Fußball

Mit Balkon-Party nach Europa Das wahnsinnige Drehbuch von Union Berlin

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Ein Tor in den Wahnsinn - und nach Europa: Max Kruse (irgendwo) traf in der Nachspielzeit zum Sieg über RB Leipzig.

(Foto: picture alliance/dpa/AFP-Pool)

Der 1. FC Union Berlin spielt kommende Saison zum ersten Mal nach 20 Jahren wieder international. Das wird möglich, weil sich das Saisonfinale bis zu einem letzten Höhepunkt zuspitzt. Ein Ende, das fast zu verrückt war, um wahr zu sein.

Feuerwerk und Jubelchöre: Mit der ersten spontanen Europa-Party haben Spieler und Fans des 1. FC Union Berlin den sensationellen Einzug in die neue Conference League gefeiert. Auch Erfolgscoach Urs Fischer ließ sich bei dem Fest vor dem Stadion an der Alten Försterei nicht lange bitten, trank auf dem Balkon der Arena einen Schluck Bier und warf seine Trainingsjacke in die jubelnde Menge.

Stürmerstar Max Kruse hatte den Hauptstadt-Klub zuvor nach 20 Jahren wieder in den Europapokal geschossen. In der Nachspielzeit traf der Angreifer zum 2:1 (0:0) gegen Vizemeister RB Leipzig, so dass Union nur zwei Jahre nach dem Aufstieg in die Fußball-Bundesliga den Europa-Coup perfekt machte. 2001 hatte Union als erster Drittligist im UEFA-Pokal gespielt, nachdem sie gegen Vize-Meister Schalke das DFB-Pokalfinale zwar verloren hatten, die Blau-Weißen aber bereits für die Champions League qualifiziert waren. In der zweiten Runde war gegen den bulgarischen Vertreter Litex Lowetsch aber bereits Endstation für die Köpenicker.

"Wahnsinn trifft es perfekt"

"Wahnsinn eigentlich, der Spielverlauf wie im Drehbuch, wenn man es sich ausmalen könnte, würde man es so schreiben", sagte Fischer nun nach dem Schlusspfiff und wünschte sich in der Kabine ein Stück Torte. Auch der Matchwinner spielte in seiner ersten glückseligen Reaktion auf den dramatischen Spielverlauf an. "Das ist weltklasse, dass wir uns für die herausragende Saison belohnen. Letztes Spiel, letzte Minute. Besser kann man es nicht schreiben", sagte Kruse bei Sky. Der 33-Jährige hatte mit seinem Kopfball für Ekstase unter den im Rahmen eines Pilotprojekts zugelassenen Fans gesorgt.

Vor dem Stadion zündeten Anhänger gleich nach dem Schlusspfiff vor Freude Böller, dann stieg die Sause mit den Spielern auf dem Vorplatz. "Wahnsinn trifft es perfekt. Der Wille war absolut da. Es war sehr viel Kampf, die Kraft ging uns am Schluss aus", befand Unions Kapitän Christopher Trimmel. "Ich bin stolz auf die Truppe. Wir haben in erster Linie für die Fans gespielt." Am 19. und 26. August startet Union in den Playoffs zur neuen Conference League nun sein Europa-Abenteuer.

Im letzten Leipzig-Spiel von Trainer Julian Nagelsmann sorgte Justin Kluivert (55.) für die RB-Führung. Die Leihgabe von der AS Rom ließ den aus dem Tor geeilten Union-Keeper Andreas Luthe aussteigen und schob den Ball ins leere Tor. Marvin Friedrich (67.) erzielte nach einer Ecke den umjubelten Ausgleich. Es dauerte bis in die Nachspielzeit, bis Kruse (90.+2) die Saison der Köpenicker krönte. Leipzig verpasste es, einen neuen Punkterekord aufzustellen. Vor dem Anpfiff verabschiedete Union seine Leihspieler Loris Karius und Taiwo Awoniyi unter dem Applaus der Fans offiziell.

Die Zuschauer durften im Rahmen eines Pilotprojekts zurück ins Stadion, so dass Union erstmals seit Oktober 2020 wieder vor Fans spielte. Die pflegten zunächst die Geisteratmosphäre. Aus Protest gegen RB schwiegen die Anhänger in den ersten 15 Minuten. Diese Aktion hat bei Union Tradition, so hatte man sich bereits in anderen Bundesliga-Spielen gegen Leipzig selbst gefeiert. Nach einer Viertelstunde ertönten dann die Eisern-Union-Schlachtrufe und es kam etwas Fußball-Atmosphäre auf.

Leipziger Führung gekontert

Bis dahin hatte lediglich Kruse für Aufregung gesorgt. Der Ex-Nationalspieler sah den Leipziger Torwart-Debütanten Josep Martinez zu weit vor seinem Kasten, doch der Heber aus gut 30 Metern ging knapp vorbei. Leipzig tat sich sehr schwer, hinter die Berliner Abwehrkette zu kommen. Union konterte lieber und war nah an der Führung, als Petar Musa (34.) nach Pass von Christopher Lenz am kurzen Pfosten scheiterte.

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Leipzig wurde erst eine Minute vor der Pause gefährlich. Emil Forsberg und Hee-chan Hwang scheiterten beide an Luthe, der Nachschuss von Marcel Sabitzer ging knapp am Pfosten vorbei. Seine vorletzte Halbzeit als Leipziger Trainer vor seinem Wechsel zu Bayern München hatte sich Nagelsmann anders vorgestellt. Zumal man nur bei einem Sieg die clubinterne Punktebestmarke von 67 Zählern verbessert hätte.

Nach 54 Minuten brachte Nagelsmann Yussuf Poulsen und Christopher Nkunku ins Spiel. Die Idee zündete umgehend. Nkunku nahm einen Unioner Fehlpass in der eigenen Hälfte auf, trieb den Ball noch bis zur Mittellinie und schickte dann Kluivert auf die Reise. Der niederländische U21-Nationalspieler hatte nach zuvor zwei unglücklichen Aktionen diesmal keine Probleme. Union musste nun das Spiel machen, doch viel fiel ihnen zunächst nicht ein. Eine Ecke von Trimmel landete aber direkt auf dem Fuß von Friedrich, der volley zum Ausgleich traf. Union mühte sich nach Kräften, drängte auf die Führung. Kruse war schließlich in der Nachspielzeit zur Stelle und sorgte für Köpenicker Jubel.

Quelle: ntv.de, Tom Bachmann und Arne Richter, dpa

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