Sanktion begünstigte Person während der Bewährungszeit einen weiteren Verstoß ähnlicher Art und Schwere, so wird die Aussetzung von dem zuständigen Rechtsorgan widerrufen und die Sanktion vollstreckt, unbeschadet einer zusätzlich für den neuen Verstoß verhängten Sanktion."
Noch ist unklar, was genau zu dieser Entscheidung geführt hat und welche Begleitumstände damit einhergehen. Die FIFA hatte jedoch im Vorfeld der WM eine ähnliche Bestrafung gegen Portugals Superstar Cristiano Ronaldo, der für drei Spiele gesperrt worden war, nach nur einem Spiel ausgesetzt und die weiteren zwei Spiele auf Bewährung über ein Jahr angesetzt.
US-Präsident Donald Trump lobte die Entscheidung mit einem Post auf seiner Plattform "Truth Social": "Danke, FIFA, dass Ihr das Richtige getan und eine große Ungerechtigkeit rückgängig gemacht habt." Gut möglich also, dass Trump sich in die Angelegenheit eingeschaltet hat, um eine Aussetzung der Strafe zu erwirken.
Der Journalist Ben Jacobs jedenfalls berichtet genau das und sagt, dass das Weiße Haus die FIFA mit der Bitte kontaktiert habe, dass FIFA-Präsident Gianni Infantino die Rote Karte gegen Balogun nochmal "überprüfen" solle. Seinem Bericht zufolge verwies die FIFA auf die Ergebnisse ihres unabhängigen Gremiums.
Rote Karte erst nach VAR-Eingriff
Balogun hatte bei einem Zweikampf seinen Gegenspieler heftig auf den Knöchel getreten, der dabei umknickte und behandelt werden musste. Muharemovic konnte das Spiel anschließend jedoch fortsetzen. Zudem suggerieren TV-Bilder, dass Balogun seinen Gegenspieler nicht richtig gesehen hatte und der Tritt damit wohl unabsichtlich gewesen sein mag. Auch Schiedsrichter Raphael Claus aus Brasilien entschied sich zunächst dagegen, eine persönliche Strafe auszusprechen. Erst nach Einschreiten des VAR und einem anschließenden Gang zum Review-Monitor an der Seitenlinie kam Claus zur Entscheidung, Balogun des Feldes zu verweisen.
Die USA gewann das Spiel dennoch 2:0 und trifft nun im Achtelfinale auf Belgien (Nacht auf Dienstag ab 2 Uhr live bei Magenta TV, ARD und im Liveticker von ntv.de). Balogun dürfte dann wieder von Beginn an dabei sein, wie schon in drei der ersten vier Spiele des US-Nationalteams - nur gegen die Türkei im letzten Gruppenspiel wurde er geschont. Er erzielte zwei Tore beim Auftakt-Erfolg über Paraguay.

