Es hätte ein schönes Debüt für Isamel Saibari beim FC Bayern werden können. Ein Sieg gegen RB Leipzig, ein erstes Schnuppern in der Münchner Allianz-Arena beim Telekom-Cup. In der 70. Minute wurde er eingewechselt, wenig später erzielte er schon seinen ersten Scorerpunkt. Doch kurz vor Schluss reagierte sein Instinkt - vielleicht auch seine Panik.
Denn in der 83. Minute machte sich beim Spiel zwischen dem FC Bayern und RB Leipzig in der Münchner Allianz-Arena Entsetzen breit. Jamal Musiala hatte gerade erst das 3:1 erzielt - nach Vorlage von Saibari -, als er auf dem Platz zusammensackte. Saibari reagierte als Schnellster, rannte zu seinem neuen Teamkollegen, stützte ihn und half ihm dabei, sich auf den Boden zu legen. Gemeinsam mit weiteren Spielern rief er nach den Medizinern.
Die Schrecksituation war zügig wieder vorbei, der auf das Feld geeilte Notarzt musste nicht mal eingreifen. Musiala konnte den Platz selbstständig verlassen, auch wenn er dabei benommen wirkte. Die Zuschauer klatschten und riefen seinen Namen. Es sei nur ein Schwindelanfall gewesen, hieß es später. Während der Partie herrschten in München Temperaturen von 33 Grad. "Das Wichtigste ist, es geht ihm gut", sagte Sportvorstand Max Eberl nach dem Spiel.
Nouri erlitt schwere Hirnschäden
Es wird auch eine Erleichterung für Bayern-Neuzugang Saibari gewesen sein. Denn der Marokkaner musste 2017 miterleben, wie sein guter Freund und Teamkollege bei Ajax Amsterdam, Abdelhak Nouri, bei einem Testspiel gegen Werder Bremen zusammenbrach und bleibende Hirnschäden erlitt. Der damals 20-Jährige hatte einen Herzstillstand, musste reanimiert und mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden. Doch aufgrund mangelnder Sauerstoffversorgung trug er schwere Hirnschäden davon. Er ist auf intensive Pflege angewiesen.
Saibari bewegt das bis heute. Sein Freund Nouri ist der Grund, warum er auch beim FC Bayern die Nummer 34 auf dem Trikot trägt: "Er hat überlebt, aber ist seitdem nicht mehr in der Lage, sich selbstständig zu bewegen. Um ihn zu unterstützen, trage ich die 34, weil er diese zuletzt getragen hat." Wie er halten es mehrere ehemalige Teamkollegen, etwa Justin Kluivert bei der AS Rom und Donny van de Beek bei Manchester United.

Saibari besteht Medizincheck für Bayern
Bei Ajax wird die 34 seit dem dramatischen Vorfall nicht mehr vergeben. Nach einem Rechtsstreit zwischen dem Klub und der Familie Nouris zahlte der Verein der Familie im Jahr 2022 eine Entschädigung von 7,85 Millionen Euro und übernahm die Pflegekosten für das einstige Talent. Zwar hatte der Klub keinerlei Fehler bei der Behandlung gesehen, musste aber nach mehreren Gutachten doch feststellen, dass die Behandlung "auf dem Feld unzureichend war".
Das üble Déjà-vu für Saibari endete derweil glimpflich. Musiala wird sich erholen und wohl schnell wieder ins Training einstiegen. Am kommenden Samstag steht der Franz-Beckenbauer-Supercup gegen Borussia Dortmund an.

