Statt Nagelsmann oder Klopp

Warum nicht mal die Komplett-Revolution beim DFB?

imageVon Emmanuel Schneider
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Einer fürs DFB-Team? Pep Guardiola weiß, wie man Herzen gewinnt. (Foto: Action Images via Reuters)
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01.07.2026 | 15:12 Uhr
Das Fußball-Mutterland England traut sich, Brasilien lebt es vor - und selbst die abgerauschten Italiener spielen das Szenario durch: einen Nationaltrainer aus einem anderen Land verpflichten. Und Deutschland? Sollte zumindest mal gut darüber nachdenken.

Das Fußball-Mutterland England traut sich, Brasilien lebt es vor - und selbst die abgerauschten Italiener spielen das Szenario durch: einen Nationaltrainer aus einem anderen Land verpflichten. Und Deutschland? Sollte zumindest mal gut darüber nachdenken.

England ist in vielen Dingen ein Vorreiter, auch im Fußball. Als die Football Association Ende 2024 mit Thomas Tuchel einen ausländischen Coach aus dem Hut zauberte, war das Staunen groß. Ein Deutscher auf dem englischen Fußball-Chefsessel, das überstieg die Vorstellungskraft der meisten im Land. Wurde aber schnell Realität. Innerhalb des Teams gewann der Coach schnell Vertrauen. In den aufgeregten Medien eher nicht.

Tuchel an der Seitenlinie Englands ist das Abbild eines größer werdenden Trends. Schon bei der XXL-WM in Nordamerika führt bei der Mehrheit der teilnehmenden Teams ein ausländischer Trainer die Nationalelf an. Von Carlo Ancelotti, Chef der brasilianischen Selecao, bis Tuchel: Insgesamt 26 der 48 Teams kommen aus einem anderen Land als ihre Nationalelf - das macht 54 Prozent.

Klopp oder Guardiola? Hummels hat einen Favoriten

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Sie arbeiten daran, den Makel zu entfernen, wonach bisher noch keine Nation den WM-Titel mit einem Trainer aus einem anderen Herkunftsland gewinnen konnte. Das könnte sich in diesem Jahr aber schon ändern. Und womöglich wäre ein solcher Schritt auch eine Alternative für den deutschen Fußball.

Nur "Schatten"-Bundestrainer Klopp als Option?

Nun ist es so, dass Julian Nagelsmann immer noch deutscher Bundestrainer ist. Doch nach dem erneuten WM-Debakel werden die Rufe nach einem Wechsel stündlich lauter. Auch prominente Namen wie Lothar Matthäus oder Mats Hummels reihen sich ein. Laut "Sky" denkt der DFB über eine Trennung nach, das sei ein "realistisches" Szenario. Nach der Ankunft in Deutschland wollen sich die Bosse und Nagelsmann zusammensetzen. Sein Vertrag läuft eigentlich noch bis 2028.

Als Schatten-Coach wird vor allem einer herbeigejubelt: Jürgen Klopp. Schon seit Jahren gilt "Uns"-Kloppo als eine Art Zukunfts-Bundeschef. Einer, dem zumindest früher die Herzen zuflogen. Ein Emotionalisierer vor dem Herrn. Der größtmögliche Konsens. Und: einer mit einer sehr erfolgreichen Titelhistorie und Erfahrung. Damit bringt er schon sehr viel, wenn nicht alles, mit für den Posten.

Nagelsmann-Aus ist "realistisches" Szenario

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Nationaltrainer sehen ihre Teams nur alle paar Wochen oder gar Monate. Ein tägliches Arbeiten wie auf Vereinsebene ist nicht möglich. Umso wichtiger ist es in der kurzen Zeit, bei den Länderspielreisen und der Vorbereitung einen Spirit aufzubauen und vorzuleben. Ein Nationaltrainer muss die Spieler erreichen, kommunikativ auf der Höhe sein und die nicht zu vermeidenden Debatten händeln. Bestenfalls weniger bockig und souveräner als Nagelsmann dies in den vergangenen Tagen tat.

Und: Ein Bundestrainer muss vor und während einem großen Turnier das Land emotionalisieren und hinter das Team versammeln können. Nicht allein durch markige Sprüche, aber ein kleiner Menschenfänger sollte es schon sein. Bisher gilt auch: einen deutschen Pass haben.

Mehr Freiheit auf der Trainer-Position

All diese Punkte sprechen für Klopp. Doch es gibt auch Dinge, die dagegensprechen. Klar ist, dass der DFB und die Nationalelf mal wieder einen Neustart benötigen, einen richtigen, keinen halbherzigen.

Eine mögliche Lösung: Jemanden an die Spitze holen, der neu denkt. Der alles auf den Kopf stellt, das System crasht und dann aufbaut. Ein bisschen wie Jürgen Klinsmann 2006, als er den Fußballverband einmal kräftig durchschüttelte und nahe an den Nervenzusammenbruch brachte. Das bescherte ihm aber auch viel Gegenwind und kostete ihn fast den Job vor dem Sommermärchen.

Nun muss das nicht zwangsläufig ein ausländischer Trainer sein, kann es aber. Bei den Spielern sind die Trainer und der Verband auf die Nationalität als einschränkenden Faktor angewiesen, auf dem Trainerstuhl nicht. Hier gilt absolute Freiheit.

Die größte Lösung wäre sicherlich Josep Pep Guardiola. Der ewige Gegenspieler zu Klopp. Der Mann stand schon für Aura, bevor es als Dauerwort für Manuel Neuer eingeführt wurde. Mit seinem Ballbesitzfußball und Tikitaka eroberte er einst mit dem FC Barcelona Europa, formte später dann Manchester City zur Titelmaschine in England. Dazwischen arbeitete er auch erfolgreich beim deutschen Rekordmeister FC Bayern. Nach seinem Rücktritt bei ManCity im Mai ist er erstmal ohne Festanstellung.

Hummels kennt die Argumente

Ob ihn eine Nationalelf statt eines europäischen Top-Teams reizen würde? Fraglich. Aber einen Versuch wäre es wert. Seine Ansprachen könnte er jedenfalls auf Deutsch halten. "Ich glaube, dass sowohl Pep Guardiola als auch Jürgen Klopp überall hinpassen - jede Vereinsmannschaft, jede Nationalmannschaft. Die beiden besten Trainer des vergangenen Jahrzehnts, der letzten 17, 18 Jahre in meinen Augen weltweit. Deswegen könnte ich mir beide sehr gut vorstellen", sagte Weltmeister Hummels.

Zinedine Zidane versprüht mindestens eine ähnliche Aura wie Guardiola. Als Spieler und Trainer hat er alles gewonnen. Mit Real holte er mehrmals den Henkelpott. Allerdings wird der Welt- und -Europameister übereinstimmenden Medienberichten zufolge nach der WM die französische Nationalelf als Cheftrainer übernehmen.

DFB-Familienbesuche versetzen Matthäus in Rage

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Vor und nach Zidane waltete Carlo Ancelotti bei Real Madrid. Er gilt als Moderator, Flüsterer und Besänftigter der Stars. Wer in Ruhe mit einem Enfant terrible wie Vinicius Junior arbeiten kann, kann vermutlich überall arbeiten. Allerdings ist er vorerst weiter im Amt bei der brasilianischen Nationalelf - je nachdem, wie lange die WM-Reise andauert.

Auch Oliver Glasner hat sich als Titelsammler einen Namen gemacht. Erst gewann er mit Eintracht Frankfurt die Europa League, dann holte er mit Crystal Palace den FA Cup, Supercup und sogar die Conference League. Bei dem Premier-League-Klub hörte der Österreicher nach dem jüngsten Titelgewinn auf - ist auf Jobsuche. Dass er erfolgreich Teams aufbauen kann, hat er auf Vereinsebene unterstrichen.

Streich wird im TV direkt gefragt

Schon vor Nagelsmanns Amtszeit geisterte der Name Louis Van Gaals durch Fußball-Deutschland. Der Niederländer blickt wie auch Guardiola (im Gegensatz zu Ancelotti) auf eine erfolgreiche Amtszeit beim FC Bayern zurück, wurde dort Bundesliga-Kult. Was schon mal eine Bewerbung boostert. Auch der 74-Jährige gilt als väterliche Figur, die ein Star-Ensemble händeln kann. Allerdings hat er eigentlich seine Karriere nach dem WM-Aus 2022 mit Oranje beendet. Und nicht mal bei unserem Nachbarland, das ebenfalls auf Bondscoach-Suche ist, wird er ernsthaft gehandelt.

Das bringt uns nochmal zu einem deutschen Kandidaten. Christian Streich ist derzeit viel im TV zu sehen. Im ZDF analysiert er das WM-Geschehen- auch das WM-Aus der DFB-Elf. Der ehemalige Freiburger-Coach ist wohl immer noch einer der beliebtesten Coaches des Landes. Seine Meinung ist immer gern gehört. Auch einer vom Schlage Streich wäre sicher eine Option neben Klopp.

Das ZDF selbst bohrte schon investigativ nach - im Live-TV. Ob er noch auf Jobsuche sei, fragte ihn Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein. Dafür allein gab es schon Applaus im Publikum. Der Südbadener pustete durch und schüttelte ob der Frage nur den Kopf. Immerhin: Ein klares Dementi war das nicht.

Verwendete Quelle: ntv.de